Persönlichkeitsmerkmal
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LoslegenSynonyme: Persönlichkeitseigenschaft, Persönlichkeitszug, Trait
Englisch: personality trait
Definition
Persönlichkeitsmerkmale sind biografisch relativ stabile Denk-, Fühl- und Handlungsmuster eines Menschen. Sie unterscheiden Individuen voneinander und bilden die Grundlage gängiger persönlichkeitspsychologischer Modelle wie des Fünf-Faktoren-Modells.
Hintergrund
Persönlichkeitsmerkmale gelten traditionell als überdauernd, zeigen jedoch über die Lebensspanne sowohl Stabilität als auch Veränderung. Eine Metaanalyse zeigte, dass die Rangordnungsstabilität von Persönlichkeitsmerkmalen im frühen Lebensverlauf deutlich zunimmt und im jungen Erwachsenenalter ein Plateau erreicht. Entgegen früherer Annahmen findet sich nach dem 25. Lebensjahr fast keine weitere Zunahme der Stabilität. Lediglich die emotionale Stabilität nahm über die Lebensspanne kontinuierlich zu.[1]
Persönlichkeitsmerkmale können durch Interventionen verändert werden: Eine systematische Übersichtsarbeit, die 207 Studien einschloss, zeigte über einen durchschnittlichen Zeitraum von 24 Wochen deutliche Veränderungen von Persönlichkeitsmerkmalen im Rahmen therapeutischer Interventionen, insbesondere im Bereich der emotionalen Stabilität, gefolgt von Extraversion.[2]
Abgrenzung
Persönlichkeitsmerkmale ("traits") unterscheiden sich von psychischen Zuständen ("states"), die situationsabhängig auftreten und nur vorübergehend bestehen, beispielsweise Angst vor einer Prüfung oder eine kurzfristig gedrückte Stimmung.
Klinik
In der psychiatrischen Diagnostik dienen dimensionale Persönlichkeitsmodelle als Grundlage für die Klassifikation von Persönlichkeitsstörungen.
Bestimmte Persönlichkeitsmerkmale korrelieren robust mit psychischen Erkrankungen. Eine große Metaanalyse zeigte, dass Angststörungen, depressive Störungen und Substanzgebrauchsstörungen durchweg mit hohem Neurotizismus und niedriger Gewissenhaftigkeit assoziiert sind. Niedrige Extraversion fand sich besonders bei dysthymen Störungen und sozialer Phobie, während Substanzgebrauchsstörungen eher mit erhöhter Enthemmung einhergingen.[3]
Persönlichkeitsmerkmale spielen auch bei ärztlichen Entscheidungsprozessen eine Rolle: Eine systematische Übersichtsarbeit identifizierte kognitive Verzerrungen und Persönlichkeitsmerkmale wie Selbstüberschätzung, geringe Risikotoleranz und den Ankereffekt als relevante Einflussfaktoren auf diagnostische Ungenauigkeiten und Behandlungsfehler.[4]
Diagnostik
Die Erfassung von Persönlichkeitsmerkmalen erfolgt überwiegend mithilfe standardisierter psychometrischer Fragebögen, z.B.:
Quellen
- ↑ Bleidorn W, Schwaba T, Zheng A, Hopwood CJ, Sosa SS, Roberts BW, Briley DA. Personality stability and change: A meta-analysis of longitudinal studies. Psychol Bull. 2022;148(7-8):588-619.
- ↑ Roberts BW, Luo J, Briley DA, Chow PI, Su R, Hill PL. A systematic review of personality trait change through intervention. Psychol Bull. 2017;143(2):117-141.
- ↑ Kotov R, Gamez W, Schmidt F, Watson D. Linking "big" personality traits to anxiety, depressive, and substance use disorders: a meta-analysis. Psychol Bull. 2010;136(5):768-821.
- ↑ Saposnik G, Redelmeier D, Ruff CC, Tobler PN. Cognitive biases associated with medical decisions: a systematic review. BMC Med Inform Decis Mak. 2016;16(1):138.