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Sterbehilfe

Englisch: euthanasia

1 Definition

Der Begriff Sterbehilfe umfasst alle Maßnahmen zur Erleichterung des Sterbens. Hierzu zählen sowohl die Sterbebegleitung durch palliativmedizinische Versorgung und seelsorgerliche Betreuung des Patienten, als auch die Unterstützung des Sterbeprozesses. Letztere wird in eine aktive und eine passive Sterbehilfe unterschieden.

2 Passive Sterbehilfe

Als passive Sterbehilfe gilt die Unterlassung oder der Abbruch lebensverlängernder Maßnahmen (z.B. Reanimation, Beatmung, Dialyse, Katecholamingabe). Hierbei gilt die Achtung des willentlich mittels Patientenverfügung oder mündlich gegenüber dem Arzt geäußerten Patienteninteresses. Bei nicht einwilligungsfähigen Patienten ist der „mutmaßliche Patientenwille“ unter Einbeziehung der Angehörigen oder eines rechtlichen Betreuers zu eruieren.

Rechtlich wird eine dem Patientenwillen entsprechende Unterlassung nicht geahndet. Zuwiderhandlungen gegen den Patientenwillen, die den Tod des Patienten zur Folge haben, gelten strafrechtlich als Tötungsdelikt.

3 Aktive Sterbehilfe

Als aktive Sterbehilfe gelten Handlungen und Maßnahmen, die anstelle der tödlich verlaufenden Erkrankung den Tod beibringen. Sie umfasst:

Die direkte aktive Sterbehilfe als „Tötung auf Verlangen“ ist in Deutschland per Strafgesetzbuch (§216) verboten und wird mit 6 Monaten bis zu 5 Jahren Freiheitsstrafe geahndet.

Die aktive indirekte Sterbehilfe ist in Abhängigkeit von der Prognose oder der Indikationsstellung (Polytraumen in der Notfallmedizin) zulässig. Die aktive indirekte Sterbehilfe wird als "akzeptierte Praxis" umschrieben.[1] Dazu zählt zum Beispiel "die Gabe von Schmerzmitteln stark zu erhöhen, aber billigend in Kauf zu nehmen, dass der Tod etwas früher als sonst eintreten kann."

4 Abgrenzung

Die Unterscheidung von aktiver und passiver Sterbehilfe kann in allen klinischen Situation getroffen werden, da bei der passiven Sterbehilfe der Tod als Folge der Grunderkrankung eintritt, während der Patient bei der aktiven Sterbehilfe an einer gezielten Tötungshandlung - also unabhängig von seiner Erkrankung - verstirbt."[2]

5 Beihilfe zum Suizid

Als Sonderform der Sterbehilfe gilt die Beihilfe zur Selbsttötung. Die Beihilfe zur Selbsttötung (assistierter Suizid) ist in Deutschland nur dann straffrei, wenn das Opfer letztlich seinen Tod selber herbeiführt und der Suizidhelfer nicht geschäftsmäßig handelt (§ 217 StGB). Eine weitere Einschränkung erfährt die Beihilfe zur Selbsttötung durch die folgenden Gesetze:

  • Unterlassene Hilfeleistung im Sinne des § 323c StGB oder
  • Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz (BtmG § 29, 30)

6 Politische Positionen

Die politischen Positionen zur Sterbehilfe (2014) lassen sich stark verkürzt wie folgt darstellen:

  1. Gesetzliche Zulassung ärztlich assistierter Sterbehilfe
  2. Ablehnung des ärztlich assistierten Suizides
  3. Ärztlicher Freiraum in ethischen Grenzsituationen
  4. Erweiterung der „Straffreiheit für Beihilfe zum Suizid (nicht nur für Angehörige, sondern auch für nahestehende Menschen nicht strafbewährt gestalten. Dazu sollen auch Ärzte zählen, falls sie in einem engen Vertrauens- und Fürsorgeverhältnis zum Patienten stehen.“)
  5. Keine Veränderung des Status quo

7 Sterbehilfe im europäischen Ausland

  • Niederlande, Belgien: In den Niederlanden (seit 2001) und in Belgien (seit 2002) ist die aktive Sterbehilfe durch den Arzt gesetzlich erlaubt, wobei eine unweigerlich zum Tode führende Erkrankung des Patienten und dessen ausdrückliche Willensäußerung bei absoluter Zurechnungsfähigkeit vorausgesetzt werden. Über die Zulässigkeit der Tötung entscheidet in beiden Ländern eine vom Arzt zu konsultierende unabhängige Kommission aus Rechtsvertretern und Ethikbeauftragten.
  • Schweiz: In der Schweiz haben sich aufgrund der Legalität der Beihilfe zur Selbsttötung und der Heilmittelgesetzgebung ethisch und politisch umstrittene Suizidhilfeorganisationen (Dignitas, Exit) etabliert, die zurechnungsfähigen Klienten überdosierte Barbiturate (Pentobarbital) zur Verfügung stellen. Eine Vergabe an nicht zurechnungsfähige Personen ist strafrechtlich verboten.

siehe auch Euthanasie, Hospiz

8 Quellen

  1. Wetzel, W.: Gesetzliche Regelungen der Sterbehilfe in Europa. Humanes Leben - Humanes Sterben 2010 (1): 50-51
  2. Richter, G.: Können Vorstellungen vom "guten Leben" handlungsleitend in der Medizin werden? In: Gutes Leben. Fragile Vielfalt zwischen Glück, Vertrauen, Leid und Angst. Könighausen & Neumann, Würzburg 2014: 303.

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