Tenascin X
Synonyme: Tenascin-X, TNXB , EDS3, HXBL, TENX, TNX, TNXB1, TNXB2, TNXBS, VUR8, XB, XBS, Tenascin XB, EDSCLL, EDSCLL1
Englisch: tenascin X
Definition
Tenascin X, kurz TN-X, ist ein extrazelluläres Matrixprotein aus der Familie der Tenascine, das in der Haut, den Gelenken und den Muskeln vorkommt.
Hintergrund
Tenascine interagieren mit Zellen und beeinflussen deren Adhäsion, was wiederum zu einer veränderten Zellmobilität führt. Tenascin-C wird hauptsächlich im Rahmen der Tumorgenese sowie bei chronischen Entzündungen exprimiert. Tenascin-W kommt bei der Osteogenese vor. Tenascin-R ist hingegen nahezu ausschließlich mit Gliazellpopulationen assoziiert und in perineuralen Netzen des sich entwickelnden und adulten Zentralnervensystems lokalisiert.
Genetik
TN-X wird durch das TNXB-Gen auf dem kurzen Arm des Chromosoms 6 in der MHC-Klasse-III-Region im Genlokus 6p21.33-p21.32 kodiert. Das Gen besteht aus 45 Exons und überlappt an seinem 5'- bzw. 3'-Ende die Gene CREBL1 und CYP21A2. Die Entdeckung des TNXB-Gens beruht auf einem Zufallsbefund bei der Suche nach einer CYP21B-Mutante, die für die kongenitale Nebennierenhyperplasie verantwortlich ist.
Für TN-X wurden mehrere Transkriptvarianten beschrieben, die durch alternatives Spleißen entstehen.
Vorkommen
TN-X wird embryonal vorwiegend im sich entwickelnden Herz, der Skelettmuskulatur und den Gliedmaßen exprimiert. Im Entwicklungsverlauf zeigt sich ein eher ubiquitäres Expressionsmuster. Adult wird TN-X in einer Vielzahl von Geweben exprimiert, darunter Herz, Haut, Skelettmuskulatur, peripheren Nerven, Bändern, Sehnen und dem Verdauungstrakt.
Biochemie
TN-X ist ein 450 kDa großes Glykoprotein. Dieses umfasst eine Tenascin-Assemblierungsdomäne (TAD), Wiederholungen eines epidermalen Wachstumsfaktor (EGF)-ähnlichen Motivs, einer großen Anzahl von Fibronectin-Typ-III (FNIII)-Modulen und einer Fibrinogen (FBG)-ähnlichen globulären Domäne.
Die Anzahl der von TNXB-Genen kodierten FNIII-Repeats variiert zwischen unterschiedlichen Säugetierarten. Die hydrophoben „Heptad-Repeats“ am N-Terminus von TN-X bilden α-Helices, die als Grundlage für die Trimerisierung der Monomere dienen.
Funktion
Die Funktion von TN-X im menschlichen Körper ist bislang (2026) nur teilweise geklärt. Möglicherweise spielt TN-X eine Rolle bei Zelldeterminierungs- und Differenzierungsprozessen. Darüber hinaus scheint es eine essenzielle Funktion für die Architektur der extrazellulären Matrix (ECM) sowie für die Gewebeintegrität zu besitzen.
TN-X reguliert vermutlich den Abstand und die Kohäsion zwischen Kollagenfibrillen, entweder durch direkte Interaktion mit Kollagenmolekülen oder durch Interaktionen mit verschiedenen ECM-Komponenten, die ihrerseits mit Kollagenfibrillen assoziiert sind. Zudem ist TN-X an Signaltransduktionswegen beteiligt und aktiviert unter anderem TGF-β.
Klinik
Die verminderte Produktion von Tenascin X ist ein möglicher Auslöser des hypermobilen Ehlers-Danlos-Syndroms (hEDS).
Bei der Tumorentstehung, wurde beobachtet, dass sich die Expression von TN-X häufig entgegengesetzt zu der von TN-C verhält.
Quellen
- Okuda-Ashitaka und Matsumoto. Tenascin-X as a causal gene for classical-like Ehlers-Danlos syndrome. Front Genet. 2023 Mar 15;14:1107787. doi: 10.3389/fgene.2023.1107787.
- Miller. Tenascin-X-Discovery and Early Research. Front Immunol. 2021 Jan 11;11:612497. doi: 10.3389/fimmu.2020.612497.