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Anamnese (Veterinärmedizin)

von griechisch: ἀνάμνησις ("anámnēsis") - Erinnerung
Synonym: Krankengeschichte
Englisch: ananmesis

1 Definition

Als Anamnese bezeichnet man die systematische Befragung der Tierbesitzer, um den Gesundheitszustand des Tieres zu erheben.

2 Hintergrund

Mithilfe der Anamnese können durch strukturierte Fragen an den Tierbesitzer sowohl die aktuellen als auch die vergangenen Probleme bzw. die Krankengeschichte des Tieres erfasst werden. Durch die allgemeine und anschließende fachspezifische sowie problemorientierte Anamnese wird eine Eingrenzung der anschließenden Diagnostik ermöglicht. Auf diese Weise kann der Tierarzt anhand der geschilderten Probleme erste Differenzialdiagnosen stellen, um die weiterführenden diagnostischen Untersuchungen in die richtige Richtung leiten zu können.

Während der Erhebung der Anamnese werden schon erste Eindrücke vom Patienten gewonnen, mit denen man ggf. Rückschlüsse auf die zugrundeliegende Krankheit ziehen kann. Je nach Dringlichkeit und Zustand des Tiers kann die Anamnese parallel zur klinischen Untersuchung erhoben werden.

3 Fragestellung

Die Anamnese richtet sich grundsätzlich nach dem Hauptproblem des Patienten. Dennoch sollten die Fragestellungen nicht nur gezielt die aktuellen Symptome betreffen, sondern auch allgemeine Informationen über den Patienten liefern. Die Anamnese kann somit in eine allgemeine und in eine spezielle (fachorientierte) Anamnese gegliedert werden.

3.1 Allgemeine Anamnese

Die allgemeine Anamnese variiert innerhalb der einzelnen Tierarten, sollte aber zumindest folgende Fragen beinhalten:

  • Was (Symptome) hat wann (Zeitpunkt des Erstauftretens) wie begonnen (perakut, akut, subakut, chronisch und wie ist der Verlauf (akut, chronisch, rezidivierend, progressiv)?
  • Begleitende Symptome (z.B. Inappetenz, Leistungsminderung, Unwilligkeit)?
  • Haltung in einer Herde/Gruppe bzw. gleichzeitige Erkrankung mehrerer Tiere?
  • Hinweise auf eine Erbrkankheit durch gezielte Familienanamnese (Erkrankungen der Vorfahren)?
  • Woher stammt das Tier (Zukauf, Züchter, Ausland, eigene Zucht)?
  • Impfstatus (letzte Auffrischung, welche Impfungen)?
  • Entwurmungsmanagement (wie oft, welche Medikamente)?
  • Haltung (Weide, Offenstall, Boxenhaltung, Zwinger u.ä.)?
  • Leistung (Freizeitpferd, Turnierpferd, Hochleistungskuh, Sporthund u.ä.)?
  • Fütterung und Wasserangebot (Zusammensetzung, Qualität, leistungsorientiert, Barfen)?
  • Vorerkrankungen (Krankengeschichte)?
  • Vorbehandlungen?

3.2 Spezielle Anamnese

Neben der allgemeinen Anamnese sind gezielte Fragen - das erkrankte Organsystem betreffend - zu stellen. Je nach Symptomen und Tierart sind diese Fragen unterschiedlich. Lahmt ein Pferd, würde z.B. Folgendes gefragt:

  • Wie lange besteht die Lahmheit schon?
  • Wurde ein akutes Trauma beobachtet?
  • Bei welcher Tätigkeit (Reiten, Schritt, Trab, Galopp) besteht die Lahmheit?
  • Gab es schon einmal ein ähnliches Problem?
  • Trat die Lahmheit plötzlich auf oder hat sie sich langsam entwickelt?
  • Wird die Lahmheit durch forcierte Bewegung besser oder schlechter?
  • Besteht die Lahmheit auf hartem und/oder weichem Boden?
  • Steht das Pferd unwillig auf oder liegt es vermehrt?
  • Besteht ein zeitlicher Zusammenhang zwischen letzter Hufpflege und Auftreten der Lahmheit?
  • Wann wurde die letzte Hufpflege durchgeführt und von wem (selbstständig oder Hufschmied)?
  • Liegt zusätzlich eine Wunde vor und wenn ja, wann war die letzte Tetanusimpfung?
  • Hat der Besitzer eine auslösende Vermutung?

4 Literatur

  • Baumgartner, Walter. Klinische Propädeutik der Haus- und Heimtiere. 8., aktualisierte Auflage. Enke-Verlag, 2014.

Diese Seite wurde zuletzt am 22. Juni 2020 um 19:21 Uhr bearbeitet.

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