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Nitisinon

Handelsnamen: Orfadin®, Nitisinone Dipharma®
Synonyme: NTBC, 2-1,3-Cyclohexandion
Englisch: Nitisinone

1 Definition

Nitisinon, kurz NTBC, ist ein Arzneistoff, der zur Behandlung der angeborenen Tyrosinämie Typ I angewendet wird.[1]

2 Hintergrund

Die angeborene Tyrosinämie Typ I ist eine seltene Erkrankung (Orphan Disease), die auf einem autosomal-rezessiv vererbten Defekt des Tyrosin-Stoffwechsels beruht. Die Ursache ist ein Mangel des Enzyms Fumarylacetoacetathydrolyase (FAH), das normalerweise den letzten Schritt der Abbaukaskade von Tyrosin katalysiert und die Metaboliten Fumarylacetoacetat und Maleylacetoacetat abbaut.

Ist das Enzym nicht funktionsfähig, reichern sich diese Metaboliten an und werden zu Succinylacetoacetat und Succinylaceton umgewandelt. Diese Substanzen wirken toxisch und schädigen die Leber, die Nieren und das periphere Nervensystem. Unbehandelt führt die Krankheit rasch zum Tod.[1]

3 Wirkmechanismus

Nitisinon greift in die frühe Abbaukaskade von Tyrosin ein, indem es kompetitiv das Enzym 4-Hydroxyphenylpyruvatdioxygenase hemmt. Dadurch verhindert der Arzneistoff die Entstehung der toxischen Zwischenprodukte.[1]

4 Pharmakokinetik

Laut Fachinformation wurden keine formalen Absorptions-, Verteilungs-, Stoffwechsel- und Ausscheidungsstudien mit Nitisinon durchgeführt. Die Eliminationshalbwertszeit beträgt etwa 50 Stunden.[1]

5 Indikation

6 Darreichungsform

Nitisinon ist in Form von Hartkapseln in verschiedenen Dosierungen und als Suspension erhältlich.[1]

7 Dosierung

Die empfohlene initiale Dosis für Kinder und Erwachsene beträgt 1 mg/kgKG pro Tag. Die Dosis sollte individuell angepasst werden, immer unter regelmäßiger Kontrolle des Succinylaceton-Spiegels im Urin. Eine Dosis von 2 mg/kgKG pro Tag sollte als Maximaldosis für alle Patienten betrachtet werden. Eine begleitende phenylalanin- und tyrosinarme Ernährung ist in jedem Fall nötig.[1]

Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.

8 Besondere Hinweise

Unter der Behandlung mit Nitisinon erhöht sich die Tyrosinkonzentration in den Körperflüssigkeiten, deshalb müssen die Patienten lebenslang eine tyrosinarme Diät einhalten. Während der Therapie sind regelmäßige Kontrollen der Leberfunktion, des Tyrosinspiegels im Plasma sowie der Thrombozyten- und Leukozytenzahl notwendig.[1]

9 Nebenwirkungen

Folgende Nebenwirkungen treten unter der Einnahme von Nitisinon häufig auf:[1]

10 Wechselwirkungen

Nitisinon wird über CYP3A4 metabolisiert, eine Dosisanpassung kann bei gleichzeitiger Einnahme von Induktoren oder Inhibitoren dieses Enzyms erforderlich sein.[1]

11 Kontraindikationen

12 Zulassung

Nitisinon wurde in der EU seit 2005 als Orphan Drug zugelassen und wird durch den Hersteller Swedish Orphan Biovitrum vertrieben. Der Orphan-Status des Arzneimittels endete 2015, Nitisinon ist weiterhin auf dem Markt.[1]

13 Nutzenbewertung

Seit der Einführung von Nitisinon hat sich die Prognose der Tyrosinämie Typ I deutlich verbessert. Rund 90 % der Patienten sprechen auf den Arzneistoff an, auch wenn sie sich bereits in einem Stadium des akuten Leberversagen befinden. Bis zur Markteinführung von Nitisinon war eine Lebertransplantation, neben einer eingeschränkten Aufnahme von Phenylalanin und Tyrosin in der Nahrung, die einzige Option für die Betroffenen.[2][3]

14 Kosten

Die Jahrestherapiekosten für Nitisinon betragen rund 60.000 €.[4]

15 Quellen

  1. 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 1,10 1,11 Fachinformation Nitisinon Fachinfo, abgerufen am 29.04.2019
  2. Screenings von Neugeborenen zur Früherkennung der Tyrosinämie Typ I, abgerufen am 28.04.2019
  3. OrpaNet Tyrosinämie Typ 1, abgerufen am 29.04.2019
  4. Arzneimittelverordnungs-Report Aktuelle Daten, Kosten, Trends und Kommentare, abgerufen am 29.04.2019

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