Calcipotriol
Trainier deine Lernmuskeln!
Mit Flash Cards, Quiz und mehr
LoslegenHandelsnamen: Daivobet®, Enstilar®, Wynzora®, Dovonex®
Synonyme: Calcipotriolum, Calcipotrien
Englisch: calcipotriol, calcipotriene
Definition
Calcipotriol ist ein synthetisches Vitamin-D3-Analogon aus der Gruppe der Antipsoriatika. Der Arzneistoff wird topisch zur Behandlung der Psoriasis vulgaris eingesetzt. Er hemmt die gesteigerte Proliferation der Keratinozyten, fördert deren Differenzierung und wirkt immunmodulierend. Calcipotriol wird als Monopräparat und in Fixkombination mit dem Glukokortikoid Betamethasondipropionat angewendet.
Chemie
Calcipotriol ist ein synthetisches Derivat des Calcitriols und gehört chemisch zu den Secosteroiden. Im Vergleich zu Calcitriol besitzt es eine modifizierte Seitenkette mit einer Doppelbindung zwischen C-22 und C-23 und einem endständigen Cyclopropylring. Seine Wirkung auf den Calciumstoffwechsel ist etwa 100-mal schwächer als die des aktiven Vitamin-D3-Hormons. In den Fixkombinationen liegt Calcipotriol als Monohydrat vor. Die Summenformel lautet C27H40O3, die molare Masse beträgt 412,6 g/mol.
Wirkmechanismus
Calcipotriol bindet an den nukleären Vitamin-D-Rezeptor (VDR) der Keratinozyten. Der Rezeptor bildet mit dem Retinoid-X-Rezeptor ein Heterodimer, das an Vitamin-D-responsive Elemente der DNA bindet und die Transkription zielgerichteter Gene moduliert. Dadurch wird die Proliferation der Keratinozyten gehemmt und ihre terminale Differenzierung gefördert. Diesen Eigenschaften wird die antipsoriatische Wirkung hauptsächlich zugeschrieben.
Zusätzlich beeinflusst Calcipotriol die Funktion von T-Lymphozyten und unterdrückt die Bildung proinflammatorischer Zytokine, die den psoriatischen Entzündungsprozess unterhalten. In der Fixkombination ergänzt Betamethasondipropionat die Wirkung durch einen ausgeprägten antiphlogistischen Effekt.
Ein klinischer Effekt zeigt sich nach 2–4 Wochen Behandlung. Zuerst geht die Schuppung zurück, dann die Infiltration und zuletzt das Erythem. Die maximale Wirkung wird in der Regel nach etwa 6 Wochen erreicht.
Pharmakokinetik
Nach topischer Applikation wird Calcipotriol nur in geringem Ausmaß resorbiert. In Studien mit radioaktiv markierter Salbe lag die resorbierte Menge unter 1 % der applizierten Dosis. Resorbiertes Calcipotriol wird rasch, überwiegend hepatisch, zu weitgehend inaktiven Metaboliten abgebaut.
Okklusion, Anwendung in intertriginösen Arealen und penetrationsfördernde Zusätze erhöhen die Resorption und damit das Risiko einer Hyperkalzämie.
Indikationen
Calcipotriol ist zur topischen Behandlung der leichten bis mittelschweren Psoriasis vulgaris (Plaque-Psoriasis) zugelassen. Die Fixkombination mit Betamethasondipropionat ist in Form des Gels zusätzlich zur Behandlung der Psoriasis der Kopfhaut zugelassen. In der deutschen S3-Leitlinie ist Calcipotriol, insbesondere in Fixkombination mit Betamethasondipropionat, ein zentraler Bestandteil der topischen Therapie.[1]
Darreichungsformen
Dosierung
Die Dosierung richtet sich nach der Zubereitung. Calcipotriol wird dünn auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen und leicht eingerieben.
| Zubereitung | Häufigkeit | Anwendungsdauer / Höchstmenge |
|---|---|---|
| Salbe (Monopräparat) | zu Beginn 2-mal täglich, zur Erhaltung 1-mal täglich | max. 100 g Salbe pro Woche; deutliche Wirkung meist nach 4–8 Wochen, Therapie wiederholbar |
| Salbe, Creme (Fixkombination) | 1-mal täglich | Salbe: empfohlene Behandlungsdauer 4 Wochen |
| Gel (Fixkombination) | 1-mal täglich | Körper bis 8 Wochen, Kopfhaut 4 Wochen; auf der Kopfhaut meist 1–4 g täglich |
| Schaum (Fixkombination) | 1-mal täglich, Erhaltung 2-mal wöchentlich | 4 Wochen; danach proaktive Erhaltungstherapie an 2 nicht aufeinanderfolgenden Tagen pro Woche auf zuvor befallenen Arealen |
Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.
Bei kombinierter Anwendung mehrerer calcipotriolhaltiger Zubereitungen soll die Gesamtdosis 5 mg Calcipotriol pro Woche nicht überschreiten. Bei den Fixkombinationen gilt eine Tageshöchstmenge von 15 g. Die behandelte Fläche soll 30 % der Körperoberfläche nicht überschreiten. Calcipotriol soll nicht im Gesicht angewendet werden. Nach jeder Anwendung sind die Hände zu waschen, um eine Verschleppung auf Gesicht und Augen zu vermeiden.
Cave: Bei Überschreiten der Höchstdosis kann eine Hyperkalzämie auftreten. Typische Symptome sind Polyurie, Obstipation, Muskelschwäche, Verwirrtheit und im Extremfall Koma. Nach Absetzen normalisiert sich der Serumcalciumspiegel rasch.
Nebenwirkungen
Die häufigsten Nebenwirkungen sind lokale, überwiegend irritative Hautreaktionen. Systemische Effekte wie Hyperkalzämie und Hyperkalziurie treten selten auf. Ihr Risiko steigt bei Überschreiten der empfohlenen Gesamtdosis. Für das Monopräparat gibt die Fachinformation folgende Häufigkeiten an:
| Häufigkeit | Nebenwirkungen |
|---|---|
| sehr häufig (≥ 1/10) | Hautreizung |
| häufig (≥ 1/100) | Pruritus, Brennen, Erythem, bullöse Reaktionen, Verschlechterung der Psoriasis, (Kontakt-)Dermatitis, Abschälen der Haut, Exantheme unterschiedlicher Morphologie, Schmerzen am Applikationsort |
| gelegentlich (≥ 1/1.000) | Follikulitis, Überempfindlichkeitsreaktionen, Hyperkalzämie, Hyperkalziurie, Ekzem, trockene Haut, Hautödem, seborrhoische Dermatitis, Photosensibilität, Hyper- und Depigmentierung |
| selten (≥ 1/10.000) | Urtikaria |
Unter den Fixkombinationen können zusätzlich glukokortikoidtypische Nebenwirkungen auftreten. Dazu gehören Hautatrophie, Teleangiektasien, Striae distensae, periorale Dermatitis, Follikulitis und Depigmentierung.
Wechselwirkungen
Die gleichzeitige Anwendung von systemischen Vitamin-D-Präparaten, Calciumsupplementen oder anderen Substanzen, die den Serumcalciumspiegel erhöhen, kann das Risiko einer klinisch relevanten Hyperkalzämie steigern. Dazu zählen beispielsweise Thiaziddiuretika, Östrogene, anabole Steroide sowie Parathormon und seine Analoga.
Penetrationsfördernde Substanzen wie Salicylsäure dürfen der Salbe nicht beigemischt werden. Während der Behandlung soll eine übermäßige natürliche oder künstliche UV-Exposition vermieden werden. Im Tierversuch verkürzte Calcipotriol die Latenz bis zum Auftreten UV-induzierter Hauttumoren. Die klinische Relevanz ist unklar. Eine Kombination mit Phototherapie erfolgt nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung.
Kontraindikationen
Für alle calcipotriolhaltigen Präparate gelten folgende Kontraindikationen:
- Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile
- schwere Nieren- oder Leberfunktionsstörungen
- bekannte Störungen des Calciumstoffwechsels oder Behandlung mit anderen calciumspiegelerhöhenden Arzneimitteln
- Hyperkalzämie
Für die Fixkombinationen mit Betamethasondipropionat gelten zusätzlich:
- erythrodermische, exfoliative und pustulöse Psoriasis
- virale Hautinfektionen (z.B. Herpes simplex, Varizellen) und Pilzinfektionen der Haut
- Akne, Rosazea
- Ulzera und Wunden
Beim Monopräparat soll die Anwendung bei Psoriasis guttata sowie bei erythrodermischer und pustulöser Psoriasis mangels Daten vermieden werden. Bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren sind Wirksamkeit und Sicherheit der Langzeitanwendung nicht belegt, weshalb die Anwendung nicht empfohlen wird.
Schwangerschaft und Stillzeit
Die Sicherheit in der Schwangerschaft ist bisher (2026) nicht belegt. Nach oraler Gabe zeigte Calcipotriol im Tierversuch Reproduktionstoxizität. Als Vorsichtsmaßnahme soll das Monopräparat in der Schwangerschaft nicht angewendet werden.
Ob Calcipotriol in die Muttermilch übergeht, ist nicht bekannt. Eine kurzfristige Anwendung auf kleinen Hautflächen ist in der Stillzeit möglich. Calcipotriol soll dabei nicht auf die Brust aufgetragen werden. Bei Langzeitanwendung oder großflächiger Anwendung wird das Stillen nicht empfohlen.
Zulassung
Calcipotriol ist in Deutschland als Monopräparat und in Fixkombination mit Betamethasondipropionat zugelassen und verschreibungspflichtig. Seit 2021 sind Generika der Salbenkombination sowie eine Cremeformulierung der Fixkombination im Handel.
Quelle
- ↑ Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG). S3-Leitlinie Therapie der Psoriasis vulgaris. AWMF-Registernummer 013-001. Version 8.0. 2025. Verfügbar unter: S3-Leitlinie Therapie der Psoriasis vulgaris.