Lobektomie (Lunge)
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LoslegenSynonym: Lungenlappenresektion, pulmonale Lobektomie
Englisch: lung lobectomy, pulmonary lobectomy
Definition
Die Lobektomie ist die operative Entfernung eines gesamten Lungenlappens und stellt den häufigsten anatomischen Resektionstyp in der Thoraxchirurgie dar.
Hintergrund
Die rechte Lunge gliedert sich in drei Lappen (Ober-, Mittel- und Unterlappen), die linke Lunge in zwei Lappen (Ober- und Unterlappen). Jeder Lappen wird über einen eigenen Lappenbronchus sowie eigenständige arterielle und venöse Gefäße versorgt. Diese anatomische Eigenständigkeit ermöglicht die isolierte Entfernung eines Lappens, ohne die Durchblutung oder Ventilation der verbleibenden Lungenanteile zu beeinträchtigen. Die Lobektomie gilt seit Jahrzehnten als Standardverfahren bei resektablem Bronchialkarzinom.[1]
Technik
Der Zugang erfolgt entweder offen über eine posterolaterale Thorakotomie oder minimalinvasiv im Rahmen einer VATS (uniportal oder multiportal) bzw. robotisch assistiert (RATS). Die Wahl richtet sich nach Tumorgröße, -lage, Voroperationen und der Erfahrung des Zentrums.
Der Eingriff erfolgt in Allgemeinanästhesie mit Einlungenventilation. Nach Darstellung des Lungenhilus werden Lappenarterie, Lappenvene und Lappenbronchus einzeln präpariert und sequenziell mit Klammernahtgeräten (Stapler) oder Ligatur abgesetzt. Bei onkologischer Indikation schließt sich eine systematische mediastinale Lymphadenektomie an. Das Resektat wird – insbesondere bei minimalinvasivem Vorgehen – über einen Bergebeutel entfernt, um eine Tumorzellverschleppung im Wundkanal zu vermeiden. Der Eingriff wird mit Blutstillungskontrolle und Anlage einer Thoraxdrainage abgeschlossen.[2]
Formen
Je nach betroffenem Lappen und Ausmaß der Resektion werden verschiedene Formen unterschieden:
- Oberlappen-, Mittellappen- (nur rechts) oder Unterlappenlobektomie
- Bilobektomie: Entfernung zweier benachbarter Lappen, anatomisch nur rechts möglich (Ober- und Mittellappen oder Mittel- und Unterlappen)
- Manschettenlobektomie (Bronchusmanschettenresektion, sleeve lobectomy): Resektion des tumortragenden Lappens samt einer Manschette des Hauptbronchus mit anschließender End-zu-End-Anastomose, um bei zentralem Tumorsitz eine Pneumonektomie zu vermeiden
Die Manschettenlobektomie kann bei entsprechender Erfahrung auch robotisch assistiert durchgeführt werden.[3]
Indikationen
Die Lobektomie kommt sowohl bei malignen als auch bei ausgewählten benignen Lungenerkrankungen zum Einsatz:
- Nichtkleinzelliges Bronchialkarzinom – Standardverfahren bei Tumoren größer als 2 cm oder zentraler Lage
- Benigne Lungentumoren mit lappenüberschreitendem Befund
- „Destroyed lobe" bei chronischer Infektion, etwa nach Tuberkulose oder bei Bronchiektasen
- Therapierefraktärer Lungenabszess
- Aspergillom
- Angeborenes lobäres Emphysem (pädiatrische Indikation)
Bei kleinen (≤ 2 cm), peripher gelegenen Tumoren zeigte die randomisierte Phase-3-Studie JCOG0802/WJOG4607L, dass die Segmentektomie der Lobektomie im Gesamtüberleben nicht unterlegen, sondern sogar überlegen war, bei besserem Erhalt der postoperativen Lungenfunktion; die lokale Rezidivrate war nach Segmentektomie jedoch höher.[4] Die aktuelle S3-Leitlinie Lungenkarzinom berücksichtigt diese Evidenz und empfiehlt bei Operation grundsätzlich die Lobektomie, sofern funktionell und onkologisch keine sublobäre Resektion vorzuziehen ist.[5]
Vorteile
Gegenüber der Pneumonektomie erhält die Lobektomie funktionsfähiges Lungenparenchym und ist mit einer geringeren perioperativen Morbidität und Mortalität assoziiert. Die minimalinvasive VATS-Lobektomie zeigt gegenüber der offenen Thorakotomie zudem weniger postoperative Schmerzen, einen kürzeren Krankenhausaufenthalt und seltenere Komplikationen wie Pneumonie oder Vorhofarrhythmien.[6] Auch im Vergleich zur muskelschonenden Thorakotomie zeigt die VATS einen geringeren Blutverlust und eine kürzere Drainagedauer.[7]
Risiken und Komplikationen
Zu den häufigsten postoperativen Komplikationen zählen ein prolongierter Luftaustritt (air leak) über die Thoraxdrainage, Vorhofflimmern und andere Herzrhythmusstörungen, Pneumonie und respiratorische Insuffizienz sowie Nachblutungen und Wundinfektionen. Seltener, aber klinisch relevant ist die bronchopleurale Fistel nach Absetzen des Bronchusstumpfes.[8]
Cave: Bei Verdacht auf eine bronchopleurale Fistel (persistierender Luftaustritt, Fieber, putrides Drainagesekret) ist eine rasche Diagnostik und ggf. operative Revision erforderlich.
Die perioperative Mortalität liegt bei elektiver Lobektomie in aktuellen Kollektiven bei etwa 1–2 %.
Kontraindikationen
- Unzureichende pulmonale Reserve (unzureichendes vorhergesagtes postoperatives FEV1 oder eingeschränkte Diffusionskapazität)
- Schwere kardiale Komorbidität mit hohem perioperativem Risiko
- Fernmetastasierung oder ausgedehnter mediastinaler Lymphknotenbefall (N3), außerhalb multimodaler Therapiekonzepte
- Fehlende funktionelle Operabilität
Quellen
- ↑ Gaudet MA, D'Amico TA. Thoracoscopic Lobectomy for Non-small Cell Lung Cancer. Surg Oncol Clin N Am. 2016;25(3):503-513.
- ↑ Kim HK, Han KN. Uniportal Video-Assisted Thoracoscopic Surgery Segmentectomy. Thorac Surg Clin. 2017;27(4):387-398.
- ↑ Scheinerman JA, Jiang J, Chang SH, et al. Extended Robotic Pulmonary Resections. Front Surg. 2021;8:597416.
- ↑ Saji H, Okada M, Tsuboi M, et al. Segmentectomy versus lobectomy in small-sized peripheral non-small-cell lung cancer (JCOG0802/WJOG4607L): a multicentre, open-label, phase 3, randomised, controlled, non-inferiority trial. Lancet. 2022;399(10335):1607-1617.
- ↑ AWMF. S3-Leitlinie Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Lungenkarzinoms. AWMF-Registernummer 020-007OL. Langversion 4.0. 2025. Verfügbar unter: S3-Leitlinie Lungenkarzinom.
- ↑ Ye B, Wang M. Video-assisted Thoracoscopic Surgery versus Thoracotomy for Non-Small Cell Lung Cancer: A Meta-Analysis. Comb Chem High Throughput Screen. 2019;22(3):187-193.
- ↑ Wang Z, Pang L, Tang J, et al. Video-assisted thoracoscopic surgery versus muscle-sparing thoracotomy for non-small cell lung cancer: a systematic review and meta-analysis. BMC Surg. 2019;19(1):144.
- ↑ Fong LS, Ko V, Mclaughlin A, et al. Outcomes of video-assisted thoracoscopic surgery lobectomy in septuagenarians. ANZ J Surg. 2020;90(5):752-756.