Porto-Kriterien
Definition
Die Porto-Kriterien sind klinisch-radiologische Kriterien zur Diagnostik sowie Klassifikation der chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) im Kindes- und Jugendalter. Sie dienen der standardisierten Differenzierung zwischen Morbus Crohn, Colitis ulcerosa (typisch/atypisch) und nicht klassifizierbarer CED.
Hintergrund
Die Porto-Kriterien wurden 2005 von der European Society for Paediatric Gastroenterology, Hepatology and Nutrition (ESPGHAN) publiziert. Anlass war die diagnostische Heterogenität pädiatrischer CED mit häufig atypischen Verlaufs- und Befundkonstellationen. Eine Revision erfolgte 2014 mit Erweiterung um standardisierte histologische Anforderungen und moderne bildgebende Verfahren.
Abgrenzung
Morbus Crohn ist gekennzeichnet durch diskontinuierliche Entzündung, Dünndarmbeteiligung und ggf. granulomatöse Histologie. Die Colitis ulcerosa wird nach den revidierten Porto-Kriterien in eine typische und eine atypische Form unterteilt. Atypische UC liegt bei insgesamt konsistentem UC-Gesamtbild mit einzelnen untypischen Merkmalen vor. Bei nicht eindeutiger Zuordnung erfolgt die Klassifikation als CED-unklassifiziert.
Aufbau
Die Porto-Kriterien beruhen auf einer systematischen Kombination aus Endoskopie, Histologie, Bildgebung und Zusatzdiagnostik. Vorgabe ist eine initiale Komplettdiagnostik zur Einordnung als Morbus Crohn, Colitis ulcerosa oder CED-unklassifiziert. Alle Befunde werden integrativ beurteilt.
Einteilung
| Untersuchungsbereich | Kriterien |
|---|---|
| Ileokoloskopie | Obligat: vollständige Koloskopie mit Ileumintubation; Beurteilung von Ausdehnung, Segmentierung, Kontinuität und Rektumbeteiligung |
| Histologie Kolon/Ileum | Obligat: Stufenbiopsien aus allen untersuchten Segmenten; Beurteilung der Kryptenarchitektur, chronisch-entzündlicher Infiltrate; Nachweis oder Fehlen von Granulomen |
| Ösophago-Gastro-Duodenoskopie | Obligat: obere Endoskopie bei allen Verdachtsfällen unabhängig von klinischer Symptomatik |
| Histologie oberer GI-Trakt | Obligat: Biopsien aus Ösophagus, Magen und Duodenum; Beschreibung fokaler oder diffuser Entzündung; Granulome (falls vorhanden) |
| Dünndarmdiagnostik | Empfohlen: MR-Enterographie oder Kapselendoskopie; bei „typischer“ Colitis ulcerosa nach Endoskopie und Histologie verzichtbar |
| Bildgebung | Empfohlen: Erfassung transmuraler und extramuraler Manifestationen wie Stenosen, Fisteln oder Abszessen |
| Laborparameter | Empfohlen: Blutbild, Entzündungsmarker, Albumin, Leberwerte; Stuhluntersuchungen zum Ausschluss infektiöser Ursachen |
| Serologie | Unterstützend: ASCA, pANCA; keine obligaten Klassifikationskriterien |
Atypische Colitis ulcerosa
Zu den mit den Porto-Kriterien vereinbaren atypischen UC-Merkmalen zählen ein relatives oder makroskopisches Rektumsparing, eine initial patchy verteilte Entzündung im Kolon, eine fokale Entzündung des oberen GI-Trakts ohne granulomatöse Histologie sowie eine begrenzte terminale Ileitis ohne weitere Crohn-typische Befunde.
Besonderheiten
Die Porto-Kriterien sind ausschließlich für pädiatrische Patienten validiert. Die obere Endoskopie ist obligater Bestandteil der Erstdiagnostik. Differenzialdiagnosen wie infektiöse, immunologische oder monogene Erkrankungen sind systematisch auszuschließen. Eine diagnostische Reevaluation im Krankheitsverlauf ist vorgesehen.
Bedeutung
Die Porto-Kriterien bilden die Grundlage internationaler Leitlinien und Studien zur pädiatrischen CED. Sie strukturieren diagnostische Abläufe in spezialisierten pädiatrisch-gastroenterologischen Zentren.
Quellen
- IBD Working Group of the European Society for Paediatric Gastroenterology, Hepatology and Nutrition. Inflammatory bowel disease in children and adolescents: recommendations for diagnosis – the Porto criteria. J Pediatr Gastroenterol Nutr. 2005;41(1):1–7. doi:10.1097/01.mpg.0000163736.30261.82
- Levine et al. ESPGHAN revised Porto criteria for the diagnosis of inflammatory bowel disease in children and adolescents. J Pediatr Gastroenterol Nutr. 2014;58(6):795–806. doi:10.1097/MPG.0000000000000239