Samarin-Shevkunenko-Klassifikation
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Synonyme: Shevkunenko-Klassifikation der Halsfaszien
Definition
Die Samarin-Shevkunenko-Klassifikation ist ein in der russischen und osteuropäischen topographischen Anatomie gebräuchliches System zur Einteilung der Halsfascien. Sie unterscheidet fünf Faszienblätter und dient als Grundlage für das Verständnis der topographischen Schichtung, der Zellräume und der operativen Zugänge am Hals.
Hintergrund
Die Klassifikation wurde von dem sowjetischen Anatomen und Chirurgen Viktor Nikolajewitsch Shevkunenko (1872–1952) entwickelt und erstmals in den 1930er-Jahren publiziert. Sie basiert auf einem genetisch-morphologischen Ansatz und berücksichtigt die Herkunft der Faszien (bindegewebig, muskulär oder coelomisch).
Im Gegensatz zur Einteilung der Halsfaszien nach der Terminologia Anatomica, die drei Schichten der Fascia cervicalis beschreibt, ist die Unterteilung nach der Samarin-Shevkunenko-Klassifikation detaillierter.
Klassifizierung
Nach Shevkunenko werden am Hals fünf Faszien unterschieden:
| Name | Charakteristika / Funktion |
|---|---|
| Fascia superficialis colli | Teil der allgemeinen oberflächlichen Körperfaszie; bildet den Faszienmantel für den Platysma; geht nach kranial in die oberflächliche Kopffaszie und nach kaudal in die Brust- und Rückenfaszie über. |
| Lamina superficialis fasciae colli propriae | Umgibt den gesamten Hals; bildet Faszienhüllen für den Musculus sternocleidomastoideus und den Musculus trapezius; sendet Septen zu den Querfortsätzen der Halswirbel und teilt den Hals in einen vorderen und hinteren Anteil; bildet die Kapsel der Glandula submandibularis. |
| Lamina profunda fasciae colli propriae (Fascia omoclavicularis) | Nur im vorderen Halsbereich ausgeprägt; spannt sich trapezförmig zwischen Zungenbein, Sternum und Claviculae; bildet Faszienhüllen für die infrahyoidalen Muskeln; bildet zusammen mit dem 2. Blatt die Linea alba colli. |
| Fascia endocervicalis | Besteht aus zwei Blättern:
|
| Fascia prevertebralis | Bedeckt die tiefen prävertebralen und Skalenusmuskeln; setzt sich nach kaudal in die Fascia endothoracica fort; enthält den Halsanteil des Truncus sympathicus. |
Topographische Bedeutung der Zellräume
Zwischen den Faszienblättern entstehen Zell- und Gleitgeweberäume (Spatien), die für die Ausbreitung von Entzündungen, Hämatomen und Abszessen sowie für operative Zugänge relevant sind:
- Suprasternaler Interfaszienraum
- Prätrachealer Raum
- Viszeraler Raum
- Prävertebraler Raum
- Laterale Pharyngealräume
Klinische Bedeutung
Die Shevkunenko-Klassifikation ist insbesondere in der Halschirurgie, endokrinen Chirurgie (Schilddrüse, Nebenschilddrüsen) und HNO-Chirurgie von praktischer Relevanz für:
- die Planung von operativen Zugängen
- das Verständnis der Ausbreitungswege von Phlegmonen und Abszessen
- die Identifikation und Schonung von Gefäß-Nerven-Strängen und des Nervus laryngeus recurrens
Quellen
- Suman, Z. et al.: Priority in classification of cervical fasciae