Neoplasien des Ösophagus (Pferd)
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LoslegenSynonym: Ösophagustumor beim Pferd
Englisch: esophageal neoplasia
Definition
Ätiologie
Ösophagusneoplasien gehören zu den seltensten Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts beim Pferd. Angaben zur Prävalenz, Rasse-, Geschlechts- oder Altersprädisposition sind aufgrund der geringen Zahl publizierter Fälle nur sehr schwer möglich. Die am häufigsten beschriebene primäre Neoplasie des Ösophagus ist das Plattenepithelkarzinom. Makroskopisch präsentiert sich dieses häufig als exophytisch wachsende, blumenkohlartige und oberflächlich ulzerierte Masse mit lokaler Infiltration der Ösophaguswand. Daneben werden vereinzelt mesenchymale Tumoren wie Leiomyosarkome beschrieben. In einem Fallbericht wurde zudem ein Leiomyom beschrieben.[1] Die genaue Ätiologie primärer Ösophagusneoplasien ist bislang (2026) ungeklärt. In seltenen Fällen können sich auch Plattenepithelkarzinome des Magens infiltrativ auf den Ösophagus ausbreiten.
Symptome
Die klinische Symptomatik hängt maßgeblich von der Lokalisation und dem Ausmaß der Neoplasie ab und verhält sich in der Regel progressiv. Insbesondere eine intraluminal wachsende Raumforderung kann zu einer Obstruktion des Ösophagus führen und dadurch Dysphagie sowie rezidivierende Schlundverstopfungen verursachen.[2] Weitere klinische Symptome sind die Regurgitation von Futter und Speichel, Inappetenz, futtriger Nasenausfluss und Husten. Folglich kann es als weitere Komplikation, ähnlich wie bei vielen anderen Erkrankungen des Ösophagus, zu einer Aspirationspneumonie kommen. Im weiteren Krankheitsverlauf können zudem Gewichtsverlust und eine von außen palpierbare Umfangsvermehrung auftreten, sofern die Neoplasie im zervikalen Anteil des Ösophagus lokalisiert ist.
Differentialdiagnosen
Differentialdiagnostisch müssen bei intraluminalen Raumforderungen neben Neoplasien auch andere proliferative Veränderungen des Ösophagus berücksichtigt werden, z.B:
- überschießendes Granulationsgewebe nach Ösophagusverletzungen
- idiopathische Hypertrophie der Ösophagusmuskulatur
- polypoide Schleimhautproliferationen
- zystische Veränderungen
- Abszesse oder infektiöse oder granulomatöse Läsionen der Ösophaguswand
Im Hinblick auf die klinische Symptomatik kommen insbesondere eine primäre Schlundverstopfung, eine Ösophagusstriktur, ein Ösophagusdivertikel sowie eine Ösophagitis in Betracht. Darüber hinaus sind extraluminale Raumforderungen, beispielsweise Neoplasien benachbarter Gewebe oder paraösophageale Abszesse als Ursache einer Kompression des Ösophagus auszuschließen.
Diagnostik
Die endoskopische Untersuchung des Ösophagus (Ösophagoskopie) ist das diagnostische Verfahren der Wahl zur Beurteilung intraluminaler Veränderungen des Ösophagus. Sie ermöglicht die Beurteilung von Ausdehnung und Lokalisation einer möglichen Raumforderung sowie des Ausmaßes der dadurch verursachten Stenose. Darüber hinaus können Schleimhautulzerationen oder auch Nekrosen begutachtet werden. Im Rahmen der endoskopischen Untersuchung können zudem transendoskopisch Biopsien entnommen werden, deren histopathologische Untersuchung die definitive Diagnosesicherung ermöglicht.[3] Ergänzend können auch röntgenologische Untersuchungen sowie Kontrastmittelstudien durchgeführt werden.
Therapie
Die Therapie richtet sich nach Tumorentität, Lokalisation, Ausdehnung der Läsion sowie dem klinischen Zustand des Pferdes. Bei kleineren, polypenartigen und soliden erhabenen Veränderungen kann eine endoskopische Entfernung, beispielsweise mittels Laser- oder Hochfrequenzchirurgie, erfolgen. Bei invasiv wachsenden Neoplasien kann in ausgewählten Fällen eine chirurgische Resektion mit anschließender Ösophagusanastomose in Betracht gezogen werden.
Eine kurative Therapie ist aufgrund der häufig fortgeschrittenen Erkrankung zum Zeitpunkt der Diagnosestellung, der anatomischen Besonderheiten des Ösophagus sowie des hohen Risikos postoperativer Komplikationen nur selten möglich. Zu den möglichen Komplikationen chirurgischer Eingriffe zählen insbesondere die Ausbildung von Ösophagusstrikturen.[4] Häufig steht eine palliative und unterstützende Therapie im Vordergrund. Diese umfasst ein angepasstes Fütterungsmanagement, eine bedarfsgerechte Analgesie sowie gegebenenfalls eine Glukokortikoidtherapie zur Behandlung entzündlicher Begleitreaktionen. Der Einsatz von Glukokortikoiden sollte unter Berücksichtigung möglicher Nebenwirkungen und Kontraindikationen erfolgen. Bei weit fortgeschrittener Erkrankung ist eine Euthanasie abhängig vom klinischen Zustand des Patienten zu erwägen.
Prognose
Die Prognose richtet sich ebenfalls nach der Tumorentität, der Lokalisation und Ausdehnung der Neoplasie sowie dem Vorliegen von Komplikationen, insbesondere einer Aspirationspneumonie oder einer hochgradigen Ösophagusobstruktion sowie der damit einhergehenden Ausprägung der klinischen Symptomatik. Da es sich bei den meisten beschriebenen primären Ösophagusneoplasien um lokal invasiv wachsende Plattenepithelkarzinome handelt und die Diagnose häufig erst in einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium gestellt wird, ist die Prognose in der Regel vorsichtig bis schlecht, in einigen Fällen infaust. Demgegenüber können benigne proliferative Veränderungen bei vollständiger chirurgischer Resektion mit einer günstigen Prognose einhergehen.
Quellen
- ↑ Faulkner J, Vlaminck L, Geerinckx L, Raes E, Vanderperren K. Leiomyoma of the proximal cervical oesophagus in a horse. Equine Vet Educ. 2023;35(3):e154–e159.
- ↑ Moore JN, Kintner LD. Recurrent esophageal obstruction due to squamous cell carcinoma in a horse. Cornell Vet. 1976;66(4):590–7.
- ↑ Campbell-Beggs CL, Kiper ML, MacAllister C, Henry G, Roszel JF. Use of esophagoscopy in the diagnosis of esophageal squamous cell carcinoma in a horse. J Am Vet Med Assoc. 1993;202(4):617–8.
- ↑ Craig DR, Shivy DR, Pankowski RL, Erb HN. Esophageal disorders in 61 horses. Results of nonsurgical and surgical management. Vet Surg. 1989;18(6):432–8.
Literatur
- Brehm W, Gehlen H, Ohnesorge B, Wehrend A (Hrsg.). Handbuch Pferdepraxis. 4. Aufl. Stuttgart: Enke; 2016.
- Hawkins JF. Esophageal Neoplasia in Large Animals. MSD/Merck Veterinary Manual.
- Mersich I, Wilkins PA. Equine Gastrointestinal Neoplasia. Vet Clin North Am Equine Pract. 2024;40:475–485.
- Reed SM, Bayly WM, Sellon DC. Equine Internal Medicine. 4th ed. Philadelphia: Saunders (Elsevier); 2017.