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Version vom 24. Juli 2021, 18:25 Uhr
von lateinisch: spira - Windung; von griechisch: metra - Gebärmutter
Definition
Als Spirometra bezeichnet man eine Gattung an Parasiten, die zur Klasse der Cestoda (Bandwürmer) gehört und Erreger der Spirometrose bei Hund und Katze sowie Sparganose des Menschen ist.
Taxonomie
- Reich: Eukaryota
- Unterreich: Animalia
- Stamm: Platyhelmintha
- Unterstamm: Cercomeromorpha
- Klasse: Cestoda
- Unterklasse: Eucestoda
- Ordnung: Pseudophyllida
- Familie: Diphyllobothriidae
- Gattung: Spirometra
- Familie: Diphyllobothriidae
- Ordnung: Pseudophyllida
- Unterklasse: Eucestoda
- Klasse: Cestoda
- Unterstamm: Cercomeromorpha
- Stamm: Platyhelmintha
- Unterreich: Animalia
Epidemiologie
Spirometra-Arten kommen weltweit in unterschiedlicher Häufigkeit vor. Da der Entwicklungszyklus an Wasser gebunden ist, kommt es vorrangig zu Infektionen von Fröschen, Reptilien (Schlangen, Schildkröten), Nagetieren und anderen - in Feuchtgebieten - lebenden Tierarten.
Morphologie
Da Spirometra- und Diphyllobothrium-Arten nahe miteinander verwandt sind, weisen sie morphologisch große Ähnlichkeiten auf. Im Gegensatz dazu unterscheiden sie sich sowohl genetisch als auch biologisch deutlich voneinander, wodurch eine klare Abgrenzung beider Gattung möglich ist.
Spirometra spp. werden zwischen 10 und 100 cm lang. Ihr Scolex ist mit 2 Sauggruben ausgestattet. Die in Reihen angeordneten Proglottiden enthalten einen in 2 bis 7 Windungen spiralig aufgewundenen Uterus. Die Eier sind zwischen ca. 35 x 60 µm groß, oval, goldgelb gefärbt und gedeckelt.
Vertreter
Wichtige Vertreter von Spirometra spp. sind:
- Spirometra mansonoides (Katze, Hund, wild lebende Feliden und Caniden in Nord- und Südamerika)
- Spirometra erinaceieuropaei (Katze, Hund, andere Fleischfresser, Europa, Asien, Australien)
Entwicklung
Adulte Spirometra spp. führen zu einem intestinalen Befall bei ihren Wirten.
Die Entwicklung läuft ähnlich wie bei Diphyllobothrium spp. mit Kleinkrebsen (Copepoden) als 1. Zwischenwirt (Prozerkoid) sowie Amphibien, Reptilien, Vogel- und Säugetierarten als 2. Zwischenwirte (Plerozerkoid) ab. Nehmen nun ungeeignete Vertebraten - die als Endwirte fungieren (z.B. Nagetier, Schwein, Affen, Mensch) - plerozerkoidhaltige 2. Zwischenwirte auf, durchwandern diese Plerozerkoide (dann auch als Spargana genannt) die Darmwand. Anschließend siedeln sie sich in serösen Höhlen, in inneren Organen, im intermuskulären Bindegewebe oder in der Subkutis an. Die Infektion mit Plerozerkoiden wird im klinischen Sprachgebrauch als Sparganose bezeichnet und kommt gelegentlich auch bei Endwirten (Hund, Katze und andere Fleischfresser) vor.
Endwirte infizieren sich in der Regel durch den Verzehr plerozerkoidhaltiger Zwischenwirte oder paratenischer Wirte. Die Präpatenz liegt zwischen 2 und 3 Wochen.
Pathogenese
Infektionen treten durch die perorale Aufnahme von Wasser auf, das mit Prozerkoiden infizierte Kleinkrebse enthält. Alternativ können die Parasiten auch durch den Verzehr Spargana-haltiger Geweben aus Zwischen- oder Transportwirten in den Organismus gelangen.
Klinik
Aufgrund der geringen Pathogenität verursachen Infektionen nur selten Störungen des Gastrointestinaltrakts mit Durchfall. Die Sparganose verläuft bei Wirbeltieren ebenso oft inapparent. Je nach Ansiedlungsorgt der Spargana kann es jedoch auch zu Hautveränderungen oder Peritonitis kommen (v.a. beim Hund). Bei Wildschweinen hingegen siedeln sich die Parasiten bevorzugt im Bindegewebe der Abdominal-, Schenkel- und Schultermuskulatur sowie im subperitonealen Raum an und führen zu gelblichen Herden von 1 bis 3 cm Durchmesser.
Humanpathologie
Spargana siedeln sich im Menschen in verschiedenen Organen an, u.a. in der Subkutis, in der Lunge, in der Peritonealhöhle, in Genitalorganen, im Gehirn und im Auge. Sie können zu erheblichen und z.T. auch schmerzhaften entzündlichen Veränderungen in den betroffenen Organen führen.
Infektionen werden gehäuft in Ost- und Südostasien und nur selten in Europa beobachtet und finden v.a. durch den Verzehr von plerozerkoidhaltigen Zwischenwirten oder naturheilkundliche Praktiken der traditionellen asiatischen Medizin statt.
Literatur
- Eckert J, Friedhoff KT, Zahner H, Deplazes P. 2008. Lehrbuch der Parasitologie für die Tiermedizin. 2., vollständig überarbeitete Auflage. Stuttgart: Enke Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co. KG. ISBN: 978-3-8304-1072-0