FSH-Rezeptor
Synonym: Follikelstimulierendes Hormon-Rezeptor
Englisch: follicle-stimulating hormone receptor
1. Definition
Der FSH-Rezeptor, kurz FSHR, ist ein G-Protein-gekoppelter Rezeptor, der eine zentrale Rolle bei der Steuerung der Fortpflanzungsfähigkeit spielt. Er vermittelt die Wirkung des follikelstimulierenden Hormons (FSH), das für die Steuerung der Ovarialfunktion bei Frauen und der Spermatogenese bei Männern essentiell ist.
2. Genetik
Das FSHR-Gen liegt auf Chromosom 2p21-p16 und besteht aus 10 Exons und 9 Introns. Durch alternatives Spleißen entstehen verschiedene Isoformen des Rezeptors:
- FSHR1: Kanonischer G-Protein-gekoppelter Rezeptor, mit einer großen extrazellulären N-terminalen Domäne, 7 Transmembrandomänen und einem intrazellulären C-Terminus. FSHR1 wird in den Granulosazellen der Ovarien und in den Sertoli-Zellen der Hoden exprimiert.
- FSHR2: Besteht aus den extrazellulären und transmembranen Domänen, hat jedoch keine intrazelluläre Signaldomäne, wodurch die Aktivierung des G-Proteins ausbleibt. Bisher (2025) ist keine biologische Funktion bekannt.
- FSHR3: Hat nur eine einzelne Transmembrandomäne und ähnelt in seiner Topologie dem IGF-1-Rezeptor. Er fördert vermutlich das Zellwachstum und die Mitose über den MAPK-Signalweg.
- FSHR4: Lösliche Form des Rezeptors, die keine Transmembrandomäne besitzt und möglicherweise ähnlich wie IGF-1 agiert. Die genaue Funktion ist derzeit (2025) jedoch noch unklar.
3. Funktion
Der FSHR vermittelt die geschlechtsspezifische Wirkung von FSH:
- Bei der Frau reguliert die FSH-vermittelte Aktivierung des FSHR u.a. die Follikelreifung in der ersten Phase des Menstruationszyklus. Außerdem wird die Östrogenproduktion in den Granulosazellen reguliert.
- Beim Mann stimuliert die FSH-vermittelte Aktivierung des FSHR die Spermatogenese in den Sertoli-Zellen.
siehe auch: Follikelstimulierendes Hormon
4. Klinik
Mutationen im FSHR-Gen beeinflussen die Affinität des Rezeptors für seinen Liganden FSH. Es gibt sowohl aktivierende als auch inaktivierende Mutationen, welche die reproduktive Funktion bei beiden Geschlechtern beeinflussen. Der Phänotyp ist i.d.R. bei Frauen stärker ausgeprägt.
- Aktivierende Mutationen: Erhöhte FSHR-Aktivität kann zum ovariellen Hyperstimulationssyndrom (OHSS) führen.
- Inaktivierende Mutationen: Eine verminderte FSH-Signaltransduktion kann eine FSH-Resistenz verursachen, die mit Infertilität, Amenorrhoe oder Azoospermie einhergeht.
Darüber hinaus sind verschiedene Polymorphismen beschrieben, die u.a. auf die Effektivität der In-vitro-Fertilisation beeinflussen und das Risiko für OHSS erhöhen.
5. Forschung
In Studien mit Knockout-Mäusen wurden Mutationen im Exon 7 des FSRH-Gens mit dem POF-Syndrom in Verbindung gebracht.
6. Quelle
- Bhartiya und Patel. Journal of Ovarian Research - An overview of FSH-FSHR biology and explaining the existing conundrums Journal of Ovarian Research. 14:144. 2021