Bitte logge Dich ein, um diesen Artikel zu bearbeiten.
Bearbeiten

P-Welle

Synonym: P-Zacke (ugs.)
Englisch: P wave

1 Definition

Die P-Welle ist ein Kurvenabschnitt des Elektrokardiogramms (EKG), der durch die Depolarisation der Vorhöfe des Herzens verursacht wird.

2 Physiologie

Die P-Welle ist die erste im EKG sichtbare Abhebung von der isoelektrischen Linie. Sie wird durch den den primären Schrittmacher des Herzens, den Sinusknoten, ausgelöst. Dabei wird der initiale aufsteigende Anteil der P-Welle durch den rechten Vorhof und der terminale absteigende Anteil durch den linken Vorhof geprägt.

Da die Muskelmasse der Vorhöfe geringer ist als die der Herzventrikel, ist die Amplitude der P-Welle deutlich kleiner als die der R-Zacke. Der P-Welle folgt im EKG die PQ-Strecke als Ausdruck der atrioventrikulären Überleitungszeit.

2.1 Morphologie

Die P-Welle ist meist halbrund oder leicht gewellt. Die Dauer der P-Welle beträgt maximal 100-110 ms, die Amplitude weist einen Wert von maximal 0,20-0,25 mV auf.

Die P-Welle ist normalerweise positiv, kann aber in V1 und V2 auch leicht negativ oder biphasisch sein. Außerdem kann eine isoelektrische oder negative P-Welle in einer Extremitätenableitung auftreten, wenn der zugehörige QRS-Komplex überwiegend negativ ist (konkordant negatives P). Dies gilt insbesondere für aVR, seltener für III und aVL.

Die elektrische Achse der P-Welle weist ungefähr in Richtung der Ableitung II, in der die P-Welle am besten abzugrenzen ist. Als Maß für die Dauer und Amplitude zählt jedoch immer der längste bzw. höchste Ausschlag.

3 Pathologische P-Welle

Pathologische Veränderungen der P-Welle betreffen Abweichungen von Form und/oder Zeitintervallen. Dabei sind 3 Konstellationen bekannt:

  • Sinusrhythmus bei erkranktem Vorhofmyokard: intraatriale Leitungsstörung mit abnorm konfiguierter und meist verlängerter P-Welle
  • ektope Erregung im Vorhofmyokard außerhalb des Sinusknotens: abnorm konfiguierte P-Welle
  • Erregung entsteht nicht im Vorhof, sondern in AV-Knoten, His-Bündel, Tawara-Schenkeln oder in den Ventrikeln mit retrograder Vorhoferregung: verspätete, abnorm konfigurierte P-Welle, die in den QRS-Komplex fällt oder nach dem QRS-Komplex erscheint.

3.1 Ausfall der P-Welle

Eine fehlende P-Welle findet man z.B. beim Sinusarrest sowie beim SA-Block III° (ohne retrograde Vorhoferregung). Typische Ursachen sind:

3.2 P-dextroatriale

Das P-dextroatriale ist gekennzeichnet durch eine erhöhte Amplitude (spitz-überhöhte P-Welle) v.a. in den Ableitungen II, III und aVF.

Dem P-dextroatriale liegt eine Belastung des rechten Vorhofmyokards zugrunde. Typische Ursachen sind:

3.3 P-sinistroatriale

Das P-sinistroatriale ist gekennzeichnet durch eine doppelgipflige P-Welle mit Betonung des zweiten (also linksatrialen) Anteils (v.a. in den Extremitätenableitungen). Daneben findet sich eine Verbreiterung der P-Welle, am besten ersichtlich in Ableitung II.

Das P-sinistroatriale ist die Folge einer Belastung des linken Vorhofs, z.B. bei:

3.4 P-biatriale

Beim P-biatriale (P-cardiale) findet sich eine Kombination aus P-dextroatriale und P-sinistroatriale aufgrund einer Belastung beider Vorhöfe.

Da eine globale Vorhofvergrößerung schon früh zu einem Vorhofflimmern führt, ist das P-biatriale nur selten zu finden.

Tags: , , ,

Fachgebiete: Kardiologie

Diese Seite wurde zuletzt am 17. April 2020 um 17:05 Uhr bearbeitet.

Um diesen Artikel zu kommentieren, melde Dich bitte an.

Klicke hier, um einen neuen Artikel im DocCheck Flexikon anzulegen.

Artikel wurde erstellt von:

Letzte Autoren des Artikels:

22 Wertungen (3.45 ø)

123.421 Aufrufe

Hast du eine allgemeine Frage?
Hast du eine Frage zum Inhalt?
Copyright ©2020 DocCheck Medical Services GmbH | zur mobilen Ansicht wechseln
DocCheck folgen: