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Rurioctocog alfa pegol

Handelsnamen: Adynovi®
Englisch: rurioctocog alfa pegol

1 Definition

Rurioctocog alfa pegol ist ein Arzneistoff aus der Klasse der rekombinanten Gerinnungsfaktoren. Er wird zur Substitution von Faktor VIII bei der Behandlung der Hämophilie A eingesetzt.

2 Biochemie

Rurioctocog alfa pegol ein rekombinanter humaner Gerinnungsfaktor VIII, der gentechnologisch in CHO-Zellen hergestellt wird. Die Substanz ist ein Glykoprotein, das aus 2.332 Aminosäuren besteht. Die Aminosäurensequenz entspricht der des rFVIII Octocog alfa, das Molekül ist aber mit Polyethylenglykol (PEG) verknüpft, das ein Molekulargewicht von 20 kDa aufweist. Das gesamte Molekulargewicht beträgt etwa 330 kDa.

3 Wirkmechanismus

Die Wirkungsweise von Rurioctocog alfa pegol entspricht der des endogenen Faktor VIII. Nach i.v.-Gabe bindet Rurioctocog alfa pegol an den von-Willebrand-Faktor (VWF) im Blutkreislauf des Hämophilie-Patienten und wird dadurch aktiviert. Der aktivierte Faktor VIII beschleunigt als Kofaktor von aktiviertem Faktor IX die Umwandlung von Faktor X in Faktor Xa. Faktor Xa wiederum wandelt Prothrombin in Thrombin um. Thrombin setzt schließlich Fibrinogen in Fibrin um, was zur Gerinnselbildung führt.

Durch die Substitutionstherapie werden die Faktor-VIII-Spiegel nur vorübergehend erhöht. Der Therapieeffekt lässt mit dem proteolytischen Abbau der Substanz wieder nach.

4 Pharmakokinetik

Durch die Pegylierung soll die Plasmahalbwertszeit von Rurioctocog alfa pegol gegenüber Octocog alfa etwa auf das 1,4-fache bis 1,5-fache verlängert sein. Sie beträgt bei Erwachsenen im Mittel 15,01 Stunden, die mittlere Verweildauer (MRT) liegt bei 19,7 Stunden. Das Glykoprotein wird durch körpereigene Proteasen in Peptidfragmente und Aminosäuren metabolisiert.

5 Indikation

  • Therapie und Prophylaxe von Blutungen bei Patienten mit Hämophilie A (kongenitalem Faktor-VIII-Mangel) ab einem Alter von 12 Jahren

6 Dosierung

Die Dosierung ist u.a. vom Schweregrad des Faktor-VIII-Mangels, vom Ort und Ausmaß der Blutung sowie vom klinischen Zustand des Patienten abhängig. Die empfohlene Dosis liegt zwischen 20 und 100 I.E. Rurioctocog alfa pegol intravenös je kgKG. Zur Berechnung der erforderlichen Dosis wird von der Annahme ausgegangen, dass 1 I.E. Faktor VIII pro kgKG die Faktor-VIII-Aktivität im Plasma um etwa 2 I.E./dl steigert.

Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.

7 Darreichungsform

Rurioctocog alfa pegol ist als Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Injektionslösung in Durchstechflaschen mit 250 I.E., 500 I.E., 1.000 I.E. oder 2.000 I.E. Wirkstoff erhältlich.

8 Nebenwirkungen

Folgende Nebenwirkungen treten unter Rurioctocog alfa pegol sehr häufig (≥ 1:10) oder häufig (≥ 1:100, < 1:10) auf:

Lokalreaktionen an der Injektionsstelle sind möglich.

Bei entsprechender DIsposition kann es zu Überempfindlichkeitsreaktionen oder allergischen Reaktionen mit Unruhe, Tachykardie, Engegefühl in der Brust, Dyspnoe und Hypotonie kommen, die in eine Anaphylaxie mit Schock münden können.

Wie bei anderen rekombinanten Gerinnungsfaktoren kann unter der Therapie eine Entwicklung hemmender Antikörper gegen Faktor VIII auftreten, die zu einer verminderten Wirkung führt.

9 Wechselwirkungen

Es sind keine Wechselwirkungen von Rurioctocog alfa pegol mit anderen Arzneimitteln bekannt.

10 Kontraindikationen

11 Zulassung

Der Arzneistoff ist in der EU seit Januar 2018 zugelassen und wird durch den Hersteller Baxter vertrieben.

12 Nutzenbewertung

Der G-BA beurteilt den Zusatznutzen von Rurioctocog alfa pegol auf der Basis der Prüfung der Zulassungstudien durch das IQWiG wie folgt:[1]

  • Zusatznutzen nicht belegt

13 Kosten

Die Jahrestherapiekosten, die durch die Behandlung mit Rurioctocog alfa pegol entstehen, sind je nach Ansprechen und Dosierung individuell unterschiedlich. Bei Erwachsenen liegen sie gerundet zwischen 507.000 € und 652.000 €.[1]

14 Quellen

  1. 1,0 1,1 IQWiG-Berichte – Nr. 658 Rurioctocog alfa pegol (Hämophilie A) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V, abgerufen am 7.3.2019

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