Verneblermaske
Definition
Die Verneblermaske ist ein Applikationssystem zur inhalativen Medikamentengabe. Sie ermöglicht die Zufuhr flüssiger Wirkstoffe in Form fein zerstäubter Aerosole über Mund und Nase. Ziel ist eine möglichst direkte Applikation des Medikaments in den Atemwegen bei geringer systemischer Belastung.
Hintergrund
Vernebler sind ein etabliertes Verfahren der inhalativen Therapie in der Akut-, Notfall- und Intensivmedizin. In der klinischen Routine kommen überwiegend pneumatische Jet-Vernebler zum Einsatz. Sie nutzen Druckluft oder Sauerstoff, um flüssige Medikamente in Aerosole definierter Tröpfchengröße zu überführen.
Für eine effektive Ablagerung in den unteren Atemwegen ist eine Partikelgröße von etwa drei bis fünf Mikrometern erforderlich. Größere Tröpfchen schlagen sich überwiegend im Oropharynx nieder, während kleinere Partikel häufig wieder ausgeatmet werden. Die tatsächliche pulmonale Deposition ist zudem abhängig von Atemzugvolumen, Atemfrequenz und Maskensitz.
Im Vergleich zu koordinierten Inhalationssystemen wie Dosieraerosolen ist die Verneblermaske weitgehend unabhängig von der Mitarbeit des Patienten. Dies geht jedoch mit relevanten Wirkstoffverlusten durch Maskenleckage und Umgebungsaerosol einher. Die Effizienz ist daher geringer, was v.a. bei wiederholter Anwendung berücksichtigt werden sollte.
Bei Verwendung einer Verneblermaske sollten mindestens 6 L/min Sauerstofffluss eingestellt werden, um das Risiko einer CO₂-Rückatmung zu reduzieren.
Indikationen
Verneblermasken werden u.a. eingesetzt bei:
- Akuter bronchialer Obstruktion, z.B. Asthmaexazerbation, obstruktive Bronchitis
- Akuter Exazerbation einer COPD
- Pädiatrischen Notfällen, insbesondere beim Pseudokrupp
- Inhalativer Applikation von NaCl-Lösungen zur Sekretverflüssigung
- Notfallmedizinischer Therapie mit Salbutamol, Ipratropiumbromid oder Adrenalin
Abgrenzung
Ultraschallvernebler
Ultraschallvernebler erzeugen Aerosole durch hochfrequente Schwingungen einer Piezoelement-Membran. Sie ermöglichen eine relativ homogene Partikelgröße und eine höhere Aerosol-Ausbeute im Vergleich zu pneumatischen Systemen. Nachteilig ist die mögliche Erwärmung der Inhalationslösung, wodurch hitzeempfindliche Wirkstoffe in ihrer Stabilität beeinträchtigt werden können.
Im notfall- und intensivmedizinischen Setting können Ultraschallvernebler auch bei invasiv beatmeten Patienten über spezielle Adapter in den Beatmungskreislauf integriert werden. Die Medikamentenwahl muss dabei an die Geräteeigenschaften angepasst werden.
Dosieraerosole
Dosieraerosole liefern vordosierte Medikamentenmengen in Form eines Treibgas-Aerosols. In Kombination mit Spacer-Systemen erreichen sie eine hohe pulmonale Deposition und sind in vielen Leitlinien die bevorzugte Form der Bronchodilatatoren-Gabe, insbesondere bei Asthma und COPD. Sie sind deutlich effizienter als Maskenvernebler, setzen jedoch eine gewisse Koordination oder den Einsatz eines Spacers voraus.
Literatur
- AWMF: S3-Leitlinie Sauerstoff in der Akuttherapie beim Erwachsenen, abgerufen am 16.12.2025
- Grübl et al., Atemwegsmanagement und Narkose in Notfall- und Akutmedizin, Springer-Verlag 2023, abgerufen am 16.12.2025
- Tendahl et al., Prähospitales Atemwegsmanagement für Rettungsdienst und Notfallmedizin, Elsevier-Verlag, abgerufen am 16.12.2025
- Ziegenfuß: Notfallmedizin 2025, Springer-Verlag, abgerufen am 16.12.2025