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Dentition

von lateinisch: dentire - Zahnen, Zähne bekommen
Synonym: Zahnen
Englisch: tooth eruption

1 Definition

Als Dentition bezeichnet man den Prozess des Zahndurchbruchs aus dem Kiefer in die Mundhöhle. Der Durchbruch eines einzelnen Zahnes wird auch Eruption genannt.

2 Hintergrund

Sowohl der Mensch, als auch die meisten Säugetiere, vollziehen während ihres Lebens zwei Dentitionen. Etwa sechs bis neun Monate nach der Geburt beginnt beim Säugling die 1. Dentition ("lacteale Dentition"). In dieser Phase brechen die Milchzähne durch. Um das 6. Lebensjahr herum beginnt die 2. Dentition ("permanente Dentition") mit dem Verlust der Milchzähne und dem Durchbruch des bleibenden Gebisses.

3 Ablauf

3.1 Erste Dentition

Der Zeitpunkt des Durchbruchs der Zähne des Milchgebisses kann von Mensch zu Mensch erheblich variieren. Selten (1:2.000) können bereits bei der Geburt Zähne sichtbar sein. Es brechen typischerweise als erstes die Schneidezähne (Inzisivi) der Mandibula mit einem durchschnittlichen Alter von 8 Monaten durch. Gefolgt werden sie von den maxillären Schneidezähnen. Erst anschließend brechen die Backen- (Molaren) und Eckzähne (Canini) aus. Die Zahnung ist erst mit dem Durchbruch der zweiten Molaren vollständig, die durchschnittlich in einem Alter von 29 Monaten erfolgt.

Die von der Dentition verursachten Symptome wie Unruhe, Schmerzen und vermehrter Speichelfluss fasst man unter dem Begriff Dentitio difficile zusammen.

Lebensmonat ø Intervall Zähne
8 6-10 untere mittlere Inzisivi
10 8-12 obere mittlere Inzisivi
11 9-13 obere seitliche Inzisivi
13 10-16 untere seitliche Inzisivi
16 13-19 erste obere Molaren
16 14-18 erste untere Molaren
19 16-22 obere Canini
20 17-23 untere Canini
27 23-31 zweite untere Molaren
29 25-33 zweite obere Molaren

3.2 Zweite Dentition

Das bleibende Gebiss entsteht i.d.R. zunächst an den ersten Molaren im Alter von 6-7 Jahren. Anschließend folgen die Schneidezähne. Nach Durchbruch der Prämolaren folgen im Alter von 11-14 Jahren die zweiten Molaren. Die dritten Molaren ("Weisheitszähne") erscheinen meist im Alter von 17-21 Jahren. Wenn sie nicht oder nur unvollständig in die Mundhöhle durchbrechen, bezeichnet man sie als retinierte Weisheitszähne. Je nach verfügbarem Platz im Ober- oder Unterkiefer können sie Beschwerden verursachen und müssen bei manchen Patienten entfernt werden.

Lebensjahr Zähne Unterkiefer Zähne Oberkiefer
6-7 Erste Molaren
6-8 Erste Inzisivi
7-9 Zweite Inzisivi
10-13 Canini  Erste Prämolaren
10-12 Erste Prämolaren Zweite Prämolaren
11-13 Zweite Prämolaren Canini
11-14 Zweite Molaren
> 16 Dritte Molaren

4 Klinik

4.1 Vorzeitige Dentition

In seltenen Fällen können schon zum Zeitpunkt der Geburt Zähne in der Mundhöhle vorhanden sein (Dentes natales). Dabei unterscheidet man zwischen:

  • Dentes praelactales: zahnähnliche Rudimente aus einer vor der Milchzahnentwicklung liegenden prälaktalen, inkompletten Zahnbildung
  • Dentitio praecox: vorzeitig durchgebrochene Zähne der ersten Dentition

Assoziierte Grunderkrankungen sind beispielsweise:

4.2 Verzögerte Dentition

Eine verzögerte Dentition (Dentitio tarda) des Milchgebisses kann verschiedene Ursachen haben. Sie tritt familiär auf, kann aber auch Folge einer Mangelernährung sein. Sie wird außerdem im Rahmen verschiedener Grunderkrankungen beschrieben, so z.B. bei:

4.3 Weitere Störungen der Zahnentwicklung

  • Anodontie: Ein vollständiges Ausbleiben einer Zahnentwicklung nennt man Anodontie. Sie kann auf einzelne Zähne beschränkt sein oder das ganze Gebiss betreffen. Die Anodontie tritt am häufigsten im Rahmen von genetischen Syndromen auf.
  • Hypodontie: Fehlen weniger Zähne z.B. im Rahmen von Trisomie 21, Cockayne-Syndrom, Ellis-van-Creveld-Syndrom oder einer ektodermalen Dysplasie.
  • Hyperdontie: Die Hyperdontie beschreibt einen Überschuss an Zähnen. Die zusätzlichen Zähne brechen oft zwischen zwei normalen Zähnen durch und können diese verdrängen. Sie können auch im Bereich von Gaumenspalten oder im Rahmen einer Cleidokranialen Dysplasie auftreten.
  • Zahnfusion: Bei einer Zahnfusion verschmelzen zwei Zähne zu einem. Es können eine oder zwei Zahnwurzeln vorliegen.
  • Makrodontie: Im Verhältnis zum Kiefer zu große Zähne, z.B. bei Trisomie 21 oder Langer-Giedion-Syndrom
  • Mikrodontie: Im Verhältnis zum Kiefer zu kleine Zähne
  • Amelogenesis imperfecta: Hierbei handelt es sich um eine Gruppe genetisch bedingter Zahnschmelzdysplasien. Strukturbildende Proteine im Schmelz sind fehlerhaft, sodass dieser nicht richtig synthetisiert wird. Folge sind eine erhöhte Temperaturempfindlichkeit, eine verstärkte Kariesneigung und eine gräulich-braune Verfärbung der Zähne.
  • Dentinogenesis imperfecta: Eine der Amelogenesis imperfecta ähnliche, autosomal-dominant vererbliche Störung, die auch im Rahmen einer Osteogenesis imperfecta vorkommen kann.
  • Dentindysplasie: seltene Störung der Dentinbildung mit atypischer Dentin- und Pulpamorphologie.
  • Odontodysplasie: sehr seltene Krankheit, bei der sowohl Zahnschmelz als auch Dentin, Pulpagewebe und Wurzelzement fehlgebildet sind.

Fachgebiete: Zahnmedizin

Diese Seite wurde zuletzt am 9. Juni 2020 um 09:57 Uhr bearbeitet.

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