Trachealkanülenmanagement
Synonyme: Tracheostomamanagement, Trachealkanülenpflege, Tracheostomapflege
Englisch: tracheostomy management
Definition
Das Trachealkanülenmanagement umfasst alle Maßnahmen zur Auswahl, Anwendung, Überwachung, Anpassung und Entfernung von Trachealkanülen. Es ist essentiell für die Atemwegssicherung und die Optimierung der Beatmung. Darüber hinaus dient es der Prävention von Komplikationen und der Wiederherstellung physiologischer Funktionen wie Sprechen und Schlucken.
Hintergrund
Das Trachealkanülenmanagement ist ein interdisziplinäres Mandat, das Intensivmedizin, Pneumologie, Logopädie, Physiotherapie und Pflege einbezieht. Zentrale Aufgaben sind die individuelle Auswahl einer geeigneten Kanüle, die regelmäßige Überprüfung von Lage und Funktion, die Minimierung trachealer Schleimhautschäden sowie die frühzeitige Förderung von Kommunikation und Schluckfunktion.
Indikationen
Das Trachealkanülenmanagement ist bei Patienten mit temporärem oder dauerhaftem Tracheostoma indiziert. Typische Indikationen sind
- prolongierte invasive Beatmung
- schwere neuromuskuläre Erkrankungen mit respiratorischer Insuffizienz
- obere Atemwegsobstruktionen (z.B. nach Eingriffen im HNO-Bereich)
- Störungen der Sekretclearance mit unzureichendem Hustenstoß
Durchführung
Die Auswahl der Trachealkanüle richtet sich nach Anatomie des Tracheostomakanals, Beatmungserfordernissen, Aspirationsrisiko und Sekretlast. Unterschieden werden Kanülen mit und ohne Cuff, mit Innenkanüle, Fenestrierung oder subglottischer Absaugmöglichkeit. Bei beatmeten Patienten wird in der Regel eine blockbare Kanüle bevorzugt. Der Cuffdruck sollte regelmäßig kontrolliert werden und idealerweise im Bereich von 20–25 cm H₂O liegen.
Die Lage der Kanüle wird nach Neuanlage oder Wechsel bronchoskopisch kontrolliert, da Fehllagen klinisch nicht sicher vorhersehbar sind. Der Kanülenwechsel erfolgt unter definierten Sicherheitsmaßnahmen, der erste Wechsel in der Regel frühestens nach 5–7 Tagen. Feste Wechselintervalle bestehen nicht, jedoch sind Herstellerangaben zur maximalen Liegedauer zu beachten.
Zur Verbesserung der Kommunikationsfähigkeit können bei entblockter Kanüle Sprechventile eingesetzt werden, sofern keine relevante Aspiration oder Obstruktion vorliegt. Dabei ist der potenziell erhöhte Atemarbeitsaufwand zu berücksichtigen.
Ergänzend erfolgt eine logopädische und physiotherapeutische Therapie, etwa zur Atem- und Schlucktherapie, zur Verbesserung der Sekretmobilisation oder zur Wiederherstellung der phonatorischen Funktion.
Voraussetzungen zur abschließenden Dekanülierung sind ausreichende Vigilanz, klinische Stabilität und ausreichende Spontanatmung bzw. Möglichkeit der nicht-invasiven Beatmung. Ferner muss eine ausreichende Sekretclearance und Schluckfunktion gewährleistet sein. Je nach Risikoprofil kann die Dekanülierung direkt oder stufenweise erfolgen, beispielsweise unter Verwendung von Platzhaltern (Buttons). Vor definitiver Kanülenentfernung wird häufig eine bronchoskopische Kontrolle empfohlen, um Trachealstenosen oder andere strukturelle Schäden auszuschließen.
Komplikationen
Mögliche Komplikationen sind lokale Infektionen, Blutungen, Schleimhautschäden, Tracheomalazie, Trachealstenosen und Aspiration. Ein inadäquater Cuffdruck kann sowohl Ischämien der Trachealschleimhaut als auch Mikroaspirationen begünstigen. Fehlendes oder unzureichendes Management kann die Beatmungsentwöhnung erheblich verzögern.
Literatur
- Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP): S2k-Leitlinie „Prolongiertes Weaning, zuletzt abgerufen am 26.01.2026
- Ledl et al: Trachealkanülenmanagement in der Dysphagietherapie. Nervenarzt, 2024
- Schimandl, D.: Trachealkanülenmanagement. Atemwegs-und Lungenkrankheiten, 2017
- Bickenbach et al.(Hrsg.): Weaning. Springer-Verlag, Berlin, 2018