Triple-X-Syndrom
Trainier deine Lernmuskeln!
Mit Flash Cards, Quiz und mehr
LoslegenSynonyme: Super-Female-Syndrome, 3-X-Syndrom, Trisomie X, Triplo-X-Syndrome, 47,XXX
Englisch: trisomy X, triple X syndrome
Definition
Triple-X-Syndrom ist die Bezeichnung für eine nummerische Chromosomenaberration, bei der das X-Chromosom dreifach vorliegt (Trisomie). Der entsprechende Karyotyp lautet 47,XXX. Das Triple-X-Syndrom gehört zu den Poly-X-Syndromen. Aufgrund der chromosomalen Gegebenheiten können nur Frauen vom Triple-X-Syndrom betroffen sein.
Epidemiologie
Das Triple-X-Syndrom kommt bei etwa 1:1.000 weiblichen Geburten vor.[1] Es ist davon auszugehen, dass die Dunkelziffer aufgrund des variablen und oft asymptomatischen Phänotyps und der unauffälligen Symptomatik wesentlich höher ist und viele Fälle des Triple-X-Syndroms nicht diagnostiziert werden.
Ätiologie
Die häufigste Ursache für die Entstehung des Triple-X-Syndroms ist eine Non-Disjunction des jeweiligen X-Chromosoms während der ersten meiotischen Teilung. Die Folge ist eine Tochterzelle ohne X-Chromosom und eine Tochterzelle mit einem doppelten X-Chromosomensatz. Die Befruchtung dieser Tochterzelle durch eine Keimzelle, die ein weiteres X-Chromosom enthält, führt zu einem Triple-X-Syndrom. Etwa 95 % der meiotischen Fehler, die zu einem 47,XXX-Karyotyp führen, sind weiblichen Ursprungs. Die Häufigkeit von Trisomien des X-Chromosoms korreliert ähnlich wie bei der Trisomie 21 mit dem Alter der Frau.
Etwa 20 % der Fälle sind auf mitotische Fehler in den ersten Zellteilungsstadien des Embryos zurückzuführen.[1] Dabei können verschiedene Formen von Mosaizismus vorliegen, wie etwa 46,XX/47,XXX oder 47,XXX/48,XXXX. Eine 47,XXX-Zelllinie kann auch in 5 bis 15 % der Fälle eines Turner-Syndroms gefunden werden. Eine altersabhängige Assoziation existiert bei den mitotischen postzygotischen Chromosomenfehlverteilungen im Gegensatz zu den meiotischen Fehlverteilungen nicht.
Klinik
Körperliche Charakteristika
Es existiert kein spezifisches körperliches Merkmal für ein Triple-X-Syndrom. Grundsätzlich sind die betroffenen Frauen verhältnismäßig großwüchsig. Größe und Gewicht sind bei der Geburt in der Regel normal. Die Größe nimmt jedoch typischerweise in der frühen Kindheit zu und im Jugendalter erreichen die meisten Mädchen (80–89 % d.F.) die 75. Perzentile oder eine höhere Perzentile für die Körpergröße.[1]
Weitere beschriebene physische Merkmale im Zusammenhang mit einer Trisomie X umfassen:
- Klinodaktylie
- Auftreten eines medialen Epikanthus
- Fehlbildungen des Urogenitaltraktes
Fertilität
Untersuchungen zur ovariellen Funktion bei Trisomie X zeigen Hinweise auf eine verminderte ovarielle Reserve. Die aktuelle Leitlinie zu den Varianten der Geschlechtsentwicklung empfiehlt eine frühzeitige individuelle Beurteilung des Risikos einer prämaturen Ovarialinsuffizienz (POI), insbesondere bei unregelmäßigen Zyklen oder sekundärer Amenorrhoe. Gegebenenfalls sollten Maßnahmen zur Fertilitätsprotektion erwogen werden.[2]
Pubertätsbeginn und sexuelle Entwicklung sind in der Regel normal. Es liegen zahlreiche Berichte über erfolgreiche Schwangerschaften vor.
Neurologische und psychische Charakteristika
Folgende Symptome wurden im Zusammenhang mit dem Triple-X-Syndrom beschrieben:
- Störungen der Feinmotorik
- Verzögerung in der Sprachentwicklung
- Lernbehinderung
- Psychosen
- Gehäuftes Auftreten eines Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndroms (ADHS)
Einschränkend ist anzumerken, dass entsprechende Studien sehr geringe Fallzahlen beinhalten und die Aussagekraft daher limitiert ist.
Diagnostik
Die Diagnosestellung erfolgt über ein Karyogramm. Ein NIPT kann einen Hinweis auf ein Triple-X-Syndrom liefern, ist jedoch keine gesicherte Diagnose. Bei auffälligem Ergebnis wird eine invasive Bestätigungsdiagnostik angeboten. Die meisten Diagnosen eines Triple-X-Syndroms werden pränatal mittels Amniozentese oder Chorionzottenbiopsie gestellt.
Im Gegensatz zum Turner-Syndrom ist die Wahrscheinlichkeit eines Spontanabortes deutlich geringer.
Therapie
Die Behandlung, sofern erforderlich, erfolgt symptomatisch.
Prognose
Die Prognose ist insgesamt günstig. Viele Betroffene zeigen nur milde oder keine auffälligen Symptome und erreichen ein weitgehend normales Erwachsenenleben. Die Lebenserwartung ist nach verfügbarer Literatur in der Regel nicht relevant eingeschränkt. Die Entwicklung kann jedoch durch Sprachverzögerungen, Lernschwierigkeiten und psychische Auffälligkeiten beeinträchtigt sein, weshalb im Kindes- und Jugendalter häufig eine pädagogische und therapeutische Unterstützung erforderlich ist.[3][4]
Quelle
- ↑ 1,0 1,1 1,2 Tartaglia et al., A review of trisomy X (47,XXX), Orphanet J Rare Dis, 2010
- ↑ AWMF: S2k-Leitlinie Varianten der Geschlechtsentwicklung, Registernummer 174-001, Version 2.0, Stand der Langfassung 03/2025, abgerufen am 29.09.2026
- ↑ Tartaglia, A review of trisomy X (47,XXX), Orphanet Journal of Rare Diseases, 2010
- ↑ Trisomy X syndrome, abgerufen am 29.09.2026