Postpartale Hämorrhagie
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LoslegenSynonyme: postpartale Blutung, Nachgeburtsblutung
Englisch: postpartum hemorrhage, PPH
Definition
Die postpartale Hämorrhagie, kurz PPH, ist eine verstärkte Blutung nach der Geburt eines Kindes. Der Schwellenwert ist ein Blutverlust von mindestens 500 ml nach vaginaler Geburt oder mindestens 1.000 ml nach Sectio caesarea.[1] Die PPH ist die häufigste und klinisch bedeutsamste Form der peripartalen Blutung.
Terminologie
Die Bezeichnungen für geburtshilfliche Blutungen werden uneinheitlich verwendet. Maßgeblich ist die zeitliche Zuordnung zum Geburtsvorgang:
- peripartal: Oberbegriff für den gesamten Zeitraum um die Geburt, umfasst prä-, intra- und postpartale Blutungen
- präpartal (antepartal): vor Geburtsbeginn
- intrapartal (subpartal): zwischen Geburtsbeginn und Geburt des Kindes
- postpartal: nach der Geburt des Kindes
Die Abkürzung PPH ist doppelt belegt. International steht sie für "postpartum haemorrhage "und bezeichnet damit ausschließlich die postpartale Hämorrhagie. Im deutschsprachigen Raum wird sie zusätzlich für die peripartale Hämorrhagie verwendet.[2] Inhaltlich fallen beide Begriffsfassungen weitgehend zusammen. Die Leitlinie "Peripartale Blutungen" nimmt peripartale Blutungen im engeren Sinn – etwa die vorzeitige Plazentalösung – ausdrücklich von ihrem Geltungsbereich aus und behandelt überwiegend die postpartale Situation.[1] In der klinischen Praxis bezeichnet PPH daher nahezu immer die postpartale Hämorrhagie.
Weitere gebräuchliche Bezeichnungen sind:
- postpartale Blutung: gleichbedeutend mit postpartaler Hämorrhagie und zugleich Bezeichnung der ICD-10-Kategorie O72
- Nachgeburtsblutung: im engeren Sinn die Blutung in der Nachgeburtsperiode (ICD-10 O72.0), umgangssprachlich auch für die PPH insgesamt
- puerperale Blutung: Blutung im Wochenbett, entspricht weitgehend der sekundären PPH
- atonische Nachblutung: ältere Bezeichnung für die durch Uterusatonie bedingte PPH
Einteilung
Die postpartale Hämorrhagie wird in zwei Formen unterteilt:
- primäre PPH: tritt innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Geburt auf und ist meist auf eine Uterusatonie oder Geburtsverletzungen zurückzuführen
- sekundäre PPH: tritt nach den ersten 24 Stunden bis zu 12 Wochen post partum auf und wird häufig durch verbleibende Plazentateile oder Infektionen verursacht
Ursachen
Häufigste Ursache ist die Uterusatonie, bei der sich der Uterus nach der Geburt nicht ausreichend kontrahiert und die uterinen Blutgefäße offen bleiben. Weitere Ursachen sind Verletzungen des Geburtskanals, Plazentareste und Gerinnungsstörungen. Als Merkhilfe dient das Schema der 4 T: [1]
- Tonus (Atonie)
- Trauma (Geburtsverletzung, Uterusruptur)
- Tissue (Plazentarest, Lösungsstörung)
- Thrombin (Koagulopathie)
Risikofaktoren
Risikofaktoren einer PPH sind u.a.:
- Leiomyome des Uterus
- Polyhydramnion
- Mehrlingsschwangerschaft
- postpartale Hämorrhagie in der Anamnese
- Auffälligkeiten der Wehentätigkeit (schnelle oder protrahierte Wehen)
- Plazentationsstörungen (Placenta praevia, Placenta accreta)
- vorangegangener Kaiserschnitt
- Präeklampsie
- Anämie
- Adipositas
Eine ausführliche Risikostratifizierung findet sich im Artikel zur peripartalen Blutung.
Diagnostik
Der Blutverlust wird bei rein visueller Beurteilung regelhaft über- oder unterschätzt. Empfohlen werden daher validierte Messverfahren wie Messbecher oder das Wiegen von Tupfern, Kompressen und Unterlagen.[2] Die WHO empfiehlt für alle Geburten eine routinemäßige objektive Messung des postpartalen Blutverlusts.[3]
Ergänzend werden Vitalparameter und Laborwerte beurteilt. Ein Schockindex (Herzfrequenz geteilt durch systolischen Blutdruck) über 0,9 sowie eine metabolische Azidose mit erhöhtem Laktat weisen auf eine kritische Hypovolämie hin.[1] Zur gezielten Gerinnungsdiagnostik dient z.B. die Thrombelastometrie als Point-of-Care-Diagnostik.
zur Therapie und Prävention siehe: Peripartale Blutung
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 AWMF - S2k-Leitlinie Peripartale Blutungen, Diagnostik und Therapie, AWMF-Registernummer 015/063, 2022, gültig bis 31.07.2027
- ↑ 2,0 2,1 Annecke et al., Peripartale Blutungen, Diagnostik und Therapie, Anaesthesiologie, 2022
- ↑ World Health Organization, Consolidated guidelines for the prevention, diagnosis and treatment of postpartum haemorrhage, Genf, WHO, 2025