Englisch: anaphylaxis


Die Anaphylaxie ist eine potentiell lebensbedrohliche systemische Reaktion, die auf einer Allergie beruht.
Anaphylaxie bedeutet Schutzlosigkeit, das Gegenteil von Immunität. Der Begriff ist für den experimentellen Kreislaufkollaps durch Injektion von artfremdem Serum und Extrakten aus Tentakeln der Seeanemone geprägt worden.
Eine Anaphylaxie wird durch Immunreaktionen vom Typ I und Typ III hervorgerufen (Immunreaktionen nach Gell und Coombs). Bei einer Allergie durch Typ III-Reaktion bilden sich im Blut zirkulierende Antigen-Antikörper-Komplexe Aggregate, welche Leukozyten und Thrombozyten einschließen und sich in den Kapillaren verschiedener Gewebe ablagern. Insbesondere an Basalmembranen (z.B. am Glomerulum) kommt es dadurch zu ausgiebigen Entzündungsreaktionen mit Aktivierung des Komplementsystems. Die Kapillaren können durch die Immunkomplexe verschlossen werden. Als körpereigene Gegenregulation werden Entzündungsmediatoren (z.B. Histamin) freigesetzt. Sie vermitteln unter anderem folgende Wirkungen:
Das sofortige Erkennen der Symptome einer Anaphylaxie und die Kenntnis von Pathophysiologie und Therapie des anaphylaktischen Schocks sind lebensrettend. Durch eine Anaphylaxie werden einerseits die Kapillaren verlegt, andererseits werden dem intravasalen Raum bis zur Hälfte des Volumens und der Proteine entzogen. Infolge der Verlegung des Lungenkreislaufes erhält das linke Herz nicht mehr genügend Volumen und der Kreislauf kann innerhalb einer Minute zusammenbrechen. Durch die Öffnung der Arteriolenshunts wird das Blut in Fluss gehalten.
Als Auslöser einer Anaphylaxie kommen unter anderem in Frage:
Das Ausmaß der Anaphylaxie wird in vier Graden angegeben:
Das European Rescue Concil (ERC) empfiehlt derzeit folgende Maßnahmen zur Behandlung des anaphylaktischen Schocks:


| Maßnahme | Durchführung |
|---|---|
| Lagerung | Nach Wunsch des Patienten: Schocklage (bei Hypotension), Flachlagerung oder Oberkörper hoch (bei Dyspnoe) |
| Sauerstoff | 10-15 Liter/min |
| Allergen | Entfernung bzw. Abstellen der Zufuhr |
| Adrenalin | 0,5 ml i.m. in einer Verdünnung von 1:1.000 alle 5 Minuten |
| Antihistaminika | H1-Antagonisten (z.B. Clemastin), evtl. auch H2-Antagonisten (Ranitidin) |
| Glukokortikoide | z.B. 1g Prednisolon |
| Volumengabe | wenn Adrenalin unwirksam: 1-2 Liter schnell (Kristalloide und Kolloide gleich wirksam) |
| Inhalative Beta-2-Mimetika | wenn Bronchospasmus trotz Adrenalin persisitiert |
| Intubation | frühzeitig, wenn indiziert |
| Reanimation | laut ERC-Standard-Reanimations-Algorithmus mit massiver Volumengabe (4-8 Liter) |
Hinweise: Adrenalin i.v. sollte nur in besonders schweren Fällen und mit Reanimationsbereitschaft in einer Verdünnung von 1:10.000 gegeben werden.
Die intravenöse Anwendung von Adrenalin beim anaphylaktischen Schock ist umstritten. Einige Autoren weisen darauf hin, dass Adrenalin die Öffnung der Arteriolenshunts konterkariert, die ein körpereigener Schutzmechanismus ist, um das Blut in Fluss zu halten. Adrenalin i.v. kann bereits in minimaler Dosis die leerschlagende linke Herzkammer in unbeherrschbares Flimmern bringen und Herzinfarkte induzieren. Als wichtigste Maßnahme wird hier die rasche Infusion von 500-1.500 ml kolloidaler Plasmaersatzmittel (Dextran, HAES, Gelatine) vorgeschlagen. Durch die rheologischen und onkotischen Effekte soll das in den Kapillaren stagnierende Blut wieder in Fluss gebracht und damit der Kreislauf wiederhergestellt werden.
Anaphylaktische Reaktionen mit andauernder Antigenexposition (z.B. nach Giftschlangenbiss oder durch Trophoblastzellen unter der Entbindung - HELLP-Syndrom, Eklampsie, Fruchtwasserembolie) werden nur durch Dextran behoben, welches die Thrombozyten ummantelt und eine Verbrauchskoagulopathie verhindert.




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