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Aspisviper

Zoologische Bezeichnung: Vipera aspis
Englisch: asp viper

1 Definition

Die Aspisviper ist eine in Deutschland und weiten Teilen Süd- und Westeuropas heimische Giftschlange aus der Familie der Vipern (Viperidae). Bissunfälle treten nur gelegentlich auf, letale Verläufe sind äußerst selten.

2 Merkmale

Die Aspisviper erreicht eine Länge von 70 bis 80 cm. Ihr Körperbau wirkt in der Regel leicht gedrungen, der Kopf ist bei Aufsicht dreieckig und setzt sich deutlich vom Hals ab. Ein besonderes Merkmal ist die leicht aufgeworfene Schnauzenspitze. Es sind 9 bis 13 Oberlippenschilde, 9 bis 11 Unterlippenschilde, 134 bis 169 Bauchschilde, 20 bis 49 Unterschwanzschilde sowie ein ungeteiltes Analschild vorhanden. Die Körpermitte umgeben 21 bis 23 Reihen gekielter Körperschuppen. Die Körperfärbung ist variabel, entlang des Rückens verlaufen jedoch in der Regel dunkle, charakteristische Barrenflecken. Die Kopfoberseite ist ebenfalls dunkel. Die Pupille ist bei Lichteinfall senkrecht geschlitzt. Die Aspisviper pflanzt sich durch Ovoviviparie fort, es werden also lebende Junge geboren. Die Nahrung besteht aus Kleinsäugern, Vögeln und Eidechsen. Die Beute wird durch einen Giftbiss außer Gefecht gesetzt.

2.1 Giftapparat

Typisch für alle Vertreter der Viperidae ist der Giftapparat: Vipern haben von allen Giftschlangen den evolutionär am weitest entwickelten Giftapparat. Die Giftdrüsen, die sich seitlich des Schädels befinden und von umgebildeten Speicheldrüsen dargestellt werden, stehen in Verbindung mit den Gift- bzw. Fangzähnen. Diese befinden sich im vorderen Oberkiefer, sind bei geschlossenem Maul eingeklappt und werden beim Zubeißen aufgestellt. Die Giftzähne sind röhrenartig aufgebaut und ermöglichen eine Injektion des Giftsekretes wie durch die Kanüle einer Spritze.

3 Verbreitung

Die Aspisviper ist neben der Kreuzotter die zweite Giftschlange, die in Deutschland verbreitet ist. Hier beschränkt sich das Verbreitungsgebiet jedoch auf den südlichen Schwarzwald. Allgemein ist die Art neben Deutschland vor allem in Nordost-Spanien, Frankreich, Italien und der Schweiz verbreitet. Die Art ist in Hügelland und Hochgebirge bis in 2.600 Metern Höhe vorzufinden. Die besiedelten Biotope werden von Geröllhalden, alten Mauern und ähnlichen, trockenen Habitaten dargestellt.

4 Toxikologie

Das Toxingemisch enthält unter anderem hämorrhagisch wirksame Substanzen mit einem Einfluss auf die Koagulation, Hyaluronidasen und Phospholipasen. Eine neurotoxische Komponente ist ebenfalls vorhanden.

4.1 Symptome des Giftbisses

Zumeist geht die Intoxikation durch einen Biss der Aspisviper vor allem mit lokalen Symptomen einher. Es kommt zu sofort einsetzenden Schmerzen und einem rasch einsetzenden Ödem am gebissenen Gliedmaß mit bläulicher Verfärbung. Die Beschwerden klingen für gewöhnlich innerhalb von 8 bis 10 Tagen ab. Systemische Komplikationen können Schwindel, Emesis, Tachykardie und Hypotonie bis hin zum Kollaps sein. Weiterhin kann es selten zu Blutungen (z.B. der Mundschleimhaut) und Krämpfen kommen. Schwere neurotoxische Wirkungen sind nicht zu erwarten. Eine Schädigung des Herzmuskels und die Komplikation einer Schockniere sind möglich. Eine Nekrotisierung der Bissstelle tritt nur selten und zumeist nach Manipulation derselben auf. Die Gefahr einer allergischen Reaktion bis hin zur anaphylaktischen Reaktion ist gegeben. Todesfälle sind selten, gefährdet sind vor allem Kinder und ältere Menschen.

4.2 Therapie des Giftbisses

Nach erfolgtem Giftbiss sollte der Betroffene unbedingt Ruhe bewahren, die Bissstelle ist ruhigzustellen. Das Abbinden des gebissenen Gliedmaßes (Kompressionsverband) wird kontrovers diskutiert, eventuell werden dadurch lokal-toxische Wirkungen noch verstärkt. Es sollte unverzüglich ein Notarzt angefordert werden. Der Patient ist liegend zu transportieren. In der Regel reicht eine symptomatische Therapie aus. Eine Tetanusprophylaxe sollte durchgeführt werden. Ein ggf. auftretender Schock wird intensivmedizinisch behandelt - u.a. mit Glukokortikoiden, Antihistaminika und/oder Epinephrin.

Bei schweren Verläufen steht ein Antivenin (Schlangengift-Immunserum (Europa)) zur Verfügung. Dessen Applikation darf nur nach gründlicher Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen. Indiziert ist das Antivenin zum Beispiel bei therapieresistenter Hypotonie, stark und zügig anschwellendem Ödem, Azidose oder ZNS-Symptomen.

5 Literatur

  • Trutnau: Schlangen im Terrarium Bd. 2: Giftschlangen. Verlag Ulmer, Stuttgart 1998.

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