Zusatzweiterbildung Spezielle Kinder- und Jugend-Urologie
Definition
Die Zusatzweiterbildung Spezielle Kinder- und Jugend-Urologie vermittelt vertiefte Kenntnisse, Erfahrungen und Fertigkeiten in der Diagnostik, konservativen und operativen Therapie sowie der langfristigen Betreuung angeborener und erworbener urologischer Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter.
Hintergrund
Urologische Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter unterscheiden sich in Ätiologie, Verlauf und Therapie wesentlich von denen Erwachsener. Angeborene Fehlbildungen des Harntrakts, funktionelle Blasenstörungen, Hoden- und Genitalanomalien sowie neurogene Funktionsstörungen erfordern eine alters- und entwicklungsadaptierte Diagnostik und Behandlung.
Wachstum, Organreifung und die langfristigen Auswirkungen urologischer Eingriffe stellen besondere Anforderungen an Diagnostik, Therapieplanung und Nachsorge. Fortschritte in der pränatalen Diagnostik, minimalinvasiven Chirurgie und funktionellen Urologie haben die Versorgung deutlich verbessert. Die Behandlung erfolgt häufig interdisziplinär, insbesondere in Zusammenarbeit mit Pädiatrie, Kinderchirurgie, Nephrologie, Radiologie und Kinder- und Jugendgynäkologie.
Zielsetzung
Ziel der Zusatzweiterbildung ist es, eine spezialisierte, leitliniengerechte Versorgung urologischer Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter sicherzustellen. Dies umfasst die frühzeitige Erkennung komplexer Fehlbildungen, die differenzierte Indikationsstellung zu operativen und konservativen Therapien sowie die langfristige Betreuung unter Berücksichtigung funktioneller und psychosozialer Aspekte.
Weiterbildung
Die Zusatzweiterbildung Spezielle Kinder- und Jugend-Urologie ist Bestandteil der (Muster-)Weiterbildungsordnung 2020 der Bundesärztekammer.
Weiterbildungsablauf
Voraussetzung für den Erwerb der Zusatzweiterbildung ist die abgeschlossene Facharztanerkennung im Gebiet Urologie oder der Kinder- und Jugendchirurgie.
Erforderlich sind in der Regel:
- 18 Monate strukturierte Weiterbildung an einer anerkannten Weiterbildungsstätte für Spezielle Kinder- und Jugend-Urologie unter Anleitung einer weiterbildungsbefugten Person
- Dokumentation definierter Untersuchungs-, Behandlungs- und Eingriffszahlen gemäß Logbuch
Je nach Ärztekammer können Teile der Weiterbildung bereits während der Facharztausbildung absolviert werden.
Weiterbildungsinhalt
Erwerb von Kenntnissen, Erfahrungen und Fertigkeiten in der Diagnostik und Therapie urologischer Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter, insbesondere:
- Angeborene Fehlbildungen des oberen und unteren Harntrakts, z.B. vesikoureteraler Reflux, Ureterabgangsstenosen, Nierenfehlbildungen
- Erkrankungen der äußeren Genitale, z.B. Hypospadie, Epispadie, Phimose
- Hodenpathologien wie Maldeszensus testis, Hodentorsion, Varikozele
- Funktionelle Blasenstörungen, Harninkontinenz und Enuresis
- Neurogene Blasenfunktionsstörungen
- Urolithiasis im Kindesalter
- Urologische Tumoren des Kindes- und Jugendalters
- Kinderurologische Traumatologie
Darüber hinaus gehören zur Weiterbildung:
- Altersadaptierte urologische Untersuchungstechniken
- Indikationsstellung und Durchführung konservativer Therapien
- Grundlagen kinderurologischer operativer Verfahren, einschließlich minimalinvasiver Techniken
- Funktionsdiagnostik, z.B. Uroflowmetrie und urodynamische Untersuchungen
- Beurteilung bildgebender Verfahren unter Berücksichtigung altersabhängiger Normvarianten
- Beratung von Eltern und Patienten zu Prognose, Therapieoptionen und Langzeitverlauf
- Interdisziplinäre Zusammenarbeit und strukturierte Nachsorgekonzepte
Literatur
- BÄK: Zusatzweiterbildung Spezielle Kinder- und Jugend-Urologie, abgerufen am 10.01.2026