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Kreuzotter

Zoologische Bezeichnung: Vipera berus
Englisch: European adder, Crossed viper, Northern viper

1 Definition

Die Kreuzotter ist eine von zwei Giftschlangen, die unter anderem auch in Deutschland vorkommen. Sie zählt innerhalb der Familie der Vipern (Viperidae) und der Unterfamilie der Echten Vipern (Viperinae) zur Gattung Vipera.

2 Merkmale

Die Kreuzotter erreicht eine Länge von 65 bis 90 cm. Ihr Körperbau wirkt zumeist leicht gedrungen. Die Körperfärbung ist variabel, entlang des Rückens verläuft jedoch in der Regel ein charakteristisches Zickzackband. Die Kopfoberseite ist ebenfalls dunkel. Es existieren rein schwarze Exemplare. Die Pupille ist bei Lichteinfall senkrecht geschlitzt. Die Kreuzotter pflanzt sich durch Ovoviviparie fort, es werden also lebende Junge geboren. Die Nahrung besteht aus Kleinsäugern, Amphibien und Eidechsen. Die Beute wird durch einen Giftbiss außer Gefecht gesetzt.

2.1 Giftapparat

Typisch für alle Vertreter der Viperidae ist der Giftapparat: Vipern haben von allen Giftschlangen den evolutionär am weitest entwickelten Giftapparat. Die Giftdrüsen, die sich seitlich des Schädels befinden und von umgebildeten Speicheldrüsen dargestellt werden, stehen in Verbindung mit den Gift- bzw. Fangzähnen. Diese befinden sich im vorderen Oberkiefer, sind bei geschlossenem Maul eingeklappt und werden beim Zubeißen aufgestellt. Die Giftzähne sind röhrenartig aufgebaut und ermöglichen eine Injektion des Giftsekretes wie durch die Kanüle einer Spritze.

3 Verbreitung

Die Art ist in weiten Teilen Europas verbreitet und fehlt lediglich in Teilen des Mittelmeergebietes (besonders auf den meisten Mittelmeerinseln). Ostwärts ist die Spezies über Russland bis zur Insel Sachalin verbreitet. Innerhalb Deutschlands ist die Kreuzotter in weiten Teilen des Südens, Ostens und Nordens verbreitet; in Teilen West- und Südwest-Deutschlands fehlt sie jedoch. Der Lebensraum sind Feuchtgebiete, Heidelandschaften, Moorgebiete und im Süden das Bergland.

4 Toxikologie

Das Toxingemisch enthält unter anderem hämorrhagisch wirksame Substanzen, Hyaluronidasen, Phospholipasen und Substanzen mit einem Einfluss auf die Koagulation. Eine neurotoxische Komponente ist ebenfalls vorhanden. Die mittlere Letaldosis des Giftsekretes liegt bei 0,55 mg/kg Körpergewicht (intravenös) bzw. 6,45 mg/kg Körpergewicht (subkutan) bei der Maus. Für einen erwachsenen Menschen liegt die letale Dosis bei circa 75 mg Rohgift, die abgesonderte Giftmenge beträgt selten mehr als 10 mg.

4.1 Symptome des Giftbisses

Zumeist geht die Intoxikation durch einen Biss der Kreuzotter vor allem mit lokalen Symptomen einher. Es kommt zu sofortig einsetzenden Schmerzen und einer rasch einsetzenden Schwellung/ Ödem am gebissenen Gliedmaß mit bläulicher Verfärbung. Die Beschwerden klingen für gewöhnlich innerhalb von 8 bis 10 Tagen ab. Systemische Komplikationen können Schwindel, Emesis, Tachykardie und Hypotonie bis hin zum Kollaps sein. Weiterhin kann es zu Blutungen (z.B. Mundschleimhaut) und Krämpfen kommen. Schwere neurotoxische Wirkungen sind nicht zu erwarten. Die Gefahr einer allergischen Reaktion bis hin zur anaphylaktischen Reaktion ist gegeben. Todesfälle sind selten, gefährdet sind vor allem Kinder und ältere Menschen.

4.2 Therapie des Giftbisses

Nach erfolgtem Giftbiss sollte der Betroffene unbedingt Ruhe bewahren, die Bissstelle ist ruhigzustellen. Das Abbinden des gebissenen Gliedmaßes (Kompressionsverband) wird kontrovers diskutiert, eventuell werden dadurch lokal-toxische Wirkungen noch verstärkt. Es sollte unverzüglich ein Notarzt angefordert werden. Der Patient ist liegend zu transportieren. In der Regel reicht eine symptomatische Therapie aus. Eine Tetanusprophylaxe sollte durchgeführt werden. Ein ggf. auftretender Schock wird intensivmedizinisch behandelt - u.a. mit Glukokortikoiden, Antihistaminika und/oder Epinephrin.

Bei schweren Verläufen steht ein Antivenin (Schlangengift-Immunserum (Europa)) zur Verfügung. Dessen Applikation darf nur nach gründlicher Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen. Indiziert ist das Antivenin zum Beispiel bei therapieresistenter Hypotonie, stark und zügig anschwellendem Ödem, Azidose oder ZNS-Symptomen.

5 Literatur

  • Reichl: Taschenatlas der Toxikologie, Nikol Verlag, 2. Auflage.

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