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Leptospirose (Hund)

(Weitergeleitet von Leptospirose des Hundes)

Synonyme: Stuttgarter Hundeseuche (historische Bezeichnung)
Englisch: leptospirosis

1 Definition

Bei der Leptospirose des Hundes handelt es sich um eine durch Leptospiren hervorgerufene bakterielle Infektionskrankheit der Hunde. Zahlreiche andere Tiere sowie der Mensch sind empfänglich für eine Infektion, es handelt sich also um eine Zoonose.

2 Erreger

Leptospiren sind gramnegative, zarte, schraubenförmige selbstständig bewegliche Bakterien aus der Ordnung der Spirochäten. Ihr Durchmesser ist rund 0,1 μm und ihre Länge wird mit 20 bis 24 μm angegeben. Mithilfe zweier Endoflagellen, die um ihren Protoplasmazylinder gewunden sind, können sie rotierenden Bewegungen nachgehen. Beide Enden sind gebogen, wodurch ihre charakteristische Kleiderbügel- oder Hakenform zustande kommt. Leptospiren lassen sich nur schlecht anfärben, wobei sie am ehesten noch mittels Giemsa-Färbung sichtbar gemacht werden können.

Es existieren zahlreiche an verschiedene Hauptwirte angepasste Serovare. Beim Hund sind die traditionellen Serovare Leptospira icterohaemorrhagiae und Leptospira canicola. Leptospiren können in feuchter Umgebung und stehendem Wasser (auch Pfützen) lange Zeit persistieren. Weltweit kommen etwa 200 Serovare vor.

3 Epizootiologie

Am bedeutendsten ist die direkte Infektion über den Harn akut oder inapparent erkrankter Tiere. Auch eine Infektion über den Speichel ist möglich. Als Dauerausscheider fungieren vor allem Tiere, die als Hauptwirte infiziert sind. Als Nebenwirte infizierte Tiere scheiden den Erreger nur über einen kurzen Zeitraum aus.

4 Pathogenese

Der Erreger dringt über Hautläsionen oder durch die intakte Schleimhaut des Genital- oder Verdauungstrakts in den Organismus ein. Zunächst erfolgt eine symptomlose Vermehrung am Eintrittsort, dann folgt eine septikämische Phase, die zur Besiedlung innerer Organe und zur Toxinfreisetzung führt.

5 Klinik

Es sind verschiedene Verlaufsformen beschrieben. Es kommt vermutlich in vielen Fällen zu einer stummen Serumkonversion ohne Symptome. Auch Verläufe mit einer kurzen Phase unspezifischer Allgemeinstörungen sind vermutlich häufig.

Ansonsten sind akute schwere Verläufe und chronische Verläufe beschrieben.

5.1 Akuter Verlauf

Bei akuten schweren Verläufen treten durch die vom Erreger gebildeten Toxine schwere Organschädigungen auf. Die Mortalität ist vor allem bei Jungtieren ohne maternale Antikörper und immunsupprimierten Tieren hoch. Die Leptospirentoxine verursachen schwere Schädigungen des Gefäßendothels, sowie Schädigungen aller Organe. Je nach betroffenen Organen können Ikterus, Hämolyse und Nierenschädigungen bis hin zum akuten Nierenversagen auftreten. Hinzu kommen schwere Allgemeinstörungen wie Fieber, Durchfall, Erbrechen und Dolenz des Abdomens. Nach der akuten Phase kann die Krankheit in eine chronische Form übergehen.

5.2 Chronischer Verlauf

Es kann zur chronischen Persistenz des Erregers in den Nierentubuli kommen, wo er von Antikörpern nicht erreicht wird. So kann sich im Verlauf von 1-3 Jahren eine chronische Niereninsuffizienz als Folge einer tubulointerstitiellen Nephritis entwickeln. Weiterhin sind eine chronische Hepatitis sowie Uveitis möglich.

6 Diagnose

Während einer bakteriämischen Phase können Leptospiren mithilfe von Dunkelfeldmikroskopie oder IFT in Blut, Organsuspensionen, Körperhöhlenflüssigkeiten, Abklatschpräparaten von Leber und Niere nachgewiesen werden. Harn wird erst mit Beginn der 2. Krankheitswoche erregerhaltig, etwa zum gleichen Zeitpunkt treten im Blut Antikörper auf. Ein direkter Erregernachweis ist mittels PCR möglich.

Unter den serologischen Untersuchungsverfahren ist die Mikroagglutinationsreaktion (MAR/MAT) am wichtigsten. Diese wird mit lebenden Leptospiren durchgeführt.

7 Therapie

Es wird eine dem klinischen Bild angepasste symptomatische Therapie durchgeführt. Flüssigkeitsersatz- und Elektrolytersatz sowie Aufrechterhaltung der Nieren- und Leberfunktion sind entscheidend. Zusätzlich wird eine Therapie mit Antibiotika (Penicillin, Aminopenicillin, Streptomycin, Dihydrostreptomycin, Tetracyclin) durchgeführt. Bei starker Anämie sollten zusätzlich Bluttransfusionen durchgeführt werden.

8 Prophylaxe

In häufig eingesetzten Impfstoffen sind seit vielen Jahren die Serovare Canicola und Icterohaemorrhagiae enthalten, weshalb diese Infektionen nur noch eine geringe Rolle spielen. Im Gegensatz dazu kann man eine deutliche Zunahme anderer Serovare wie Leptospira saxkoebing, Leptospira bratislava und Leptospira pomona beobachten.

9 Literatur

  • Rolle, Michael, Mayr, Anton. Medizinische Mikrobiologie, Infektions-und Seuchenlehre. 8., überarbeitete Auflage. Enke Verlag, 2007.

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