Aficamten
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Englisch: aficamten
Definition
Aficamten ist ein allosterischer kardialer Myosininhibitor, der zur Behandlung der symptomatischen hypertrophen obstruktiven Kardiomyopathie (HOCM) bei Erwachsenen zugelassen ist.
Chemie
Aficamten ist ein niedermolekularer Wirkstoff, der als selektiver reversibler Inhibitor der kardialen Myosin-Motordomäne in die Klasse der kardialen Myosininhibitoren eingeordnet wird.
Die Summenformel lautet C18H19N5O2, die molare Masse beträgt 337,383 g/mol.
Wirkmechanismus
Aficamten bindet reversibel an die Motordomäne des kardialen Myosins und verhindert, dass das Myosinmolekül in den kraftproduzierenden Zustand eintritt (allosterische Hemmung). Dadurch sinkt die Anzahl aktiver Aktin-Myosin-Querbrücken pro Herzschlag, was die pathologische Hyperkontraktilität des Herzsarkomers verringert. Die Hyperkontraktilität gilt als zentrales Element in der Pathophysiologie der hypertrophen Kardiomyopathie (HCM).
Die Reduktion der kardialen Kontraktilität vermindert den Gradienten im linksventrikulären Ausflusstrakt (LVOT-G) und kann die linksventrikuläre Ejektionsfraktion (LVEF) dosisabhängig senken. In präklinischen Untersuchungen zeigte Aficamten eine ca. 5-fach höhere Hemmwirkung auf die kardiale Myosin-Isoform im Vergleich zur schnellen Skelettmuskel-Isoform.
Pharmakokinetik
Aficamten wird nach oraler Gabe rasch resorbiert. Die maximale Plasmakonzentration (Cmax) wird nach median 1,5 bis 2 Stunden erreicht. Es ist zu etwa 90 % an Plasmaproteine gebunden und weist mit einem scheinbaren Verteilungsvolumen von 309 l eine ausgeprägte Gewebeverteilung auf.
Aficamten wird hauptsächlich durch CYP2C9 (ca. 50 %) sowie durch CYP3A (ca. 26 %), CYP2D6 (ca. 21 %) und minimal auch CYP2C19 metabolisiert. Da CYP2C9 ein polymorphes Enzym ist, können Träger von Varianten mit stark reduzierter Aktivität eine erhöhte Aficamten-Exposition aufweisen.
Die mediane terminale Halbwertszeit (t1/2) bei HOCM-Patienten beträgt etwa 80 Stunden (ca. 3,3 Tage), bei etwa 95 % der Patienten liegt sie unter 155 Stunden. Der Steady-State wird nach etwa 17 Tagen erreicht. Die Gesamt-Clearance beträgt 2,6 l/h. Etwa 32 % der Substanz werden renal (davon < 0,1 % unverändert) und etwa 58 % fäkal ausgeschieden.
Weibliche Patienten weisen eine um ca. 31 % höhere Exposition auf als männliche. Patienten mit höherem Körpergewicht zeigen eine geringere Aficamten-Exposition. Bei leichter bis mittelschwerer Nierenfunktionsstörung (eGFR ≥ 30 ml/min) und leichter bis mittelschwerer Leberinsuffizienz (Child-Pugh A oder B) sind keine Dosisanpassungen erforderlich. Für schwere Nierenfunktionsstörung (eGFR < 30 ml/min) und schwere Leberinsuffizienz (Child-Pugh C) liegen derzeit (2026) keine Daten vor.
Indikationen
Aficamten ist zugelassen zur Behandlung der symptomatischen hypertrophen obstruktiven Kardiomyopathie (NYHA-Klasse II–III) bei Erwachsenen.[1]
Darreichungsformen
Aficamten steht als Filmtablette in vier Wirkstoffstärken (5, 10, 15 und 20 mg) zur Verfügung. Die Tabletten werden einmal täglich, unabhängig von den Mahlzeiten, unzerkaut und unzerteilt mit Wasser eingenommen.
Dosierung
Die Behandlung muss von einem in der Behandlung von Kardiomyopathien erfahrenen Arzt eingeleitet werden. Vor Therapiebeginn ist eine echokardiographische Bestimmung der LVEF erforderlich. Die Einleitung oder Auftitration bei LVEF < 55 % wird nicht empfohlen.
Die Anfangsdosis beträgt 5 mg einmal täglich. Bei einem LVOT-G ≥ 100 mmHg unter Valsalva kann eine Anfangsdosis von 10 mg erwogen werden. Die Dosis wird alle 2 bis 8 Wochen um 5 mg erhöht – bis zur individuell festgelegten Erhaltungsdosis oder der Maximaldosis von 20 mg täglich.
Eine echokardiographische Kontrolle (LVEF und LVOT-G unter Valsalva) erfolgt 2 bis 8 Wochen nach Behandlungsbeginn sowie nach jeder Dosisanpassung oder nach Behandlungsunterbrechungen. Nach erreichter Erhaltungsdosis erfolgt die Kontrolluntersuchung alle 6 Monate (bei einer LVEF ≥ 50 % bis < 55 % alle 3 Monate).
| LVEF | LVOT-G (Valsalva) | Maßnahme |
|---|---|---|
| ≥ 55 % | ≥ 30 mmHg | Dosissteigerung um 5 mg (max. 20 mg/d) |
| ≥ 55 % | < 30 mmHg | Dosis beibehalten |
| < 55 % und ≥ 50 % | alle Werte | |
| < 50 % und ≥ 40 % | alle Werte | Dosisreduktion um 5 mg; bei 5-mg-Dosis: 7-tägige Behandlungspause |
| < 40 % | alle Werte | Behandlungspause ≥ 7 Tage |
Das Absetzen von Aficamten kann zum Wiederauftreten von HCM-Symptomen führen. Daher wird eine schrittweise Dosisreduktion beim Absetzen empfohlen.[2]
Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.
Nebenwirkungen
Typische Nebenwirkungen sind z.B.:[3]
Kontraindikationen
- Überempfindlichkeit gegen Aficamten oder einen der sonstigen Bestandteile
- Gleichzeitige Anwendung von moderaten CYP2C9-Inhibitoren, die zugleich moderate bis starke CYP2D6- oder CYP3A-Inhibitoren sind (z.B. Fluconazol in Mehrfachdosis, Adagrasib)
- Gleichzeitige Anwendung von starken CYP3A4-Induktoren, die zugleich moderate CYP2C9-Induktoren sind (Rifampicin, Johanniskraut)
Schwangerschaft
Für die Anwendung von Aficamten in der Schwangerschaft liegen derzeit (2026) keine Daten vor. Aufgrund des Wirkmechanismus kann eine negative Inotropie auf das fetale Herz nicht ausgeschlossen werden. Die Anwendung in der Schwangerschaft sollte vermieden werden. Ist sie aus klinischer Notwendigkeit erforderlich, werden regelmäßige fetale Echokardiographien (z.B. alle 2 Wochen) empfohlen. Frauen im gebärfähigen Alter müssen während der Behandlung eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden.
Zulassung
Die Europäische Kommission erteilte am 12. Februar 2026 die Zulassung für Aficamten. Die Markteinführung in Deutschland erfolgte im Juni 2026. Das Arzneimittel unterliegt einer zusätzlichen Überwachung.
Quellen
- ↑ Maron MS et al. Phase 2 Study of Aficamten in Patients with Obstructive Hypertrophic Cardiomyopathy. J Am Coll Cardiol. 2023;81(1):34–45.
- ↑ Maron MS et al. Aficamten for Symptomatic Obstructive Hypertrophic Cardiomyopathy. N Engl J Med. 2024;390(20):1849–1861.
- ↑ Coats CJ et al. Dosing and Safety Profile of Aficamten in Symptomatic Obstructive Hypertrophic Cardiomyopathy: Results From SEQUOIA-HCM. J Am Heart Assoc. 2024;13(15):e035993.