Ratchet-Syndrom
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Englisch: ratchet syndrome
Definition
Das Ratchet-Syndrom bezeichnet eine mechanisch bedingte Retraktion von Schrittmacherelektroden infolge einer unzureichenden Fixierung der Elektrodenfixierhülse (Suture Sleeve). Es gehört zu den mechanischen Komplikationen kardialer elektronischer Implantate (CIED).
Pathophysiologie
Die Elektrode kann schrittweise in Richtung des Aggregats gleiten. Wiederholte Zug- und Entlastungsbewegungen führen zu einer fortschreitenden Elektrodenretraktion. Eine Rotation des Aggregats ist hierfür nicht erforderlich.
Die Elektrodenverschiebung kann eine Dislokation der Elektrodenspitze und eine Funktionsstörung des implantierten Systems verursachen.
Ätiologie und Risikofaktoren
Ursache ist meist eine unzureichende Fixierung der Elektrodenfixierhülse, sodass die Sonde bei Bewegungen der ipsilateralen Schulter schrittweise zum Aggregat gleiten kann.[1][2] Begünstigend wirken eine zu lockere Fixierung der Hülse, ein unzureichend angelegter Generator-Taschenverschluss, ein zu großes Taschenvolumen sowie wiederholte Arm- und Schulterbewegungen auf der Implantatseite.[3][4] In der Literatur werden außerdem Implantations- und Patientenfaktoren wie adipöses oder lockeres subkutanes Gewebe, ungünstige Taschenlage und mangelnde Nachsorge als zusätzliche Risikofaktoren beschrieben.[5]
Klinik
Mögliche klinische Manifestationen sind:
- Synkopen und Präsynkopen
- bradykarde Herzrhythmusstörungen infolge eines Stimulationsverlusts
- Palpitationen und Schwindel
- Extrakardiale Muskelstimulation
- Veränderungen der Stimulations- und Sensing-Parameter
Das Ratchet-Syndrom kann asymptomatisch verlaufen.
Diagnostik
Die Diagnostik umfasst die klinische Untersuchung, die technische Systemkontrolle und die bildgebende Beurteilung.
Bei der Schrittmacherabfrage können folgende Veränderungen auftreten:
- Anstieg der Reizschwelle
- Abnahme der intrakardialen Signalamplitude
- Veränderung der Elektrodenimpedanz
- Verlust der Stimulations- oder Sensing-Funktion
Die Röntgenuntersuchung des Thorax in zwei Ebenen dient der Beurteilung der Elektrodenposition.[6] Der Vergleich mit postinterventionellen Aufnahmen ermöglicht den Nachweis einer Elektrodenretraktion. Bei unklaren Befunden kann eine Durchleuchtung zur dynamischen Beurteilung erfolgen.
Differenzialdiagnosen
Das Ratchet-Syndrom ist von anderen mechanischen Elektrodenmigrationssyndromen abzugrenzen:
- Twiddler-Syndrom: Rotation des Aggregats um seine Längsachse mit konsekutiver Elektrodenverdrehung und Aufwicklung.
- Reel-Syndrom: Rotation des Aggregats um seine Querachse mit Aufwicklung und Retraktion der Elektroden.
- Ratchet-Syndrom: Schrittweise Elektrodenretraktion durch Gleiten der Elektrode innerhalb einer unzureichend fixierten Elektrodenfixierhülse.
Therapie
Die Therapie richtet sich nach dem Ausmaß der Elektrodenmigration und der Funktion des implantierten Systems.
Bei relevanter Dislokation oder Funktionsstörung erfolgt eine operative Revision.[6] Diese umfasst die Überprüfung der Elektrodenintegrität, die Repositionierung oder den Austausch der betroffenen Elektrode sowie die Korrektur der Elektrodenfixierung.
Prävention
Vorbeugend sind eine sichere Fixierung der Elektrodenfixierhülse, eine stabile Verankerung des Aggregats und eine passgenaue Gestaltung der Schrittmachertasche entscheidend.[1][2] Empfohlen werden zudem nicht resorbierbare Nähte, eine ausreichend straffe Fixierung der Hülse, eine Vermeidung überschüssiger Elektroden- oder Taschenlänge sowie eine sorgfältige postoperative Instruktion mit Einschränkung exzessiver Armbewegungen in der frühen Heilungsphase.[3][7][8]
Prognose
Unbehandelt kann die Elektrodenretraktion zu anhaltendem Stimulations- oder Sensing-Versagen, Bradykardie, Synkopen und weiteren Fehlfunktionen des implantierten Systems führen.[2][9] Nach Repositionierung oder Revision der betroffenen Elektrode ist die Funktion des Systems in der Regel wiederherstellbar, sofern die Ursache korrigiert und die Fixierung dauerhaft gesichert wird.[10][5]
Literatur
- Sommer et al., Herzschrittmacher, ICD und CRT – Fehlfunktionen und Besonderheiten, Notfallmedizin Up2Date
- Fröhlig et al., Herzschrittmacher- und Defibrillator-Therapie, 3. Aufl., Georg Thieme Verlag, 2020
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 Terminology Management for Implantable Cardiac Devices, Revista Española de Cardiología, 2012, abgerufen am 02.11.2026
- ↑ 2,0 2,1 2,2 Alford, Indigenous health expenditure deficits obscured in Closing the Gap reports, Med J Aust, 2015
- ↑ 3,0 3,1 Ratchet-traction effect: An underdiagnosed mechanism of pacing lead dislodgement, Journal of Arrhythmia, 2014, abgerufen am 02.11.2026
- ↑ An unusual cause of pacemaker malfunction: A case report of an association of twiddler and reel syndrome, 2022, abgerufen am 02.11.2026
- ↑ 5,0 5,1 Twiddler-, Reel-, and Ratchet-syndrome: an alternative approach to address the underlying mechanism of complication in cardiac implantable electronic devices, 2025, abgerufen am 02.11.2026
- ↑ 6,0 6,1 Burri et al., EHRA expert consensus statement and practical guide on optimal implantation technique for conventional pacemakers and implantable cardioverter-defibrillators: endorsed by the Heart Rhythm Society (HRS), the Asia Pacific Heart Rhythm Society (APHRS), and the Latin-American Heart Rhythm Society (LAHRS), Europace, 2021
- ↑ An Unusual Cause of Pacemaker Lead Displacement, 2021, abgerufen am 02.11.2026
- ↑ Herzschrittmacher, ICD und CRT – Fehlfunktionen und Besonderheiten, Notfallmedizin Up2Date, abgerufen am 02.11.2026
- ↑ Successful dual chamber ICD implantation via a persistent left superior vena cava after ratchet syndrome, 2016, abgerufen am 02.11.2026
- ↑ The missing lead, Netherlands Heart Journal, 2026