Interkostalneuralgie
Synonyme: Intercostalneuralgie, Intercostalneuropathie
Englisch: intercostal neuralgia
Definition
Die Interkostalneuralgie ist ein neuropathisches Schmerzsyndrom der Brustwand. Es entsteht durch Reizung der Nervi intercostales bzw. der thorakalen Nervenwurzeln.
Epidemiologie
Zur Häufigkeit der Interkostalneuralgie existieren bisher (2026) keine verlässlichen epidemiologischen Daten, da sie meist als Symptom unterschiedlicher Grunderkrankungen auftritt. In der klinischen Praxis wird sie jedoch vor allem im Zusammenhang mit thorakalen chirurgischen Eingriffen als potenziell häufiger Auslöser beschrieben. Auch Herpes zoster bzw. eine Post-Zoster-Neuralgie zählen zu den typischen Ursachen. Insgesamt tritt die Symptomatik aufgrund der Zoster-Epidemiologie häufiger bei älteren Patienten auf.[1]
Ätiologie
Die Interkostalneuralgie ist kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern ein Symptom diverser anderer Erkrankungen. Allgemein umfassen die Ursachen entzündliche oder kompressive Irritationen der thorakalen Nervenwurzeln oder der Interkostalnerven, z.B. bei:
- Herpes zoster oder Post-Zoster-Neuralgie
- Radikulitis bei Borreliose (Stadium 2)[2]
- thorakalen Bandscheibenvorfällen
- thorakaler Osteochondrose oder Costotransversalgelenksarthrose
- costotransversalen Fehlstellungen, z.B. nach Thoraxchirurgie
- operativen Nervenschädigungen nach Thoraxchirurgie (Postthorakotomie-Syndrom) oder Anlage einer Thoraxdrainage
- Frakturen von Rippen oder Wirbelsäule
- Infiltration oder Kompression durch Tumoren im Bereich der Brustwirbelsäule (BWS)
- Erweiterungen der Aa. intercostales[3]
- Diabetische Radikulopathie
Symptome
Es finden sich einseitige, gürtelartig von der BWS nach ventral ins Dermatom bzw. Versorgungsgebiet ausstrahlende Schmerzen von neuropathischem (d.h. brennendem, einschießendem) Charakter. Begleitend können eine Hypästhesie oder Parästhesien (z.B. Kribbeln) vorliegen.
Die Schmerzen sind bewegungs- und positionsabhängig. Bei Extension und Entlastung der BWS lassen sie typischerweise nach, bei Rotation und tiefer Inspiration nehmen sie zu oder können gar blitzartig einschießen. Pressen oder Husten wirken ebenfalls verstärkend. Entsprechend resultiert oft eine Schonatmung.
Es kann auch zur Parese der Rumpfwandmuskulatur kommen. Dies ist vor allem bei den unteren Intercostalnerven (N. intercostalis V bis N. subcostalis) augenfällig, welche die Bauchwandmuskulatur versorgen. Hier wölbt sich der entsprechende Bauchwandabschnitt einseitig vor.[2]
Je nach Ursache finden sich weitere Begleitsymptome (z.B. segmentale Effloreszenzen bei Zoster).
Diagnostik
Die Diagnose einer Interkostalneuralgie ist in der Regel eine klinische Verdachtsdiagnose und ergibt sich aus Anamnese und Untersuchung. Druckdolente Punkte entlang des Verlaufs des Interkostalnerven können hinweisend sein und finden sich häufig paravertebral, in der Axillarlinie oder parasternal. Die Schmerzen sind dabei typischerweise lokal begrenzt und können durch Lage- oder Druckänderung beeinflusst werden. Bei einigen Patienten zeigt sich ein positives Schepelmann-Zeichen (Schmerzverstärkung bei Seitneigung des Rumpfes zur betroffenen Seite).[1]
Bei unklarem Befund können zusätzlich weitere diagnostische Verfahren (Röntgen, CT, MRT, Ultraschall, Myelographie, EKG) zum Ausschluss relevanter Differentialdiagnosen eingesetzt werden.
Differentialdiagnosen
Je nach Lokalisation kommen infrage:
- Myogelosen
- Mastodynie
- Lungenerkrankungen (z.B. Pneumonie mit Pleurabeteiligung)
- Herzerkrankungen, insb. KHK
- Aortenisthmusstenose
- Aortendissektion
- Erkrankungen der Leber oder der Gallenblase
- Magen-Darm-Erkrankungen (z.B. abdominelle Gasauftreibung, Gastritis)
- Urolithiasis
Therapie
Die Therapie richtet sich nach der Grunderkrankung. Wird keine Ursache gefunden, behandelt man symptomatisch. Eingesetzt werden u.a.:
- NSAR
- Muskelrelaxantien
- Opioide
- Capsaicin-Pflaster
- Infiltrationstherapie mit Lokalanästhetika
- Physiotherapie, Manuelle Therapie, Heilmassagen
- Gabapentin oder Pregabalin
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 StatPearls: Intercostal Neuralgia, 2023. Zuletzt abgerufen am 31.12.2025
- ↑ 2,0 2,1 Mattle, Fischer (Hrsg): "Kurzlehrbuch Neurologie", Kapitel: "Erkrankungen der Rumpfnerven. 5. Auflage. Thieme Verlag Stuttgart, 2021.
- ↑ Wirth, Mutschler, Kohn, Pohlemann (Hrsg): "Praxis der Orthopädie und Unfallchirurgie" 3., vollständig überarbeitete Auflage. Thieme Verlag Stuttgart, 2013.