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Gliom

Englisch: glioma

1 Definition

Gliome sind von Zellen des Gliagewebes abstammende Hirntumore.

2 Epidemiologie

Gliome machen ca. 30-50 % aller Gehirntumoren aus. Darunter sind:

nach Russel et Rubinstein 1989, Zülch 1986

Die Inzidenz der Gliome ist in den USA und Europa mit 7-11/100.000 Einwohner höher als in Asien mit 2-4/100.000 Einwohner. Männer erkranken häufiger als Frauen (m/w: 1,2–1,9 : 1)

3 Einteilung

3.1 Nach zytogenetischem Ursprung

Gliome sind Gehirntumoren neuroepithelialer Herkunft und werden je nach zytogenetischem Ursprung eingeteilt in:

3.2 Nach Malignitätsgrad

Eine weitere Subklassifizierung erfolgt anhand der Malignitätsgrade in:

  • Grad I: Benigne Gliome: Es sind keine Malignitätszeichen nachweisbar. Nach vollständiger operativer Entfernung ist kein Rezidiv zu erwarten.
  • Grad II: Niedrigmaligne Gliome: Kernpolymorphismen sind nachweisbar, Tumorprogression und ein Rezidiv möglich.
  • Grad III: Anaplastische Gliome: Sie weisen polymorphe Kerne und eine erhöhte Mitoserate auf, und haben eine höhere Zelldichte als Grad II. Die Raumforderung ist schnellwachsend, neigt zum Rezidivieren und kann in ein Glioblastom übergehen.
  • Grad IV: Hochmaligne Gliome: Es sind alle Malignitätszeichen nachweisbar: Kernpolymorphie, hohe Mitoserate, streifenförmige Nekrosen, die dicht von Tumorzellen umgeben sind ("Pseudopalisaden"), sowie pathologische Blutgefäße im Tumor, die vor allem nekrosenassoziiert auftreten und für Tumorblutungen und pathologische Kontrastmittelaufnahme verantwortlich sind.

4 Diagnostik

Die Erstdiagnostik entspricht der aller Hirntumoren und dient der Feststellung der Lage, Ausdehnung (incl. perifokalem Ödem) und Histologie der Raumforderung. Lage und Ausdehnung sind vor allem wichtig für die neurochirurgische Eingriffsplanung. Die größte Bedeutung für die Prognose haben jedoch die Histologie und zunehmend auch die molekulargenetischen Eigenschaften des Tumors.

4.1 Diagnostische Schwierigkeiten

Maligne Gliome weisen häufig (in ca. 80 % der Fälle) eine ausgeprägte intratumorale Inhomogenität auf, z.B. bei Grad IV im Tumorzentrum, bei Grad II in der perifokalen Infiltrationszone, so dass die Schnellschnitt- oder Biopsie-Graduierung als ein Mindestgrad angesehen und diese Überlegung bei der Therapieplanung mitberücksichtigt werden muss.

5 Therapie

Nach Möglichkeit sollte eine komplette Resektion des Glioms angestrebt werden. Dies ist zugleich eine ausreichende Therapie für Tumoren des Grades I. Bei höhergradigeren Gliomen folgt anschließend eine Radiatio des Tumorbettes, eine Ganzhirnbestrahlung wird zur Zeit (2005) evaluiert. Bei Glioblastomen (Grad IV) kann eine Chemotherapie (z.B. mit Temozolomid) erfolgen.

5.1 Therapeutische Schwierigkeiten

Astrozytome der Grade II bis IV sind durch eine inhärente Tumorprogression einerseits und durch eine diffuse Infiltration einzelner Tumorzellen in das umgebende gesunde Hirnparenchym andererseits charakterisiert. Karzinommetastasen zeichnen sich hingegen dadurch aus, dass sie zusammenhängende Zellverbände bilden, die durch eine bindegewebige Pseudomembran von dem reaktiv veränderten Hirngewebe abgegrenzt sind.

Somit ist bei malignen Gliomen eine vollständige Tumorresektion praktisch nicht möglich. Eine Folgebehandlung sollte daher zur Verhütung eines Rezidivs stets angeschlossen werden.

Fachgebiete: Neurochirurgie, Neurologie

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