Gaming Disorder
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Synonyme: Störung durch Computerspielen, Computerspielsucht, Computerspielabhängigkeit, Videospielabhängigkeit, Internet Gaming Disorder
Definition
Gaming Disorder ist eine Erkrankung aus der Gruppe der Verhaltensstörungen, die durch ein unkontrolliertes und übermäßiges Computerspielen gekennzeichnet ist. Sie weist ähnliche Symptome wie eine substanzgebundene Abhängigkeit auf.
- ICD-11-Code: 6C51
Nomenklatur
Internet Gaming Disorder wurde 2013 im DSM-5 als Forschungsdiagnose aufgenommen, für deren Anerkennung als reguläre Diagnose weitere Forschung erforderlich war.[1] In der ICD-11 wurde die Gaming Disorder von der WHO als eigenständige Diagnose aufgenommen; sie umfasst sowohl Online- als auch Offline-Spiele.
Prävalenz
Die Prävalenz von Gaming Disorder variiert je nach Studie und Population. Die derzeit (2026) gültige S1-Leitlinie nennt für Stichproben der Allgemeinbevölkerung statistisch adjustierte Prävalenzschätzungen aus zwei Metaanalysen von 1,96 % bzw. 1,40 %.[2] Bei Jugendlichen ist die Prävalenz höher. Zudem sind mehr Männer von der Gaming Disorder betroffen.
Ätiologie
Die genauen Ursachen der Gaming Disorder sind bisher (2026) unbekannt. Vermutlich spielen neurologische, psychologische und soziale Faktoren eine besondere Rolle. Zu den untersuchten Faktoren gehören das dopaminerge Belohnungssystem des Gehirns, Angstzustände und Stress. Zudem sind bestimmte Persönlichkeitsmerkmale wie niedrige Gewissenhaftigkeit und hoher Neurotizismus Teil wissenschaftlicher Studien.
Kriterien
Nach ICD-11 umfasst Gaming Disorder folgende Kernmerkmale:
- eingeschränkte Kontrolle über das Spielen
- zunehmende Priorisierung des Spielens gegenüber anderen Interessen und Alltagsaktivitäten
- Fortsetzung oder Steigerung des Spielens trotz negativer Konsequenzen
Das Verhaltensmuster muss zu erheblichen Beeinträchtigungen in persönlichen, familiären, sozialen, schulischen, beruflichen oder anderen wichtigen Lebensbereichen führen und besteht normalerweise seit mindestens 12 Monaten. Bei besonders ausgeprägter Symptomatik kann ein kürzerer Zeitraum ausreichen.[3]
Klinik
Gaming Disorder kann zu psychischen und physischen Problemen führen, wie z.B.:
- soziale Isolation
- Schlafstörungen
- reduzierte körperliche Aktivität
- Stimmungsschwankungen
- Konzentrationsprobleme
- Depression
- Angststörung
Bei den Betroffenen wurden zudem neurologische Veränderungen in Gehirnarealen wie dem präfrontalen Kortex und dem Striatum festgestellt.
Therapie
Die Behandlung einer Gaming Disorder erfolgt primär durch eine störungsspezifische kognitive Verhaltenstherapie. Bei Kindern und Jugendlichen sollen Eltern bzw. Angehörige in die Behandlung einbezogen werden.[4]
Häufig wird eine Behandlung des Abusus angewandt. Sie umfasst die Stimuluskontrolle, das Erlernen angemessener Anpassungsreaktionen, Selbstüberwachungsstrategien, den kognitiven Wiederaufbau, suchtbezogenes kritisches Denken sowie Methoden zur Entzugsregulierung mit Exposition.
Eine medikamentöse Therapie orientiert sich derzeit (2026) primär am individuellen Komorbiditätsprofil und den entsprechenden Leitlinien. Bei ausgeprägten Entzugssymptomen oder drohender psychischer Dekompensation können im Einzelfall akut stabilisierende Maßnahmen einschließlich einer medikamentösen Behandlung erwogen werden; eine spezifische Wirksamkeitsevidenz für die medikamentöse Entzugsbehandlung bei Gaming Disorder fehlt jedoch.[4][5]
Prognose
Der Verlauf ist nicht einheitlich chronisch. Ein Teil der Betroffenen zeigt unter Behandlung oder auch spontan eine deutliche Besserung, bei anderen bestehen wiederholte Episoden mit Remission und Rückfall. Länger anhaltende Verläufe sind vor allem bei ausgeprägter Symptomatik und relevanter psychosozialer Beeinträchtigung zu erwarten.[6]
Prognostisch ungünstig sind ein früher Erkrankungsbeginn, hohe Komorbidität, psychosoziale Belastungen und eine ausgeprägte Funktionsbeeinträchtigung. Günstig wirken eine frühe Diagnose, Behandlungsmotivation, stabile soziale Unterstützung und die konsequente Teilnahme an psychotherapeutischen Maßnahmen.[6]
Rückfälle sind möglich, insbesondere bei erneuter Belastung, fehlender Nachsorge oder unzureichender Bewältigung von Auslösern. Deshalb wird nach Remission eine regelmäßige Verlaufskontrolle empfohlen.[6]
Literatur
- Wölfling. Weltweite Häufigkeit der Gaming Disorder. InFo Neurologie 23, 23. 2021
- Mohammad et al., Symptoms, Mechanisms, and Treatments of Video Game Addiction. Cureus Mar; 15(3). 2023
- Young. Understanding Online Gaming Addiction and Treatment Issues for Adolescents. The American Journal of Family Therapy, 37:5, 355-372. 2009
Quellen
- ↑ American Psychiatric Association: Internet Gaming Disorder, 2013, abgerufen am 28.10.2026
- ↑ Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie: S1-Leitlinie Diagnostik und Therapie von Internetnutzungsstörungen, AWMF-Registernummer 076-011, Stand 20.11.2024, abgerufen am 28.10.2026
- ↑ Pan American Health Organization/WHO: Gambling and gaming disorder, abgerufen am 28.10.2026
- ↑ 4,0 4,1 Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie: S1-Leitlinie Diagnostik und Therapie von Internetnutzungsstörungen, AWMF-Registernummer 076-011, Version 1.1, Stand 20.11.2024, abgerufen am 28.10.2026
- ↑ S1-Leitlinie – Diagnostik und Therapie von Internetnutzungsstörungen. AWMF-Register Nr. 076-011. 2025
- ↑ 6,0 6,1 6,2 Ragimoff, GAMING DISORDER, Clinical Psychiatry, 2026, abgerufen am 28.10.2026