Bitte logge Dich ein, um diesen Artikel zu bearbeiten.
Bearbeiten

Blutlymphknoten (Veterinärmedizin)

Synonyme: Lymphonodi haemales, Nodi haemolymphatici, lymphoide Hämalknoten, splenoide Hämalknoten

1 Definition

Als Blutlymphknoten bezeichnet man eine Sonderform von Lymphknoten, die v.a. bei Wiederkäuern und Nagern ausgebildet sind.

2 Anatomie

Blutlymphknoten sind als rötliche Lymphknoten in das Gefäßsystem zwischen Arteriolen und Venolen eingeschaltet und besitzen somit keine Lymphgefäße. Über ihre Entstehung sowie Funktion ist derzeit (2018) noch wenig bekannt, jedoch spricht man ihnen eine ähnliche Funktion wie die der Milz und des Knochenmarks zu.

2.1 Morphologie

Die äußere Gestalt der Blutlymphknoten ähnelt einem herkömmlichen Lymphknoten, es gibt jedoch weder zu- noch abführende Lymphgefäße (Vasa afferentia bzw. efferentia). Die Sinus der Blutlymphknoten sind mit Blut gefüllt.

Da ihr Bau eine Zwischenstellung zwischen Lymphknoten und Milz einnimmt, werden sie auch als lymphoide oder splenoide Hämalknoten bezeichnet.

2.2 Topographie

Blutlymphknoten sind hauptsächlich am Kopf, Hals, Nacken und an der Schulter sowie entlang der großen Blutgefäße der Brust-, Bauch- und Beckenhöhle ausgebildet. Sie können auch in unmittelbarer Nachbarschaft herkömmlicher Lymphknoten ausgebildet sein. So findet man sie vorzugsweise in Nähe folgender Lymphknoten:

Region: Lymphknoten:
Kopfbereich: Lymphonodus parotideus
Lymphonodus mandibularis
Lymphonodus retropharyngeus lateralis
Halsbereich: Lymphonodus cervicalis superficialis accessorius
Lymphonodi cervicales profundi craniales
medii und caudales
Schulter- und Achselbereich: Lymphonodus costocervicalis
Lymphonodus infraspinatus
Lymphonodus axillaris primae costae
Brustbereich: Lymphonodi thoracici aortici
Lymphonodi intercostales
Lymphonodi mediastinales craniales
Lymphonodus phrenicus
Lymphonodi sternales caudales
Lymphonodi bifurcationis
Lymphonodi pulmonales
Lendenbereich: Lymphonodus renalis
Lymphonodi lumbales aortici
Lymphonodus iliacus medialis
Beckenbereich: Lymphonodi sacrales
Lymphonodi anorectales
Beckengliedmaße: Lymphonodi poplitei

2.3 Funktion

Die Blutlymphknoten stehen funktionell betrachtet der Milz (aufgrund der Blutfiltration) sowie dem Knochenmark (Erythro- und Myelopoese) nahe. Außerdem sollen nach derzeitigem Wissensstand auch Antikörper in ihnen gebildet werden, weshalb sie auch dem lymphatischen System zugerechnet werden.

3 Histologie

Die Blutlymphknoten sind außen von einer Kapsel überzogen, die Trabekel ins Organinnere entsenden. Diese enthalten neben kollagenen Fasern auch reichlich elastische Fasern sowie - insbesondere beim Schaf - glatte Muskelzellenn. Beim Rind ist die Kapsel dünn ausgebildet, beim kleinen Wiederkäuer hingegen dick und zweischichtig gegliedert. Die äußere Schicht ist faserreich, die innere durch ein dichtes Blutkapillarnetz gekennzeichnet.

Das Parenchym des Blutlymphknoten besteht aus einem dreidimensional angeordneten Retikulumnetz. Beim Schaf kann man eine deutliche Unterteilung in Rinde (Cortex) sowie Mark (Medulla) erkennen. Sekundärknötchen kann man beim Schaf nur in der Rinde antreffen, jedoch findet man im diffusen lymphoretikulären Gewebe der Marksubstanz zahlreich Erythrozyten, Erythroblasten und Riesenzellen. Bei der Ziege sind die Sekundärknötchen im Parenchym des Blutlymphknoten gleichmäßig verteilt. Der Aufbau ähnelt hier noch mehr dem eines herkömmlichen Lymphknoten bzw. einer Milz.

Beim Schaf ist zwischen der Kapsel und der Rinde ein breiter, bei den übrigen Wiederkäuer ein enger, Marginalsinus ausgebildet. Von diesem ausgehend ziehen Intermediärsinus zentripetal bis in die Marksubstanz hinein. In Nähe des Hilus ist der Marksinus um eine zentral gelegene Sammelvenole ausgebildet, die wiederum die Knotenkapillaren sammelt. Die Sinus werden vollständig von Blut durchströmt. Gleichzeitig sind auch die Retikulummaschen der Marksubstanz von Erythrozyten und anderen Blutzellen durchzogen.

Die Retikulumzellen des Blutlymphknotens sind zur Phagozytose und Speicherung befähigt. Die anfallende Ablagerung des Pigments kann zu einer Braunfärbung des Organs führen.

4 Literatur

  • Schummer, August, Richard Nickel, Eugen Seiferle. Lehrbuch der Anatomie der Haustiere. Kreislaufsystem, Haut und Hautorgane. Parey, 2005.

Um diesen Artikel zu kommentieren, melde Dich bitte an.

Klicke hier, um einen neuen Artikel im DocCheck Flexikon anzulegen.

Artikel wurde erstellt von:

Letzte Autoren des Artikels:

1 Wertungen (4 ø)

132 Aufrufe

Du hast eine Frage zum Flexikon?
Copyright ©2019 DocCheck Medical Services GmbH | zur mobilen Ansicht wechseln
DocCheck folgen: