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Stimmlippenkarzinom

(Weitergeleitet von Glottiskarzinom)

Synonyme: Stimmbandkarzinom, Glottiskarzinom
Englisch: vocal cord carcinoma

1 Definition

Unter einem Stimmlippenkarzinom versteht man einen malignen Tumor im Bereich der Stimmlippe. Es handelt sich um eine Form des Larynxkarzinoms.

2 Histologie

In den meisten Fällen handelt es sich um exophytische, verhornende oder nicht-verhornende Plattenepithelkarzinome. Seltener werden Adenokarzinome, sowie gering oder undifferenzierte Karzinome beobachtet, Sarkome kommen nur äußerst selten vor. Eine Sonderform ist das verruköse Karzinom.

3 Epidemiologie

Von einem Stimmlippenkarzinom sind vor allem ältere Patienten betroffen. Die Inzidenz ist in den letzten Jahren angestiegen.

4 Ätiopathogenese

Ein bedeutsamer Risikofaktor für die Entstehung eines Stimmlippenkarzinoms ist der Nikotinabusus. Das Erkrankungsrisiko steigt bei 20 Zigaretten pro Tag um 6%. Aber auch Kanzerogene wie Benzol, Asbest oder aromatische Kohlenwasserstoffe können zur Entwicklung beitragen.

Weitere Risikofaktoren sind:

  • Berufliche Noxen, z.B. Schwefelsäuredampf, Zementstaub, Textilstaub, Ruß, Teer, Hitze, Nickel, Lederarbeiten oder Diesel- und Benzindämpfe. Bei Asbestbelastung ist das Larynxkarzinom als Berufskrankheit anerkannt.
  • Ionisierende Strahlung: Nach einer Latenzzeit von 15-20 Jahre ist ein radiogenes Karzinom möglich, es besteht ein erhöhtes Risiko im Uranbergbau. Auch nach Strahlentherapie eines Larynxkarzinoms ist eine Krebsinduktion in anderen Organabschnitten möglich, die nach einem Intervall von etwa 5 Jahren auftreten kann.
  • gastroösophagealer Reflux (GERD)

Zu den Vorstufen des Karzinoms gehören Pachydermien, Leukoplakien, die chronisch-hyperplastische Laryngitis, sowie Larynxpapillome des Erwachsenen.

5 Klinik

Das Stimmlippenkarzinom führt frühzeitig zu Heiserkeit. Im Laufe der Zeit kann sich auch eine Dyspnoe entwickeln. Metastasen werden selten und spät beobachtet, da die Stimmlippen nur von wenigen Lymphgefäßen durchzogen werden. Weiterhin ist Reizhusten möglich.

6 Diagnostik

Bei der indirekten und der direkten Laryngoskopie zeigen sich eine einseitige Rötung und Verdickung der betroffenen Stimmlippe. Die Stimmlippe kann ulzeriert und mit Fibrin bedeckt sein.

In einem frühen Krankheitsstadium ist die Beweglichkeit der Stimmlippen noch nicht eingeschränkt. Eine Beweglichkeitseinschränkung wird erst beim Einwachsen des Karzinoms in den Aryknorpel beobachtet. Bei Aufhebung der typischen Stimmlippenkonfiguration, dem Verschmelzen mit umgebenden Strukturen, sowie dem Überschreiten der vorderen Kommissur mit Befall der anderen Stimmlippe muss immer an ein Larynxkarzinom gedacht werden.

Im Rahmen der Laryngoskopie sollte eine Probeexzision durchgeführt werden. Mit der Stroboskopie kann eine eingeschränkte Schwingungsfähigkeit der Stimmlippe festgestellt werden.

Anhand eines Computertomogramms und eines Kernspintomogramms lässt sich das Ausmaß der Tumorinfiltration beurteilen.

Die Sonographie wird zur Suche nach Metastasen und zur Verlaufsbeobachtung genutzt. Gegebenfalls kann eine Szintigraphie oder eine Positronenemissionstomografie (PET) bei unbekanntem Tumor (CUP) erfolgen.

6.1 UICC-Klassifikation

Grad Tumorausbreitung
Tis Carcinoma in situ
T1 Tumor auf Stimmlippe begrenzt, ggf. mit Befall der vorderen und hinteren Kommissur, Beweglichkeit ist erhalten.
T1a Nur eine Stimmlippe befallen
T1b Beide Stimmlippen befallen
T2 Tumor breitet sich auf Supraglottis und/oder Subglottis aus.
Tumor führt zu eingeschränkter Stimmlippenbeweglichkeit
T3 Tumor auf Larynx begrenzt. Stimmlippen sind durch Tumor fixiert.
T4 Infiltration des Schildknorpels. Extralaryngeale Ausbreitung

7 Zweitkarzinome

Zweitkarzinome können synchron oder metachron, insbesondere in der Lunge und im oberen Respirationstrakt, in 20-30 % der Fälle auftreten.

8 Metastasierung

Regional metastasiert das Stimmlippenkarzinom häufig in die Stimmlippenregion und die Supraglottis, auch bilateral. Fernmetastasen sind eher selten, da das frühe Auftreten der Erst-Symptomatik den Tumor meist rechtzeitig aufdeckt. Im weiteren Verlauf v.a. Lunge oder Leber.

9 Therapie

In frühen Tumorstadien (T1-Stadium) - auch mit Befall der vorderen Kommissur - wird heute in der Regel eine endolaryngeale Laserresektion (Laserchordektomie) durchgeführt. Ein älteres Therapieverfahren für das T1-Stadium, das heute seltener eingesetzt wird, ist die von außen durchgeführte konventionelle Chordektomie (Exzision der Stimmlippe mit Musculus vocalis) nach Thyreotomie (Spaltung des Schildknorpels in der Mittellinie).

Die Laryngektomie (vollständige Entfernung des Kehlkopfes) wird vor allem bei fortgeschritteneren Tumorstadien mit Einschränkung der Beweglichkeit und Fixation der Stimmlippe angewendet. Dabei entsteht ein permanentes Tracheostoma. Die Schleimhaut der Hypopharynx wird zu einem kontinuierlichen Schlauch in den Ösophagus vernäht. Atem- und Speiseweg sind dann vollständig voneinander getrennt. Alternativ kann bei Tumoren bis zum Stadium T2, in manchen Fällen auch noch T3, eine organerhaltende Teilresektion des Tumors durchgeführt werden. Hierbei wird bis zu 3/4 des Tumors reseziert. Man unterscheidet die frontolaterale, vertikale und horizontale Teilresektion.

Bei Tis und T1 ist eine perkutane Radiatio mit einer Dosis von 60 Gy möglich, die zu einer guten Stimmqualität führt. Der Nachteil der Bestrahlung liegt darin, dass keine histologische Aufarbeitung möglich ist. Nach einer Bestrahlung kann bei einem Rezidiv meist nur die Laryngektomie helfen.

Bei einer Streuung des Tumors in die regionalen Lymphknoten muss eine Neck-Dissection durchgeführt werden.

10 Prognose

Die 5-Jahres-Überlebensrate liegt bei etwa 90%, wenn die Stimmlippe zum Zeitpunkt der Operation bzw. zum Zeitpunkt der Radiatio noch beweglich war. Die relativ günstige Prognose liegt an der meist rechtzeitigen Entdeckung der Krankheit durch das Frühsymptom (Heiserkeit).

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