Splanchniektomie
Synonym: Splanchnikektomie
Englisch: splanchnicectomy
Definition
Die Splanchniektomie ist eine operatives Verfahren zur Splanchnikusblockade, bei der die thorakalen Splanchnikusnerven gezielt durchtrennt oder verödet werden. Sie wird in der Regel thorakoskopisch durchgeführt und gilt als Reserveverfahren.
Hintergrund
Die thorakalen Splanchnikusnerven leiten sympathische Fasern und begleiten viszerale Schmerzafferenzen aus dem Oberbauch in Richtung prävertebraler Ganglien und Plexus coeliacus. Durch die Durchtrennung vor allem des Nervus splanchnicus major und je nach Technik auch weiterer Anteile, wird die Weiterleitung viszeraler Schmerzsignale (z.B. aus Pankreas) reduziert. Das Verfahren wurde in den 1960er Jahre auch als ultima ratio zur Therapie einer malignen Hypertonie angewendet. Aufgrund der variablen blutdrucksenkenden Wirkung und der hohen Invasivität des Eingriffs wurde dieses Indikationsgebiet jedoch verlassen und gilt heute (2026) als obsolet.[1]
Indikation
Die Splanchniektomie wird zur Behandlung starker viszeraler Oberbauchschmerzen eingesetzt, die durch andere Maßnahmen nicht ausreichend behandelt werden können. Mögliche Indikation ist die Schmerztherapie bei z.B.:
Aufgrund der Invasivität wird die Splanchniektomie als Reserveverfahren eingesetzt, wenn eine medikamentöse Schmerztherapie oder eine interventionelle Splanchnikusblockade nicht ausreichend bzw. möglich sind. Das Verfahren wird insbesondere in palliativen Situationen angewendet, z.B. bei lokal fortgeschrittenem bzw. nicht resezierbarem Tumor.[2]
Durchführung
Der Eingriff erfolgt in der Regel thorakoskopisch. Nach Eröffnung der Pleura im dorsobasalen Thorax werden die paravertebral liegenden Splanchnikusnerven identifiziert und durchtrennt. Durch Einbringen von z.B. Kohlendioxid in die Pleurahöhle (Kapnothorax) kann die Sicht auf den Nervus splanchnicus major verbessert werden. Der Eingriff erfolgt meist unter Ein-Lungen-Ventilation. Abhängig von der Schmerzverteilung und Zielsetzung wird die Splanchniektomie ein- oder beidseitig durchgeführt. Alternativ ist auch ein abdomineller transhiataler Zugang möglich.[3]
Komplikationen
Mögliche Komplikationen sind z.B.:
- Pneumothorax
- Pleuraerguss
- Blutungen
- Infektionen
- Thorakale oder interkostale Neuralgien
- Atelektasen oder Pneumonie
- Chylothorax
Evidenz
Die Studienlage ist begrenzt und heterogen. Bei chronischer Pankreatitis und nicht resektablem Pankreaskarzinom berichten Studien über eine häufig relevante, jedoch meist zeitlich begrenzte Reduktion der Schmerzintensität sowie eine Verbesserung der Lebensqualität. Der Effekt ist insbesondere in der frühen postoperativen Phase ausgeprägt, während im Verlauf nicht selten Schmerzrezidive auftreten. Aufgrund der fehlenden Standardisierung der Verfahren, unterschiedlicher Patientenselektion und des Mangels randomisierter kontrollierter Studien ist die Aussagekraft der verfügbaren Daten eingeschränkt.[2]
Quellen
- ↑ Tölle M, van der Giet M: Renale Denervation als Therapieoption. Therapieresistente arterielle Hypertonie. CardioVasc, 2013
- ↑ 2,0 2,1 Seufferlein et al.: S3-Leitlinie Exokrines Pankreaskarzinom 2024, zuletzt abgerufen am 28.01.2026
- ↑ Masuda et al.: Splanchnicectomy for Pancreatic Cancer Pain, Biomed Res Int, 2014