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Östliche Braunschlange

Synonym: Gewöhnliche Braunschlange
Zoologische Bezeichnung: Pseudonaja textilis, ehemals Demansia textilis
Englisch: Eastern Brown Snake

1 Definition

Die Östliche Braunschlange ist eine Giftschlange aus der Familie der Giftnattern (Elapidae). Sie verfügt über ein äußerst wirksames Toxingemisch und ist in Australien eine der epidemiologisch relevantesten Giftschlangen.

2 Merkmale

Es handelt sich um eine schlanke, aber dennoch kräftige Schlange von bis zu 225 cm (zumeist knapp 150 cm) Länge. Der Kopf setzt sich kaum vom Hals ab und weist sechs Ober- und Unterlippenschilde auf. Die Pupille ist rund. Die Körperschuppen sind glatt und liegen in 17 Reihen um die Körpermitte. Unterseits sind 185 bis 235 Bauch- und 45 bis 75 paarige Schwanzschilde vorhanden. Die Östliche Braunschlange ist variabel gefärbt, meist mehr oder weniger einfarbig braun oder beige. Jungtiere, gelegentlich auch adulte Exemplare, weisen eine Musterung auf. Der Bauch ist cremefarben und zum Teil dunkel gesprenkelt. Die Art pflanzt sich durch Oviparie fort, legt also Eier. Die Art ist überwiegend tagaktiv und ernährt sich von Kleinsäugern, Vögeln, Amphibien, Eidechsen und anderen Schlangen. Bei Gefahr greift zunächst der Fluchtinstinkt. In die Enge getrieben oder gar mit den Händen ergriffen, kann die Östliche Braunschlange jedoch ein äußerst aggressives Abwehrverhalten an den Tag legen, in dessen Verlauf es mehrfach hintereinander zu Bissen kommen kann. Außerdem beißt sie sich häufig im Bissopfer fest, wodurch es zur Injektion größerer Giftmengen kommt.

2.1 Giftapparat

Der Giftapparat im Allgemeinen ist typisch für alle Vertreter der Giftnattern:

  • Giftdrüse: evolutionsbiologisch betrachtet eine umgebildete Speicheldrüse, seitlich beiderseits des Schädels, von Muskeln umgeben.
  • Giftkanal, welcher Giftdrüse und Giftzähne verbindet.
  • Giftzähne (Fangzähne): beiderseits im vorderen Oberkiefer befindlich, relativ klein. Sie sitzen fest und sind nicht beweglich. Sie besitzen einen Giftkanal, über welchen das Gift im Falle eines Bisses injiziert wird.

3 Vorkommen

Die Braunschlange kommt über weite Teile des Ostens Australiens vor, ein Areal, das entlang der Ostküste stark besiedelt ist. Die natürlichen Lebensräume sind gemäß der weiten Verbreitung vielfältig: gemäßigte Klimabereiche mit Eukalyptuswäldern, trockenes Buschland westlich der Great Dividing Range oder der tropische Norden, teilweise einschließlich der Wet Tropics of Queensland (feucht-tropisches Areal im Nordosten von Queensland), wobei jedoch auch hier trockenere Habitate aufgesucht werden. Bedingt durch die Tatsache, dass auch menschliche Siedlungsgebiete nicht gemieden werden, kommt es häufig zu Konflikten zwischen Mensch und Tier.

4 Toxikologie

Das Gift enthält Prokoagulantien, die eine Verbrauchskoagulopathie bewirken, sowie post- und präsynaptische Neurotoxine, die besonders im nikotinergen System bzw. an der neuromuskulären Endplatte zu einer Inhibition der Wirkung des Neurotransmitters Acetylcholin führen. Meier & White (1995) geben eine mittlere Letaldosis von 0,053 mg/kg (s.c., Maus) an. Die abgegebene Giftmenge liegt zwischen 2 und 25 Milligramm (Trockengewicht). Unbehandelt liegt die Letalität für den Menschen bei circa 20 Prozent. Der Tod tritt in der Regel durch Kreislaufversagen, unter Umständen aber auch durch Atemlähmung ein. Seit Einführung wirksamer Antivenine werden Todesfälle nur noch selten verzeichnet.

Pseudonaja textilis gilt nach dem Inland-Taipan (Oxyuranus microlepidotus) als zweitgiftigste Schlange der Welt.

4.1 Symptome

4.2 Komplikationen

4.3 Therapie des Giftbisses

  • Das Bissopfer muss Ruhe bewahren und die Bissstelle ist ruhig zu halten. Nach sofortiger Alarmierung des Notarztes sollte der Patient liegend in das nächstgelegene Krankenhaus transportiert werden.
  • Die Kompressionsmethode ist anzuwenden, um die Distribution der Toxine zu verzögern.
  • Die Möglichkeit der künstlichen Beatmung ist sicherzustellen.
  • Maßnahmen zur Vermeidung einer Sepsis treffen (ggf. Antibiotika), Tetanusprophylaxe
  • Ein ggf. auftretender Schock wird intensivmedizinisch behandelt.
  • Infusion mit 0,9%iger Kochsalzlösung
  • Weitere Maßnahmen dienen der symptomatischen Therapie.
  • Antivenine: Allgemein gilt, dass der Einsatz von Antiveninen nur in Rücksprache mit einer Giftnotruf-Zentrale und nach gründlicher Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen sollte. Allerdings ist das Gift von Pseudonaja textilis schnell wirksam und die Letalität ohne Gegenmaßnahmen hoch. Demnach fällt die Nutzen-Risiko-Bewertung in Anbetracht des potentiellen Risikos zugunsten des Nutzens aus und die Anwendung des Antiserums sollte rasch erfolgen. Folgende Präparate stehen beispielsweise zur Verfügung:
    • Brown Snake Antivenom (CSL Limited)
    • Polyvalent Snake Antivenom Australia - New Guinea (CSL Limited)

5 Literatur

  • O'Shea: Giftschlangen - Alle Arten der Welt in ihren Lebensräumen, Kosmos Verlag, 2006.

6 Weblinks

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