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Fasziolose (Wiederkäuer)

Synonym: Fasciola hepatica-Befall
Englisch: fasciolosis

1 Definition

Die Fasziolose ist eine durch Trematoden (Saugwürmer) der Gattung Fasciola verursachte Parasitose beim Wiederkäuer.

2 Erreger

Fasciola hepatica (Großer Leberegel) ist ein abgeflachter, lorbeerblattähnlicher, bräunlich-grauer, etwa 18 bis 50 mm langer und 7 bis 14 mm breiter Parasit. Das konische Vorderende ist durch eine schulterähnliche Verbreiterung vom restlichen Körper deutlich abgesetzt, sodass sich der Trematode nach hinten hin allmählich verjüngt. Der Mundsaugnapf ist apikal ausgebildet, der Bauchsaugnapf liegt an der Basis des Apikalkonus.

Die Eier sind oval, dünnschalig, 130 bis 145 x 70 bis 90 µm groß und mit einem Operculum (Deckelchen) versehen.[1]

3 Epidemiologie

Fasziolosen kommen weltweit vor und betreffen sowohl Haus- als auch Wildwiederkäuer. Aufgrund intensiver und systematischer Bekämpfungsmaßnahmen ging die Verbreitung dieses Parasiten stark zurück, wobei seit einigen Jahren die Befallsextensität wieder zunimmt.[2]

Die Infektion erfolgt hauptsächlich peroral durch Aufnahme von an Pflanzen haftenden Metazerkarien oder (seltener) durch Schwimmzysten mit dem Trinkwasser.[1]

4 Pathogenese

Nachdem die infektiösen Stadien oral durch einen geeigneten Wirten aufgenommen werden, durchbohren die jungen Leberegel innerhalb weniger Tage die Dünndarmwand. Dadurch gelangen die Parasiten in die Bauchhöhle. Während der Penetration der Jungegel durch die Dünndarmwand entstehen nur kleine Läsionen, die serosal durch Fibrinauflagerungen verschlossen werden. Durch die Fibrinausschwitzungen kann es zu Verklebungen mit anliegenden Organen kommen.

Innerhalb von 90 Stunden dringen sie in die Leber ein, wobei auch hier Fibrinauflagerungen entstehen. In den folgenden 6 bis 8 Wochen persistieren sie im Parenchym und ernähren von dem Lebergewebe. Dabei sezernieren sie proteolytische Enzyme (Kollagenasen und verschiedene Thiolproteasen), weshalb Leberzellen und kleine Gefäße zerstört werden. Über reperative Entzündungsprozesse vernarbt das zerstörte Lebergewebe, sodass zusätzlich Fibrin angelagert wird (fibrinöse Entzündung).

Kurz vor Erreichen der Geschlechtsreife wandern die Leberegel in die Gallengänge aus. Die adulten Stadien können bis zu 20.000 Eier pro Tag produzieren, wobei der Großteil mit der Galle schubweise in den Darminhalt abgeschwemmt und somit ausgeschieden wird.

Mit dem Eindringen der Leberegel in die Gallengänge beginnt das chronisch-fibrinöse Verlaufsstadium. Das Gallengangepithel wird hyperplastisch. Durch die Nahrungsaufnahme der Parasiten kommt es zu einer zunehmenden Zerstörung der Gallengangsepithelzellen, weshalb sich aufgrund von umfangreichen Blutungen eine hämorrhagische Anämie entwickelt. Die Gallengänge verdicken und begünstigen einen Austritt von Blutbestandteilen in das Lumen. Aufgrund von Serumalbuminverlusten entwickelt sich eine ausgeprägte Hypalbuminämie.[3]

5 Klinik

Je nach Autor können unterschiedliche Verlaufsformen unterschieden werden. Neben einer akuten Fasziolose werden auch subakute, chronische und subklinische Fasziolosen beschrieben.

Die akute Fasziolose ensteht bei der Wanderung der jungen Egel durch die Bauchhöhle sowie durch das Leberparenchym und ist durch plötzliche Todesfälle gekennzeichnet. Es entwickeln sich eine perakut verlaufende Peritonitis sowie eine Leberinsuffizienz mit Ikterus und Anämie.

Die chronische Fasziolose wird von den adulten Leberegeln in den Gallengängen verursacht und entwickelt sich im Gegensatz zur akuten Verlaufsform nur langsam. In der chronischen Phase kommt es zum Gewichtsverlust und zur Abnahme der Milchleistung. Neben einer Anämie fallen die betroffenen Tiere durch eine chronische Diarrhö auf. Aufgrund der Hypalbuminämie kommt es zur vermehrten Ausbildung von Ödemen. Neben einer gesteigerten GGT-Aktivität bewirken die Parasiten eine Immunsuppression, sodass sich das Risiko einer Salmonellose erhöht.[2]

6 Diagnose

Aufgrund der fehlenden Eiausscheidung (mit dem Kot) können akute Fasziolosen nur post mortem (Schlachthof) diagnostiziert werden. Im Gegensatz dazu sind chronische Fasziolosen aufgrund massiver Eiausscheidung mittels Koproskopie (Sedimentationsverfahren) nachweisbar. Alternativ kann auch die Gallenflüssigkeit auf Parasiten sowie Eier untersucht werden.

7 Differenzialdiagnosen

Die akute Fasziolose muss von einer chronischen Kupfervergiftungen abgegrenzt werden. Weiterhin sind ein Befall mit Dicrocoelium dendriticum (Kleiner Leberegel) und Durchfall-verursachende Infektionen (z.B. Bovine Virusidarrhö oder Salmonellose) differenzialdiagnostisch zu erwägen.

8 Therapie

Die Fasziolose kann mit Benzimidazolen therapiert werden. Hierfür eignet sich neben Albendazol (15 mg/kgKG oral) auch Triclabendazol (12,5 mg/kgKG, jedoch nicht bei laktierenden Kühen[4][5]).

Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.

9 Prophylaxe

Eine Infestation kann mit terminorientierten Maßnahmen (prophylaktisches Entwurmen) verhindert werden. Es gibt verschiedene Entwurmungsstrategien, die angewendet werden können (z.B. Behandlung 6 Wochen nach der Aufstallung sowie Behandlung Ende März).

Zusätzlich ist auf eine einwandfreie Futter- und Weidehygiene zu achten (strategisches Beweiden, Silierung und ausreichend lange Lagerung von kontaminiertem Grünfutter).[2]

10 Quellen

  1. 1,0 1,1 Johannes Eckert et al. Lehrbuch der Parasitologie für die Tiermedizin. 2., vollständig überarbeitete Auflage. Enke-Verlag, 2008.
  2. 2,0 2,1 2,2 M. Metzner, W. Klee. Ausgewählte Kapitel aus dem Gebiet der Inneren Medizin der Wiederkäuer; abgerufen am 26.09.2019
  3. Thomas Schnieder (Hrsg.), Josef Boch und Rudolf Supperer (Begründer). Veterinärmedizinische Parasitologie. 6., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Parey-Verlag, 2005.
  4. Institut für Veterinärpharmakologie und ‑toxikologie. Albendazol, ChliniPharm, abgerufen am 26.09.2019
  5. Institut für Veterinärpharmakologie und ‑toxikologie. Triclabendazol, CliniPharm, abgerufen am 26.09.2019

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