Neurogeriatrie
Definition
Die Neurogeriatrie ist eine medizinischer Versorgungsbereich an der Schnittstelle von Neurologie und Geriatrie. Sie befasst sich mit der Prävention, Diagnostik und Therapie neurologischer Erkrankungen im höheren Lebensalter. Dabei berücksichtigt sie altersbedingte Veränderungen, wie Seneszenz, Multimorbidität und geriatrische Syndrome.
Hintergrund
Mit dem demografischen Wandel steigt die Prävalenz altersassoziierter neurologischer Erkrankungen wie Demenz, Parkinson-Syndrom oder Schlaganfall deutlich an. Diese Erkrankungen gehen meist mit kognitiven, motorischen und/oder sensorischen Defiziten einher. Altersbedingte Faktoren wie Polypharmazie, reduzierte funktionelle Reserven und Gebrechlichkeit beeinflussen Diagnostik, Therapie und Krankheitsverlauf.
Krankheitsbilder
Zum neurogeriatrischen Spektrum gehören u.a.:
Weitere häufige Erkrankungen sind:
Sie treten häufig gemeinsam mit geriatrischen Syndromen auf und beeinflussen sich gegenseitig.
Diagnostik
Die neurogeriatrische Diagnostik verbindet die neurologische Untersuchung mit geriatrischen Assessments zur Erfassung von:
- Mobilität und Sturzrisiko
- Kognitiver Leistungsfähigkeit
- Alltagskompetenz
- Psychischer und sozialer Situation
Besonderheiten bestehen in der adaptiven Anwendung bildgebender und laborchemischer Verfahren unter Berücksichtigung der Belastbarkeit älterer Patienten.
Therapieprinzipien
Therapeutische Entscheidungen orientieren sich an individuellen Therapiezielen und berücksichtigen altersbedingte Besonderheiten der Pharmakotherapie. Wichtige Elemente sind:
- Anpassung der Medikation bei Polypharmazie
- Frühzeitige Einbindung rehabilitativer Maßnahmen
- Kombination pharmakologischer und nichtmedikamentöser Therapien
Ziel ist die Stabilisierung neurologischer Funktionen bei gleichzeitiger Sicherung der Alltagskompetenz.
Supportivtherapie
Ein zentrales Merkmal der Neurogeriatrie ist die systematische Prävention und Behandlung typischer Folgeprobleme, insbesondere:
- Stürze und Immobilität
- Delir
- Kognitive Verschlechterung
- Mangelernährung
- Inkontinenz
Diese Maßnahmen dienen dem Erhalt funktioneller Fähigkeiten und der Vermeidung sekundärer Pflegebedürftigkeit. Bei fortschreitenden Erkrankungen werden palliativmedizinische Aspekte berücksichtigt.
Organisation
Die neurogeriatrische Versorgung erfolgt häufig in spezialisierten Behandlungseinheiten in enger interdisziplinärer Zusammenarbeit mit Pflege- und Sozialdiensten. Interprofessionelle Fallkonferenzen unterstützen die koordinierte Therapieplanung sowie die Organisation von Rehabilitation und Weiterversorgung.
Forschung
Forschungsschwerpunkte sind unter anderem die Untersuchung altersabhängiger Krankheitsmechanismen, die Optimierung komplexer Versorgungsmodelle und die Entwicklung geeigneter klinischer Endpunkte für ältere neurologische Patienten. Ein weiterer Fokus liegt auf der Evaluation integrierter Behandlungs- und Rehabilitationskonzepte.