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Wolfsmilch

Englisch: spurge

1 Definition

Wolfsmilch ist eine Pflanzengattung aus der Familie der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae). Die botanische Bezeichnung lautet Euphorbia.

2 Merkmale

Unter den Vertretern der Gattung Euphorbia finden sich krautige und verholzende Arten. Zahlreiche Arten bilden sukkulente Formen aus. Diese sind durch verschiedene Modifikationen an häufig trockene Standorte angepasst. Spezialisierte Gewebe bilden dabei Organe zur Speicherung von Wasser. Die Blüten sind in zwittrigen Scheinblüten, sogenannten Cyathien, angeordnet. Die Cyathien besitzen jeweils einen Hüllbecher (verwachsene Brakteolen, Hochblätter). Im Inneren der Scheinblüte sind zumeist 10 bis 20 männliche Blüten und eine zentrale weibliche Blüte zu finden. Die Blätter sind wechselständig, selten kreuzgegenständig. Die Achse des Hauptsprosses ist aufrecht. Euphorbia-Arten führen einen weißen Milchsaft (Ausnahme Euphorbia dulcis). Die Bestäubung erfolgt durch Insekten.

3 Arten

Zur Gattung Euphorbia zählen weltweit mehr als 2.000 Arten. Zahlreiche Vertreter der Gattung sind in Mitteleuropa heimisch oder werden als Zier- und Gartenpflanzen kultiviert. Im Folgenden wird eine Auswahl verschiedener Arten wiedergegeben:

  • Zypressen-Wolfsmilch (Euphorbia cyparissias)
  • Süße Wolfsmilch (Euphorbia dulcis)
  • Kreuzblättrige Wolfsmilch (Euphorbia lathyris)
  • Sumpf-Wolfsmilch (Euphorbia palustris)
  • Garten-Wolfsmilch (Euphorbia peplus)
  • Steppen-Wolfsmilch (Euphorbia seguieriana)

Zierpflanzen: Weihnachtsstern (Euphorbia pulcherrima), Christusstern (Euphorbia milii), Dreikantiger Wolfsmilch (Euphorbia trigona)

4 Toxikologie

Die meisten Euphorbia-Arten produzieren einen toxischen Milchsaft von scharfem Geschmack. Er enthält vor allem Substanzen mit Terpenstruktur, in erster Linie Triterpensaponine und Diterpenester (z.B. Ingenol-Derivate). Ferner findet man weitere, häufig nicht näher definierte Stoffe. Der Milchsaft wirkt bei Hautkontakt reizend. Augenkontakt kann zu Schädigungen mit starker Konjunktivitis und Keratitis führen. Nach peroraler Aufnahme kann es zu Läsionen der Schleimhäute des Gastrointestinaltrakts, Gastroenteritis mit Magenschmerzen und blutiger Diarrhoe, Mydriasis, Herzrhythmusstörungen, Vertigo, Delir, Krämpfe und Nephritis kommen. Weiterhin zeigen sich unter Umständen Desorientiertheit und Agitation.

Qualitativ ähnelt sich die Giftwirkung der verschiedenen Arten zumeist, jedoch gibt es Unterschiede bezüglich der Wirkintensität. Des Weiteren sind saisonal bedingte Unterschiede der Toxizität dokumentiert. So besitzt Euphorbia cyparissias im August/September stärkere Toxizität als in April/Mai. Euphorbia lathyris scheint im ersten Wachstumsjahr weniger toxisch zu sein als im zweiten. Im Milchsaft des Weihnachtssterns Euphorbia pulcherrima wurden keine Diterpenester nachgewiesen, seine Giftigkeit wird unterschiedlich bewertet. Ferner gibt es weitere milchsaft-führende Arten, die als ungiftig betrachtet und verschiedenartig genutzt werden; so wurde der eingedickte Milchsaft der Balsam-Wolfsmilch (Euphorbia balsamifera, lokal auch als Süße Wolsmilch bezeichnet) zeitweise als Kaugummi genutzt.

Der Milchsaft von toxischen Euphorbia besitzt kanzerogene Eigenschaften.[1]

4.1 Therapie der Vergiftung

Nach Kontakt mit Milchsaft sollten die betroffenen Haut- und Schleimhautpartien umgehend mit Wasser gewaschen werden. Bei Augenkontakt sind die Augen mit lauwarmem Wasser zu spülen, danach ist eine Versorgung durch einen Augenarzt notwendig. Lokal kann die Anwendung von Kortikosteroiden indiziert sein. Nach Aufnahme von Pflanzenmaterial erfolgen resorptionsvermindernde Maßnahmen (Aktivkohle, bei Aufnahme großer Mengen Magenspülung) und ggf. intensivmedizinische Betreuung. Es ist auf reichlich Flüssigkeitszufuhr zu achten. Bei Krämpfen kann auf Benzodiazepine zurückgegriffen werden. Darüber hinaus erfolgt die Therapie symptomatisch.

5 Medizinische Anwendung

In der Naturheilkunde erfolgte eine vielfältige Anwendung der Pflanzen, unter anderem auch als Laxantien. Heute erfolgt die Anwendung hauptsächlich im Rahmen der Homöopathie. Aus dem Garten-Wolfsmilch Euphorbia peplus wurde Ingenolmebutat isoliert, ein zytotoxisches Diterpen, das zur Therapie der aktinischen Keratose eingesetzt wird.

6 Veterinärmedizin

Prinzipiell ist Wolfsmilch nicht nur für den Menschen, sondern für Säugetiere generell und weitere Tiere giftig. Weidevieh meidet Euphorbia-Arten zumeist. Vergiftungen können vor allem vorkommen, wenn größere Mengen Wolfsmilch im Heu enthalten sind. Bei Rindern wurden hämorrhagische Gastroenteritis, Koliken, Diarrhoe, Hepatotoxizität, Krämpfe und Lähmungen beschrieben.

7 Einzelnachweise

  1. Mutschler et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen, 8. Aufl, Wissenschaftl. Verlagsgesellschaft.

8 Literatur

  • Jäger et al.: Rothmaler - Exkursionsflora von Deutschland, Bd. 2. Aufl. 20, Spektrum Akadem. Verlag.
  • Roth, Daunderer & Kormann: Giftpflanzen - Pflanzengifte, 5. Aufl., Nikol Verlag.
  • Frohne & Pfänder: Giftpflanzen, Wissenschaftl. Verlagsgesellschaft, 2. Auflage.

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