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Intravenöse Injektion (Veterinärmedizin)

Synonyme: intravenöse Applikation, „in eine Vene hinein“
Englisch: intravenous

1 Definition

Als intravenöse Injektion bezeichnet man die Gabe eines Arzneimittels mittels Punktion einer Vene.

2 Technik

Alle Injektionen werden unter aseptischen Bedingungen (lokale Reinigung und Desinfektion) durchgeführt. Die verwendeten Einmalspritzen und Einmalkanülen müssen sterilisiert sein.

Die Technik bei der intravenösen Injektion ist die gleiche wie bei der Gewinnung von Blutproben. Es ist auf eine gute Fixierung der Tiere zu achten. Nach Punktion der Vene fließt das Blut spontan ab, dann wird das Injektionsgut in Fließrichtung langsam injiziert bzw. infundiert. Bei Bewegungen des Tieres wird durch Abstützen am Körper ein Verschieben der Nadel verhindert. Hat man dennoch den Eindruck, dass paravenös infundiert wurde (Umfangsvermehrung an der Injektionsstelle), wird eine Ansaugprobe vorgenommen und gegebenenfalls der Sitz der Nadel korrigiert. Da es auch beim Herausziehen der Nadel zu einer paravenösen Applikation kommen kann, muss diese Probe auch am Ende der Infusion wiederholt werden, um sich von der sicheren intravenösen Applikation zu überzeugen und die Nadel vom Medikament freizuspülen.

Abschließend wird proximal der Injektionsstelle die Vene komprimiert und die Nadel rasch entfernt. Bei unruhigen Patienten (z.B. Fohlen) werden Venenkatheter verwendet, damit keine perivenöse Applikation erfolgt.

3 Formen

Kleine Flüssigkeitsmengen werden mit der Spritze, größere mit Infusionsapparaten oder Dauertropfgeräten über Venenkatheter infundiert. Der Infusionsschlauch wird an einer Spiralfeder oder Hundeleine aufgehängt und der Patient in seiner Bewegung eingeengt. Die optimale Infusionsgeschwindigkeit (Mengenbestimmung pro Zeiteinheit) hängt von der Größe des Tieres und von der Infusionsmenge pro Tag ab und wird in der Intensivmedizin ständig überwacht.

4 Anwendung

4.1 Pferd

Bei unruhigen oder nervösen Pferden sowie bei Fohlen ist stets ein Venenkatheter zu verwenden, um Thrombophlebitiden vorzubeugen.

4.2 Wiederkäuer

  • Vena jugularis externa beim Rind
  • An den Jugularvenen bei den kleinen Wiederkäuern
  • Ohrvene (Dauertropfinfusion)
  • Vena cephalica bzw. Vena saphena lateralis (selten praktiziert)

Die Eutervene ist nicht für Injektionen oder Infusionen geeignet. Beim Schaf wird zum leichteren Auffinden der Vene die Wolle entfernt.

4.3 Neuweltkamele

  • Vena jugularis externa
  • Ohrvenen
  • Gliedmaßenvenen

Die besonderen anatomischen Bedingungen (siehe Blutentnahme sind zu beachten. Für eine Injektion ist das Scheiteln der Wolle ausreichend, für das Legen von Dauerkathetern muss die Wolle entfernt werden.

4.4 Schwein

  • Ohrrandvene
  • Jugularvene

Die Tiere müssen mit der Oberkieferschlinge gut fixiert sein. Blutansaugversuche sind bei der Punktion der Ohrrandvene zu unterlassen, da die sehr dünnen Venen leicht kollabieren. Bei Verwendung zu weitlumiger Kanülen kann zum Zerreißen dieser Gefäße kommen. Mit den Injektionsversuchen wird an der Ohrmuschelspitze begonnen. Bei Ferkeln zieht man wegen der geringen Größe der Ohrvenen bei Verabreichung größerer Volumina die intraabdominale Injektion vor.

4.5 Hund und Katze

  • Vena cephalica
  • Vena saphena lateralis

Auch bei den Fleischfressern ist der Vorgang zunächst der gleiche wie bei der Blutentnahme und der richtige Sitz ist, wie oben geschildert, zu kontrollieren. Bei Hunden und Katzen wird die Dauertropfinfusion, ähnlich wie beim Großtier, auch an der V. jugularis durchgeführt bzw. mit einem zentralen Venenkatheter vorgenommen.

4.6 Heimtiere

Diese Art der Medikamentenapplikation wird bei sehr kleinen Nagetieren infolge des geringen Gefäßdurchmessers kaum angewendet. Unter Umständen kann die Vena saphena an der kaudolateralen Seite der Hinterextremität versucht werden. Doch die kleinen Gefäße kollabieren sehr leicht, die Gefahr einer paravenösen Injektion ist groß.

Bei Kaninchen kann die intravenöse Verabreichung von Medikamenten an den gleichen Stellen wie bei der Katze durchgeführt werden. Auch die Ohrrandvene kann zur Injektion gewählt werden, wobei es bei paravenöser Injektion mit irritierenden Substanzen leicht zu Ohrmuschelnekrosen kommt.

4.7 Vögel

  • Vena jugularis

Die rechte Vena jugularis ist bei den meisten Vogelarten stärker ausgeprägt und außer bei Tauben gut zur Blutentnahme geeignet. Allerdings ist eine sichere und geübte Fixierung des Vogels lebenswichtig. Bei Abwehrbewegungen kann es schnell zur Perforation des Gefäßes kommen, was zu starken bis lebensbedrohlichen Blutungen führen kann.

Bei beiden Punktionsstellen besteht durch die Beweglichkeit des Flügels eine erhöhte Gefahr von Nachblutungen und Hämatomen.

Auch hier kommt es oft zu Nachblutungen, aber weniger häufig zu Hämatomen.

4.8 Exoten

  • Schildkröten: Vena jugularis, dorsale Schwanzvene, Supravertebralvene
  • Echsen und Schlangen: ventrale Schwanzvene
  • Bei Amphibien sind intravenöse Injektionen nicht üblich.

5 Vorteile

Die Injektionstherapie hat den Vorteil, dass das Arzneimittel in Magen-Darm-Trakt und Leber nicht verändert und somit nicht in seiner Wirkung beeinträchtigt wird.

6 Nachteile

Der Wirkstoff muss in steriler und körperwarmer Form vorliegen. Als Individualtherapie muss auch in der Intensivtierhaltung jedes einzelne Tier manipuliert werden, was hohe Kosten (Tierarzt, Hilfspersonal) verursacht und zur Beunruhigung der Tiere (Stressor) führt.

7 Risiken

Die intravenöse Applikation ist gefährlicher als andere Medikamentenverabreichungsarten und muss deshalb unter höchster tierärztlicher Sorgfalt erfolgen!

Zur Vermeidung einer iatrogenen Übertragung von Krankheitserregern sind für jeden Patienten neu sterilisierte Nadeln und Spritzen zu verwenden. Auch in der Intensivtierhaltung sollte dies zumindest in jedem Stallabteil bzw. bei jeder neuen Gruppe erfolgen.

8 Quellen

  • Walter Baumgartner: Klinische Propädeutik der Haus- und Heimtiere, 9. Auflage, Enke-Verlag

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