Bitte logge Dich ein, um diesen Artikel zu bearbeiten.
Bearbeiten

Nabelschnurvorfall

Englisch: umbilical chord prolapse (Nabelschnurvorfall), presenting umbilical chord (Nabelschnurvorliegen)

1 Definition

Der Nabelschnurvorfall ist eine für das Kind gefährliche Schwangerschaftskomplikation, die zur Hypoxie mit anschliessender Behinderung oder bis zum Tod des Feten führen kann.

2 Pathophysiologie

Nach dem Blasensprung fällt die den Fetus mit Blut versorgende Nabelschnur vor den vorangehenden Teil des Kindes in die Vagina und kann dabei abgeklemmt werden. Kommt die Nabelschnur bei noch erhaltener Fruchtblase vor dem vorangehenden Teil des Kindes zu liegen, spricht man vom Vorliegen der Nabelschnur.

3 Epidemiologie und Ätiologie

Die Häufigkeit des Nabelschnurvorfalls beträgt etwa 0,3% unter allen Geburten in Deutschland. Als Ursache wird eine mangelhafte Abdichtung des Geburtskanals durch das Kind angesehen. Prädisponierend sind Einstellungs-, Lage- und Haltungsanomalien, Frühgeburten, hypotrophe Kinder, ein Hydramnion und ein tiefer Sitz der Plazenta. Bei Zwillingsschwangerschaften ist bei monoamniotischen Zwillingen, der zweite Zwilling immer durch einen Nabelschnurvorfall bedroht, bei diamniotischen Zwillingen nur dann, wenn der Blasensprung erfolgt, bevor er sich in das mütterliche Becken eingestellt hat. Ein relatives Missverhältnis, welches entsteht wenn der kindliche Kopf beim Blasensprung noch hoch über dem Beckeneingang steht, begünstigt ebenfalls einen Nabelschnurvorfall.

Durch eine Amniotomie bei noch nicht eingestelltem Kind, kann es zum iatrogenen Nabelschnurvorfall kommen. Am häufigsten werden Nabelschnurvorfälle bei Quer-, Schräg- oder Fußlage und Mehrlingsgeburten beobachtet.

4 Symptomatik und Diagnostik

Erste Hinweise auf das Vorliegen oder den Vorfall der Nabelschnur geben neuaufgetretene variable Dezelerationen und Bradykardien in der Kardiotokographie. Die Verdachtsdiagnose wird anschliessend bei der vaginalen Palpation gesichert: die pulsierende Nabelschnur ist vor dem kindlichen Teil tastbar. Sollte weiterhin Zweifel bestehen, wird die Diagnose durch die Spekulumeinstellung bei ausreichend geöffnetem Muttermund oder durch eine Amnioskopie verifiziert.

5 Therapie

5.1 Vorliegen der Nabelschnur

Beim Vorliegen der Nabelschnur kann die Nabelschnur durch Beckenhochlagerung oder Seitenlagerung der Schwangeren oftmals wieder reponiert werden. In diesen Fälle ist die physiologische vaginale Geburt möglich: unter kontinuierlicher Überwachung des Kindes durch Kardiotokographie wird die Geburt eingeleitet, während ein OP-Team bereit steht, um bei Komplikationen eine Sectio caesarea vorzunehmen.

Erweist sich die fetale Bradykardie als sehr ausgeprägt, wird eine intrauterine Reanimation durch die Verabreichung von Fenoterol (Partusisten), einem Beta-Sympathomimetikum, durchgeführt.

5.2 Nabelschnurvorfall

Bei einem Nabelschnurvorfall wird notfallmässig eine sofortige Sectio durchgeführt, um eine kindliche Hypoxie zu vermeiden. Um die Nabelschnur bis zum Operationsbeginn zu entlasten, wird das mütterliche Becken hochgelagert und der vorangehende Teil des Kindes samt Nabelschnur, mit einer Hand, von vaginal zurückgeschoben ins Cavum uteri. Wenn die fetale Bradykardie sehr ausgeprägt ist, muss mittels Fenoterol eine intrauterine Reanimation versucht werden. Evtl. müssen zusätzlich Tokolytika langsam infundiert werden.

Bei diagnostiziertem vorzeitigem Blasensprung, muss vor der geplanten Sectio, der Zustand des Feten mittels Kardiotokographie und Sonographie genaustens bestimmt werden. Ist der Fetus als bereits abgestorben, oder die fetale Bradykardie bestand mehr als 20 min, sollte die vaginale Geburt eingeleitet werden.

Fachgebiete: Geburtshilfe

Um diesen Artikel zu kommentieren, melde Dich bitte an.

Klicke hier, um einen neuen Artikel im DocCheck Flexikon anzulegen.

Artikel wurde erstellt von:

Letzte Autoren des Artikels:

4 Wertungen (3.25 ø)

11.126 Aufrufe

Du hast eine Frage zum Flexikon?
Copyright ©2019 DocCheck Medical Services GmbH | zur mobilen Ansicht wechseln
DocCheck folgen: