Magendivertikel
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LoslegenEnglisch: gastric diverticulum
Definition
Ein Magendivertikel ist eine sackförmige Ausstülpung einzelner oder aller Wandschichten des Magens. Es zählt zu den Divertikeln des Gastrointestinaltrakts und stellt dort die seltenste Lokalisation dar.[1]
Hintergrund
Magendivertikel sind deutlich seltener als Divertikel des Kolons oder des Duodenums. Die geschätzte Häufigkeit in endoskopischen und radiologischen Untersuchungsserien liegt zwischen 0,01 % und 2,6 %.[2] Betroffen sind vor allem Erwachsene mittleren Alters, ein eindeutiges Geschlechtsverhältnis besteht nicht.[2]
Ätiologie
Echte und falsche Divertikel gehen auf unterschiedliche Entstehungsmechanismen zurück:
- Echte Divertikel entstehen meist kongenital, vermutlich durch eine embryonale Auftrennung der längs verlaufenden Muskelfasern im Bereich der Kardia. Dadurch verbleibt dort nur die zirkuläre Muskelschicht, wodurch eine strukturelle Schwachstelle entsteht.[1]
- Falsche Divertikel (Pseudodivertikel) sind meist erworben und entwickeln sich sekundär im Rahmen von Gastritis, Ulkuskrankheit, Pankreatitis, Voroperationen am Magen oder Motilitätsstörungen.[1]
Pathophysiologie
Bei echten Divertikeln stülpen sich alle Wandschichten – Mukosa, Submukosa, Muskularis und Serosa – gemeinsam aus. Bei falschen Divertikeln herniert dagegen nur Mukosa und Submukosa durch eine Lücke der Muskularis, ähnlich wie bei den häufigeren Kolondivertikeln.[1] Echte Divertikel sind meist juxtakardial im Bereich des Fundus oder an der posterioren Wand lokalisiert, hier findet sich der Großteil aller Magendivertikel. Falsche Divertikel treten dagegen bevorzugt im Antrum oder an anderen Abschnitten des Magens auf.[1]
Symptome
Die meisten Magendivertikel sind asymptomatisch und werden als Zufallsbefund im Rahmen einer Gastroskopie oder Bildgebung entdeckt.[1] Wenn Symptome auftreten, sind sie meist unspezifisch:
- epigastrische Schmerzen
- postprandiales Völlegefühl
- Übelkeit und Erbrechen
- retrosternales Druckgefühl
- selten Dysphagie oder Foetor ex ore
Selten treten Komplikationen wie Blutung, Perforation oder Entzündung (Divertikulitis) auf; auch eine Magenausgangsstenose ist möglich. In diesen Fällen kann der Verlauf lebensbedrohlich sein, sodass eine operative Sanierung notwendig wird.[1] Vereinzelt wurde zudem das Auftreten eines Magenkarzinoms innerhalb eines Divertikels in Fallberichten beschrieben.[3][4]
Diagnostik
Klinische Untersuchung
Der körperliche Untersuchungsbefund ist bei asymptomatischen Patienten meist unauffällig. Bei symptomatischen Verläufen kann ein epigastrischer Druckschmerz bestehen.
Labor
Laborchemisch finden sich in der Regel keine spezifischen Veränderungen. Bei Blutungskomplikationen kann eine Anämie auftreten, bei entzündlichen Komplikationen (Divertikulitis, Perforation) können Entzündungsparameter erhöht sein.
Bildgebung
Die Diagnose wird meist im Rahmen einer Ösophagogastroduodenoskopie oder einer Magen-Darm-Passage mit Kontrastmittel gestellt.[1] Ergänzend kann eine kontrastmittelgestützte Computertomographie des Abdomens erfolgen. Juxtakardiale Divertikel können hierbei radiologisch mit anderen Raumforderungen, etwa im Bereich der Nebenniere, verwechselt werden, was differentialdiagnostisch zu beachten ist.[5]
Therapie
Asymptomatische, zufällig entdeckte Magendivertikel bedürfen keiner spezifischen Therapie; eine Verlaufsbeobachtung ist ausreichend.[1] Bei dyspeptischen Beschwerden ist ein Behandlungsversuch mit einem Protonenpumpenhemmer eine gängige Option.[1] Klare, allgemein akzeptierte Behandlungsempfehlungen für symptomatische oder komplizierte Divertikel fehlen bislang, da die verfügbare Evidenz überwiegend auf Fallberichten und kleinen Fallserien beruht.[2] Die Entscheidung zur operativen Sanierung sollte individuell anhand der Symptomatik und etwaiger Komplikationen getroffen werden. In der Praxis hat sich dabei ein laparoskopisches Vorgehen etabliert, das bei Bedarf durch eine intraoperative Gastroskopie zur besseren Lokalisation ergänzt werden kann.[2] Die früher verbreitete pauschale Regel, Divertikel ab 4 cm grundsätzlich zu resezieren, findet in der aktuellen Studienlage keine ausreichende Grundlage.[2]
Prognose
Quellen
- ↑ 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 1,10 Shah et al., Gastric Diverticulum: A Comprehensive Review, Inflamm Intest Dis, 2019
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 Morris et al., Gastric diverticulum: a contemporary review and update in management, ANZ J Surg, 2023
- ↑ Cheng et al., A rare case of gastric cancer associated with gastric diverticulum, Medicine (Baltimore), 2025
- ↑ Adachi et al., Gastric diverticulum invaded by gastric adenocarcinoma, Am J Gastroenterol, 1987
- ↑ Chaulin et al., Gastric diverticulum mimicking adrenal mass. X-ray computed tomographic aspect, J Radiol, 1992