Hepatotoxizität
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Loslegenvon altgriechisch: ἧπαρ ("hépar") – Leber, τόξον ("toxon") - Pfeil, Bogen, Gift
Synonym: Lebertoxizität
Englisch: hepatotoxicity
Definition
Hepatotoxizität ist die Eigenschaft chemischer Stoffe, für die Funktionszellen der Leber (Hepatozyten) giftig zu sein. Substanzen mit dieser Eigenschaft werden als Lebertoxine oder Lebergifte bezeichnet, das zugehörige Adjektiv lautet hepatotoxisch.
Hintergrund
Geht die Hepatotoxizität von einem Arzneimittel aus, spricht man vom arzneimittelinduzierten Leberschaden (DILI).
Das Ausmaß einer Leberschädigung kann von der Schwellung einzelner Leberzellen bis hin zur Lebernekrose reichen. Im Extremfall kommt es zu einem Leberversagen.
Einteilung
... nach Mechanismus
Man unterscheidet zwei grundsätzliche Mechanismen der Hepatotoxizität:
- Die intrinsische (dosisabhängige) Hepatotoxizität tritt vorhersehbar und dosisabhängig bei der überwiegenden Mehrheit der Exponierten auf, wobei die individuelle Schwellendosis variieren kann.
- Die idiosynkratische Hepatotoxizität: tritt selten und dosisunabhängig auf bei individuell prädisponierten Personen auf. Sie ist ätiologisch heterogen – teils immunologisch vermittelt, teils durch genetisch variable Arzneimittelmetabolisierung bedingt[1]
... nach Schädigungsmuster
Anhand des Verhältnisses von ALT zu AP, jeweils bezogen auf deren oberen Referenzwert (sogenannter R-Wert), werden drei Schädigungsmuster unterschieden:
- hepatozellulär (R ≥ 5)
- cholestatisch (R ≤ 2)
- gemischt (R zwischen 2 und 5)[2]
Substanzen
Beispiele hepatotoxischer Wirkstoffe sind u.a. Isoniazid, Paracetamol (in Überdosierung) und Methotrexat.
Diagnostik
Die durch ein Lebertoxin verursachte Leberschädigung wird nach Ausschluss anderer Ursachen (virale Hepatitis, Autoimmunhepatitis, biliäre Obstruktion) diagnostiziert. Zur strukturierten Kausalitätsbewertung, ob die Schädigung tatsächlich auf die verdächtigte Substanz zurückgeht, wird häufig der RUCAM-Score herangezogen.[3]
Therapie
Therapie der Wahl ist das umgehende Absetzen der auslösenden Substanz. Je nach Schädigungsmuster und Auslöser können supportive Maßnahmen ergänzt werden.[1]
Für einzelne Substanzen existieren spezifische Antidote, etwa N-Acetylcystein bei Paracetamol-Intoxikation.[1] Im Extremfall ist eine Lebertransplantation erforderlich.
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 1,2 European Association for the Study of the Liver, EASL Clinical Practice Guidelines: Drug-induced liver injury, J Hepatol, 2019
- ↑ Torgersen et al., Severe Acute Liver Injury After Hepatotoxic Medication Initiation in Real-World Data, JAMA Intern Med, 2024
- ↑ Likhitsup et al., Estimated Exposure to 6 Potentially Hepatotoxic Botanicals in US Adults, JAMA Netw Open, 2024