Bitte logge Dich ein, um diesen Artikel zu bearbeiten.

Schenkelhalsfraktur

(Weitergeleitet von Oberschenkelhalsfraktur)

Synonym: Schenkelhalsbruch
Englisch: fracture of the femoral neck

1 Definition

Die Schenkelhalsfraktur ist eine Fraktur des Oberschenkelhalses (Collum femoris).

2 Ätiologie

Eine Schenkelhalsfraktur entsteht durch mechanische Krafteinwirkung (z.B. Drehung, Biegung, Abscherung) auf den Schenkelhals. Die Schenkelhalsfraktur steht häufig in Zusammenhang mit einer Osteoporose und ist daher für ältere Frauen sehr typisch. Männer sind im Gegensatz dazu weniger häufig von Schenkelhalsfrakturen betroffen.

Das Frakturrisiko ist insbesondere bei Vorliegen einer Fallneigung (z.B. bei rezidivierenden Synkopen, Alkoholabusus, Sehstörungen) erhöht.

3 Klassifikation

Eine Schenkelhalsfraktur kann aufgrund verschiedener Kriterien klassifiziert werden. Für die wissenschaftliche Dokumentation ist die Nutzung der AO-Klassifikation üblich.

3.1 Einteilung nach Lokalisation

Grundsätzlich kann zwischen medialen und lateralen Schenkelhalsfrakturen unterschieden werden. Die medialen Schenkelhalsfrakturen werden nach Richtung der frakturauslösenden Krafteinwirkung in Adduktionsfrakturen und Abduktionsfrakturen unterteilt.

  • Mediale Schenkelhalsfraktur: Die Fraktur liegt im medialen Anteil des Schenkelhalses. Durch die anatomischen Gegebenheiten bedingt liegen mediale Schenkelhalsfrakturen innerhalb der Gelenkkapsel des Hüftgelenks.
    • Adduktionsfraktur: Der betroffene Femur liegt im Hüftgelenk in Varusstellung, die Frakturfragmente neigen zur Dislokation.
    • Abduktionsfraktur: Der Femur liegt in Valgusstellung, die Frakturfragmente sind in den meisten Fällen ineinander verkeilt und neigen weniger zur Dislokation als bei Adduktionsfrakturen.
  • Laterale Schenkelhalsfraktur: Die Fraktur liegt im lateralen Anteil des Schenkelhalses und liegt außerhalb der Gelenkkapsel.

3.2 Klinische Einteilung nach Pauwels und Garden

Die Pauwels-Klassifikation berücksichtigt die Neigungsverhältnisse der Frakturlinie und unterscheidet je nach Winkel zwischen der Frakturlinie und der Horizontalen drei Schweregrade.

Die Stellung des Hüftkopfes ist Ausgangspunkt der weniger gebräuchlichen Garden-Klassifikation, die vier Schweregrade unterscheidet.

4 Symptomatik

In Abhängigkeit von der Art der Fraktur stehen klinisch unterschiedliche Aspekte im Vordergrund.

Adduktionsfrakturen zeigen das typische Bild einer Trias bestehend aus

Abduktionsfrakturen zeigen im Gegensatz dazu weniger stark ausgeprägte Symptome, da häufig trotz Fraktur eine hohe Reststabilität besteht. Oftmals sind Druckschmerzhaftigkeit und Schmerzen bei Stauchung des Hüftgelenks die einzigen klinischen Anhaltspunkte.

Prellmarken und Hämatome über der Frakturstelle können einen wichtigen Hinweis auf Art und Ausmaß des Traumas geben.

5 Diagnose

Die Diagnose ist in den meisten Fällen durch eine gezielte Anamnese, körperliche Untersuchung und Röntgenaufnahmen zu stellen.

5.1 Anamnese

Die Anamnese sollte in Anbetracht einer möglicherweise notwendigen Operation folgende Punkte gezielt berücksichtigen:

  • Klärung des genauen Unfallmechanismus
  • vorbestehende Beschwerden/Erkrankungen am Hüftgelenk
  • Vorerkrankungen wie z.B.
  • Einnahme von Medikamenten, insbesondere Gerinnungshemmer (z.B. ASS, Clopidogrel)

5.2 Körperliche Untersuchung

Eine Verkürzung des Beins, Druck- und Bewegungsschmerz über Hüfte und angrenzenden Gelenken sollten überprüft werden. Im Rahmen der Frakturdiagnostik ist das Tasten der Fußpulse und die Prüfung der Sensibilität und Motorik von Bein und Fuß genau zu überprüfen und zu dokumentieren.

5.3 Bildgebende Verfahren

In jedem Fall benötigte Röntgenaufnahmen sind:

Eine Computertomographie ist erst durchzuführen, wenn die konventionellen Röntgenaufnahmen keine sichere und vollständige Beurteilung erlauben. Eine Einblutung in die Gelenkkapsel und die damit verbundene Spannung der Kapsel kann mit einer Sonographie des Hüftgelenks dargestellt und vor einer eventuellen Punktion beurteilt werden.

5.4 Differentialdiagnosen

6 Therapie

Die definitive Therapie der Schenkelhalsfraktur kann je nach Art und Ausmaß der Fraktur konservativ oder operativ erfolgen. Die Indikationsstellung zur Operation sind nicht einheitlich geregelt. Dennoch bestehen allgemein akzeptierte Vereinbarungen zum Vorgehen.

6.1 Konservative Behandlung

Eine konservative Behandlung ist prinzipiell bei stabilen und eingekeilten Frakturen (z.B. Abduktionsfraktur) mit minimaler oder fehlender Dislokation in Betracht zu ziehen. Einige Autoren plädieren auch bei solchen Frakturen für eine Operation um sekundären Dislokationen vorzubeugen.

Bei Kindern unter 12 Jahren werden nicht dislozierte Frakturen konservativ behandelt. Zwingenderweise konservativ zu behandeln sind Patienten mit Kontraindikation für eine Operation in Vollnarkose.

Die konservative Behandlung besteht bei instabilen Verhältnissen in einer Immobilisierung über mehrere Monate, bei Bedarf kann zur Entlastung der Gelenkkapsel eine Punktion mit Drainage erfolgen. Die konservative Behandlung einer Schenkelhalsfraktur ist mit einem sehr hohen Risiko für Beinvenenthrombosen und Embolien behaftet.

Bei stabilen Frakturverhältnissen kann nach einer relativ kurzen Immobilisation die Mobilisierung des Patienten schrittweise angestrebt werden. Falls die Fraktur sekundär disloziert sollte mit der Operation nicht gewartet werden.

6.2 Operative Behandlung

Die operative Behandlung ist in den meisten Fällen aufgrund besserer Stabilität und kürzerer Immobilisation indiziert.

Instabile Frakturen (z.B. Adduktionsfrakturen) werden immer operativ versorgt. Bei konservativer Versorgung ist die Komplikationsrate (Pseudarthrose, Hüftkopfnekrose, Thrombembolie, Dekubitus) deutlich höher als bei der operativen Versorgung.

Die operative Versorgung einer instabilen Fraktur ist notfallmäßig innerhalb von 6 Stunden nach Frakturierung durchzuführen.

Junge Patienten können mit einer dynamischen Hüftschraube (DHS) oder Zugschraubenosteosynthese versorgt werden. Eine Hüftgelenkstotalendoprothese (Hüft-TEP) ist bei unter 65 Jahre alten Patienten nur bei Vorliegen von schweren Grunderkrankungen oder einer Coxarthrose vertretbar.

Bei älteren Patienten (> 65 Jahre) ist eine Totalendoprothese in den meisten Fällen das Verfahren der Wahl. Bei überdurchschnittlich guter Aktivität des Patienten und gesunder Knochenstruktur können alternativ wie bei jungen Patienten hüftkopferhaltend die Implantation einer dynamischen Hüftschraube oder eine Zugschraubenosteosynthese erfolgen.

Um diesen Artikel zu kommentieren, .

Klicke hier, um einen neuen Artikel im DocCheck Flexikon anzulegen.

Artikel wurde erstellt von:

Letzte Autoren des Artikels:

35 Wertungen (3.54 ø)
Teilen

224.796 Aufrufe

Du hast eine Frage zum Flexikon?
DocCheck folgen: