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Brachyzephales obstruktives Atemwegssyndrom (Hund)

Synonyme: BOAS, Brachyzephalen-Atemnotsyndrom, obstruktives Atemwegsyndrom bei brachyzephalen Hunden
Englisch: brachycephalic airway obstructive syndrome

1 Definition

Als brachyzephales obstruktives Atemwegssyndrom, kurz BOAS, bezeichnet man beim Hund progressive morphologische und funktionelle Veränderungen, die sich bei brachyzephalen (kurzköpfigen) Rassen als Folge einer zuchtbedingten Schädelkonformation ausbilden.

2 Vorkommen

Zu den brachyzephalen Rassen gehören unter anderem Boston Terrier, Boxer, Mops und Bulldoggen.

3 Ätiopathogenese

Zu den primären morphologischen Veränderungen, die in variablen Kombinationen auftreten können, zählen:

Als Folge dieser Pathologien kommt es zu einer partiellen Obstruktion der oberen Atemwege. Die Erkrankung führt zum chronischen Sauerstoffmangel, gesteigerter Atemarbeit und starken intrathorakalen Druckschwankungen.

Die durch die Obstruktion bedingten starken Druckveränderungen der oberen Atemwege sowie die chronische Reizung der Atemwege durch die erhöhte Luftgeschwindigkeit führen zu weiteren Sekundärveränderungen, unter anderem:

Durch den erhöhten intrathorakalen Druck und die Vagotonusstimulation kommt es zum Regurgitieren, Würgen und Erbrechen. Die dadurch häufig entstehende Ösophagitis und Gastritis fördern den Brechreiz noch weiter.

Eine Vielzahl der Tiere leiden an Übergewicht, was sich negativ auf die Lungenfunktion auswirkt. Umgekehrt fördert die eingeschränkte Bewegung aufgrund der verminderten Belastbarkeit die Adipositas, wodurch ein Circulus vitiosus entsteht.

4 Klinik

Die klinischen Anzeichen eines brachyzephalen obstruktiven Atemwegssyndroms entwickeln sich meist allmählich, wobei eine Vielzahl der Patienten im Alter von etwa 2 bis 4 Jahren vorgestellt wird. Mögliche Symptome sind:

  • röhrende oder pfeifende Stenosegeräusche
  • inspiratorische Dyspnoe (bei verdicktem Gaumensegel kann auch die Ausatmung eingeschränkt sein)
  • Maulatmung
  • Schnarchen (oft schon in Ruhe oder im Schlaf)
  • Würgebewegungen
  • Zyanose
  • Synkope

Die klinischen Anzeichen werden insbesondere durch körperliche Anstrengung, Aufregung, Hecheln und bei schwüler Witterung verstärkt.

5 Diagnostik

Eine Verdachtsdiagnose kann in der Regel aufgrund der Rasse und der typischen klinischen Symptome gestellt werden. Mittels Laryngoskopie, Röntgenaufnahmen, Endoskopie von Trachea und Bronchien können Art und Schweregrad der pathologischen Veränderungen festgestellt werden.

6 Therapie

Tiere mit starker Atemnot müssen in einen kühlen, ruhigen Raum verbracht und gegebenenfalls sediert (z.B. mit Butorphanol) werden. Es sollte sofort Sauerstoff verabreicht werden, wobei Patienten mit extremer Atemnot narkotisiert und intubiert werden müssen. Bei mittelschweren bis schweren Fällen ist die Gabe eines rasch wirksamen Glukokortikoids (z.B. Prednisolon) indiziert.

Nach der Stabillisierung des Tieres ist so rasch wie möglich eine chirurgische Sanierung, die individuell an den Patienten angepasst werden muss, durchzuführen. Mögliche Maßnahmen sind:

  • Rhinoplastik (Erweiterung der stenotischen Nasenlöcher)
  • Palatoplastik (Verkürzung und gegebenenfalls Verdünnung des Gaumensegels)
  • Entfernung aberranter Nasenmuscheln

Auch bei leichten bis mittelschweren Fällen sollte eine chirurgische Therapie durchgeführt werden, da der zunehmende inspiratorische Unterdruck auf die oberen Atemwege die Entstehung irreversibler Veränderungen begünstigt.

Die gastrointestinalen Pathologien bessern sich zwar meist nach der chirurgischen Korrektur, jedoch wird die medikamentöse Behandlung gastrointestinaler Komplikationen empfohlen (z.B. Protonenpumpenhemmer bei Vorliegen einer Gastritis).

7 Quellen

  • Kohn B, Schwarz G (Hrsg.). 2017. Praktikum der Hundeklinik. 12., aktualisierte Auflage. Stuttgart: Enke Verlag in Georg Thieme Verlag KG. ISBN: 978-3-13-219961-3

Diese Seite wurde zuletzt am 25. November 2021 um 10:21 Uhr bearbeitet.

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