Seifenrinde
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LoslegenSynonym: Quillajarinde
Englisch: quillaia bark, soap bark
Definition
Seifenrinde, lateinisch Quillaiae cortex, ist die getrocknete, weitgehend vom Kork befreite Rinde von Quillaja saponaria Molina. Die Arzneidroge gehört zu den Saponindrogen und enthält vor allem amphiphile Triterpensaponine. Traditionell wurde sie als Expektorans eingesetzt.
Heute sind vor allem gereinigte Quillaja-Saponinfraktionen von Bedeutung, insbesondere als Bestandteile von Impfstoffadjuvanzien. Darüber hinaus werden Quillaja-Extrakte als technologische Hilfsstoffe sowie als Lebensmittelzusatzstoff E 999 (Quillaja-Extrakt) verwendet.[1][2]
Botanik
Der Seifenrindenbaum ist ein immergrüner Vertreter der Familie Quillajaceae. Er erreicht Wuchshöhen bis etwa 20 m und bildet eine graubraune, längsrissige Borke aus. Die Blätter sind ledrig, ganzrandig und wechselständig angeordnet. Die kleinen, weißlich‑grünen Blüten stehen in dichten, zymösen Blütenständen. Quillaja saponaria ist in den Andenregionen Chiles, Boliviens und Perus heimisch. Aufgrund des hohen Saponingehalts wird die Art in einigen Regionen kultiviert.
Arzneidroge
Die Arzneidroge besteht aus der von Kork befreiten Rinde von Stämmen und stärkeren Ästen. Sie wird meist geschnitten oder pulverisiert verarbeitet. Das Europäische Arzneibuch legt Identitäts- und Qualitätsanforderungen fest, unter anderem an den Gehalt an Triterpensaponinen. Eine starke Schaumbildung wässriger Auszüge ist ein charakteristisches Merkmal der Droge.
Inhaltsstoffe
Die pharmakologisch relevanten Inhaltsstoffe sind:
- Triterpensaponine (≈ 10 %), v. a. komplexe Glycoside wie Quillajasaponin‑21
- Aglyka: insbesondere Quillajasäure
- Polyphenole und Gerbstoffe
- Calciumoxalat
- geringe Mengen Stärke
Die Saponine sind für die oberflächenaktiven, schäumenden, hämolytischen und immunmodulatorischen Eigenschaften verantwortlich.
Pharmakologie
Die traditionell expektorierende Wirkung wird auf eine reflektorische Steigerung der Bronchialsekretion nach Reizung der Magenschleimhaut zurückgeführt. Dieser Mechanismus ist typisch für mehrere Saponindrogen, jedoch klinisch nur begrenzt belegt.
Quillaja-Saponine können mit Membranbestandteilen interagieren und zeigen in vitro hämolytische sowie antimikrobielle Effekte. Für die direkte therapeutische Anwendung der Rohdroge ist dies nur eingeschränkt relevant, da die Saponine bei oraler Aufnahme schlecht resorbiert werden und gleichzeitig lokal reizend wirken können.
Von besonderer Bedeutung sind gereinigte Saponinfraktionen wie QS-21. Sie verstärken als Adjuvanzien humorale und zelluläre Immunantworten. QS-21 ist Bestandteil des Adjuvanssystems AS01, das in zugelassenen Impfstoffen verwendet wird.[3][4]
Anwendungsgebiete
Traditionelle Anwendung
Historisch wurde Seifenrinde als Expektorans bei produktivem Husten, akuten Bronchitiden und Katarrhen der oberen Atemwege eingesetzt. Äußerlich fand sie Anwendung bei seborrhoischer Kopfhaut, Schuppen und verstärkter Talgproduktion.
Moderne medizinische Nutzung
Die Droge selbst spielt in der evidenzbasierten Medizin nur eine untergeordnete Rolle. Von hoher Bedeutung sind jedoch isolierte Saponinfraktionen, insbesondere QS‑21.
Technische Nutzung
- Lebensmittelzusatzstoff E 999 (Schaumbildner)
- Emulgator in kosmetischen Formulierungen
- Schaumbildner in technischen Reinigungsmitteln
Dosierung
Traditionell wurden 0,5–1 g Droge pro Tag verwendet, meist als Kaltmazerat oder Fluidextrakt. Aufgrund der irritativen Wirkung wird die innere Anwendung heute kaum noch empfohlen. Für technische und pharmazeutische Anwendungen gelten standardisierte Reinheits‑ und Konzentrationsvorgaben.
Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.
Nebenwirkungen
Mögliche Nebenwirkungen:
- Übelkeit, Erbrechen
- Bauchschmerzen, Diarrhö
- Schleimhautreizungen
Bei Überdosierung kann es zu ausgeprägter gastrointestinaler Reizung kommen.
Kontraindikation
Zu den Kontraindikationen gehören u.a.:
- Reizmagen
- Ulzera
- entzündliche Darmerkrankungen
Wechselwirkungen
Durch die irritative Wirkung auf die Magenschleimhaut kann die Resorption anderer Arzneistoffe beeinflusst werden. Klinisch relevante Wechselwirkungen sind jedoch nicht dokumentiert.
Literatur
- EMA: Assessment report for Quillaja saponaria extracts.
- European Pharmacopoeia 10.0: Quillajae cortex.
- Kensil CR et al. Structure–function relationships of QS‑21 adjuvant. Vaccine.
- San Martín R et al. Quillaja saponaria saponins: chemistry and biological activity. J Agric Food Chem.
- FAO/WHO: Evaluation of food additives – Quillaia extract (E 999).
Quellen
- ↑ Council of Europe. European Pharmacopoeia. Monograph: Quillaia bark (Quillaiae cortex). Straßburg: EDQM; aktuelle Ausgabe.
- ↑ EFSA Panel on Food Additives and Flavourings (FAF). Re-evaluation of quillaia extract (E 999) as a food additive. EFSA J. 2019;17(3):5622. doi:10.2903/j.efsa.2019.5622
- ↑ Kensil CR, Patel U, Lennick M, Marciani D. Separation and characterization of saponins with adjuvant activity from Quillaja saponaria Molina cortex. J Immunol. 1991;146(2):431-437.
- ↑ European Medicines Agency. Shingrix: EPAR - Product information. Amsterdam: EMA; aktuelle Fassung.