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Milzbrand

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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Synonym: Anthrax
Englisch: anthrax, splenic fever

1. Definition [bearbeiten]

Der Milzbrand ist eine durch Infektion mit dem Bakterium Bacillus anthracis hervorgerufene Erkrankung.

2. Erreger [bearbeiten]

Bacillus anthracis ist ein grampositives, aerobes Stäbchen. Es kann Sporen ausbilden, die unter widrigsten Umweltbedingungen über Jahrzehnte bestehen können. Die Infektion des Menschen erfolgt vor allem durch die aerogene oder orale Aufnahme von Sporen oder die Infektion von Wunden oder lädierter Haut. Die Organschädigung ist auf Ausbildung des Anthraxtoxins zurückzuführen.

3. Epidemiologie [bearbeiten]

Der Milzbrand ist eine seltene Erkrankung. Auf natürlichem Weg befällt sie Menschen, die in direktem oder indirektem Kontakt mit infizierten Tieren stehen. Vor allem Weidetiere wie Schafe und Kühe sind Überträger (Zoonose) von Milzbrand.

Einzelne kleine Epidemien können auftreten, wenn Menschen direkten Kontakt zu infizierten Tieren oder tierischen Produkten (Wolle, Haar, Leder).

3.1. Milzbrandsporen als Biowaffe [bearbeiten]

Milzbrandsporen werden von Terroristen und Militärs als potente Biowaffe angesehen. Das Aussetzen von Milzbrandsporen kann als Instrument zur Massentötung verwendet werden.

Versehentliche Freisetzung von sporenhaltigem Aerosol aus einem militärischen Biowaffenlabor führte Ende der siebziger Jahre in der Sowjetunion zu zahlreichen Toten.

4. Symptomatik [bearbeiten]

Klinisch sind drei Formen des Milzbrandes zu unterscheiden:

  • Hautmilzbrand
  • Darmmilzbrand
  • Lungenmilzbrand

Alle Formen können durch Sepsis und/oder Organschädigung unbehandelt zum Tod führen. Insbesondere der Lungenmilzbrand hat auch bei früher Anbehandlung eine sehr hohe Letalität.

4.1. Hautmilzbrand [bearbeiten]

Der Hautmilzbrand ist die häufigste Verlaufsform. Nach Infektion einer Wunde kommt es nach einer Inkubationszeit von 2-6 Tagen zur Ausbildung einer juckenden Papel. Die umgebende Haut ist ödematös aufgequollen.

Die Papel verfällt in der Folge vom Zentrum ausgehend unter Ausbildung schwarzer Nekrosezonen. Am Rand der Papel entstehen Blasen mit serösem Inhalt.

4.2. Darmmilzbrand [bearbeiten]

Der Darmmilzbrand entsteht durch die Aufnahme von Bakterien oder Sporen mit der Nahrung (z.B. infiziertes Fleisch). Nach einigen Tagen kommt es zu einer schweren Gastroenteritis mit Durchfällen, die zunächst schleimig, später blutig sind.

Durch massive Vermehrung des Erregers und Toxinüberflutung des Organismus kommt es zu Ulzerationen am Darm und nekrotischem Zerfall abdomineller Lymphknoten.

4.3. Lungenmilzbrand [bearbeiten]

Der Lungenmilzbrand ist die fatalste Verlaufsform. Nach Infektion kommt es in den ersten Tagen zu einer grippeähnlichen Symptomatik (Husten, Fieber, Abgeschlagenheit). Folgend entwickelt sich sehr schnell eine fulminante Pneumonie mit starker Dyspnoe und hohem Fieber. Durch Einwirkung der bakteriellen Toxine kommt es zur Entzündung des Mediastinums (Mediastinitis).

Lymphabflussstörung und Entzündung führen zu ausgeprägter Ödembildung an Hals, Nacken und Mediastinum. Die Prognose ist auch bei früher Behandlung meist infaust.

5. Diagnostik [bearbeiten]

Die mikrobiologische Diagnostik erfolgt durch Anzucht des Erregers. Geeignetes Untersuchungsmaterial ist Blaseninhalt (Hautmilzbrand), Stuhl (Darmmilzbrand), Sputum (Lungenmilzbrand). Bei einer Milzbrandsepsis können Blutkulturen verwendet werden.

Bei Verdacht auf Milzbrand muss der Patient isoliert, die entnommenen Materialen müssen in Speziallaboren unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen untersucht werden.

6. Therapie [bearbeiten]

Die effektivste Therapie ist beim Hautmilzbrand möglich. Unter oraler Antibiotikatherapie mit Amoxicillin, Ciprofloxacin oder Doxycyclin kann die Ausbildung einer Sepsis in den meisten Fällen verhindert werden.

Der Darmmilzbrand wird durch intravenöse Gabe eines wirksamen Antibiotikums anbehandelt. Trotzdem versterben etwa die Hälfte der Patienten.

Der Lungenmilzbrand ist auch bei früher hochdosierter Antibiotikatherapie meistens tödlich.

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