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Nageltritt (Pferd)

Synonym: Penetrierende Hufverletzung

1 Definition

Als Nageltritt bezeichnet man eine Verletzung der distalen Gliedmaße beim Pferd, die durch einen in den Huf penetrierenden Fremdkörper verursacht wird.

2 Vorkommen

Nageltritte kommen relativ häufig bei Pferden vor. Die Bezeichnung stammt aus der Zeit, in denen Pferde noch landwirtschaftlich genutzt wurden (z.B. als Zugpferde). Diese richteten beim Vorwärtsgehen auf dem Erdboden liegende gebogene Nägel mit den Hufen der Vordergliedmaße auf, sodass diese dann beim Belasten der Hintergliedmaßen die Sohle perforiert haben.

Dies war auch der Grund, weshalb Nageltritte bei landwirtschaftlich genutzten Pferden häufiger an der Hintergliedmaße auftraten als an der Vordergliedmaße.

3 Ätiologie

Neben Nägeln kommt es auch durch Holzsplitter, Glassplitter sowie andere feste Materialien zu penetrierenden Verletzungen der Sohle und des Strahls.

4 Pathogenese

Die eingetretenen Gegenstände führen initial zu einer Infektion des angrenzenden Gewebes. Je nach Lokalisation der Penetration können unterschiedliche Strukturen betroffen sein.

Lokalisation Struktur
Hufspitze Sohlen- oder Wandhorn
Spitze der Hornsohle (oberflächlich) Huflederhaut
Spitze der Hornsohle (tief) Hufbein
Strahlspitze Huflederhaut und Hufgelenk
Mittelstrahl Huflederhaut und tiefe Beugesehne
seitliche Strahlfurche Huflederhaut, tiefe Beugesehne, Bursa podotrochlearis und Strahlbein
Strahl Huflederhaut und Strahlpolster

Verletzungen des Sohlen- oder Wandhorns bleiben in der Regel komplikationslos. Die Defekte sind nur oberflächlich und werden durch das stetige Hornwachstum zeitnah wieder verschlossen. Verletzungen der Huflederhaut führen jedoch zu einer eitrigen Pododermatitis (Pododermatitis purulenta). Kommt es zur Penetration des Strahlpolsters, breiten sich eingedrungene Erreger schnell im weitmaschigen Bindegewebe aus. Es entwickelt sich eine Strahlpolsterphlegmone.

Verletzungen der tiefen Beugesehne und der Bursa podotrochlearis führen initial zu einer lokalen Infektion, die schnell generalisiert. Bei unsachgemäßer oder zu später Therapie greift die Infektion auf das Hufgelenk und auf das Hufbein-Strahlbein-Band über. Bei Penetrationen des Strahlbeins kommt es zu Läsionen am Knorpelüberzug und des Knochens, die zu osteomyelitischen Veränderungen führen.

Wenn der eingedrungene Fremdkörper das Hufgelenk eröffnet, entwickelt sich aufgrund der Pathogene ein septisches Gelenk.

5 Klinik

Das klinische Bild hängt stark von der Lokalisation des Fremdkörpers, der Dauer der Perforation und den betroffenen Strukturen ab.

Betroffene Struktur Symptome
Sohlen- oder Wandhorn
Huflederhaut
Hufbein
  • mittel- bis hochgradige Lahmheit
  • Fissur oder Frakturen (+/- Frakturstück) des Hufbeins
Hufgelenk
  • mittel- bis hochgradige Lahmheit
  • vermehrt gefülltes Hufgelenk
  • Pulsation der Hauptmittelfußarterie
  • Fieber
Tiefe Beugesehne und Bursa podotrochlearis
Strahlbein
  • hochgradige Lahmheit
  • Symptome einer Allgemeininfektion
Strahlpolster
  • Strahlpolsterphlegmone
  • mittelgradige Stützbeinlahmheit
  • Schmerzhafter Strahl
  • Verstrichene Ballengrube

6 Diagnose

Die Diagnose wird anhand der Anamnese, der klinischen und orthopädischen Untersuchung und mithilfe bildgebender Diagnostikverfahren (Röntgen, Computertomographie, Magnetresonanztomographie, Ultraschall) gestellt.

Je nach betroffener Struktur können auch retrograde Spülproben (z.B. des Hufgelenks) bei der Diagnosefindung helfen.

7 Therapie

Eingedrungene Fremdkörper sind umgehend und vorsichtig zu entfernen. Anschließend ist die Huf- bzw. distale Gliedmaßenregion aseptisch vorzubereiten. Der Stichkanal muss operativ freigelegt werden. Dabei ist darauf zu achten, dass bereits nekrotisches Gewebe und eingedrungener Schmutz sorgfältig entfernt (Kürettage) wird. Die weitere Therapie richtet sich nach den perforierten Strukturen.

Verletzungen der Bursa podotrochlearis müssen intensiv gespült werden. Eine ideale Versorgung kann meist nur im Rahmen einer Bursoskopie erreicht werden. Eine lokale antibiotische Behandlung ist stets indiziert. Punktionen des Hufgelenks erfordern ebenfalls intensive Spülungen (arthroskopisch). Anschließend sollten geeignete Antibiotika (z.B. Amikacin, Gentamicin) in das Gelenk appliziert werden. Der weitere Verlauf der Infektion ist mittels Entzündungsparameter (z.B. SAA) und regelmäßigen Spülproben zu überprüfen.

Bei Strahlbeinverletzungen ist der defekte Knorpel sowie verletzte Knochen intraoperativ zu versorgen. Infizierte Frakturen können kaum behandelt werden. Eine zusätzliche Eröffnung des Hufgelenks ist wie oben beschrieben zu therapieren.

8 Prognose

Die Prognose hängt hauptsächlich von der Dauer der Perforation ab. Nageltritte, die bereits am Unfalltag behandelt werden, weisen auch bei Eröffnung des Hufgelenks eine günstige Prognose auf. Je länger der Fremdkörper im Huf verbleibt, desto schlechter wird die Prognose.

Alte und eitrig infizierte Hufgelenke sind kaum noch therapierbar.

9 Literatur

  • Brehm W., Gehlen H., Ohnesorge B. et al., Hrsg. Handbuch Pferdepraxis. 4., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Enke Verlag; 2016.
  • Maria Fugazzola. Der Nageltritt – eine immer noch unterschätzte Gefahr. Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York. pferde spiegel 2018; 21(04): 168-172 (abgerufen am 10.06.2020)

Diese Seite wurde zuletzt am 12. Juni 2020 um 08:27 Uhr bearbeitet.

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