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Leistungsinduzierte Lungenblutung (Pferd)

Synonym: Lungenblutung
Englisch: exercise-induced pulmonary hemorrhage, EIPH, bleeding, bleeding attack

1 Definition

Die leistungsinduzierte Lungenblutung ist eine bei Leistungspferden auftretende Erkrankung der Lunge.

2 Vorkommen

Eine leistungsinduzierte Lungenblutung kann bei allen Pferden auftreten, die im Hochleistungssport genutzt werden.

Rund 55 % aller Vollblutpferde weisen innerhalb der ersten zwei Stunden nach vollbrachter Leistung Blut in den oberen Atemwegen auf.[1] Bei Pferden anderer Sportarten (z.B. Dressur, Springpferde) kommt es im Durchschnitt deutlich seltener zu Lungenblutungen. Eine Häufung kann bei Rennpferden und Quarterhorses beobachtet werden.

3 Ätiologie

Leistungsinduzierte Lungenblutungen treten hauptsächlich bei Höchstleistungen (kurze und schnelle Belastungen) auf.

Durch veränderte Druckverhältnisse kommt es zum Austritt von Blut ins Lungengewebe. Zu den prädisponierenden Faktoren zählen verschiedene entzündliche Prozesse der oberen und unteren Atemwege sowie der Lunge (z.B. Allergien, Inflammatory airway disease, Recurrent airway obstruction, Bronchitis, Pneumonie, Equine multinoduläre pulmonale Fibrose) und obstruktive Erkrankungen (z.B. Dorsal displacement of the soft palate oder Hemiplegia laryngis). Auch kardiale Störungen (z.B. Vorhoffflimmern) können zur Ausbildung der Erkrankung führen.[2]

4 Pathomechanismus

Bei Höchstleistungen kommt es aufgrund der großen Auswurfleistung des Herzens zu erhöhten Druckverhältnissen in den Lungenkapillaren. Durch den gleichzeitig vorherrschenden niedrigen inspiratorischen Alveolardruck (verstärkte Inspiration) steigt der transmurale Druck enorm an, sodass stressbedingte Läsionen in den Lungenkapillaren entstehen (hauptsächlich bei einem Kapillardruck zwischen 75 und 100 mmHg).

Es kommt zum Austritt von Blut ins Interstitium und in die Alveolen, wobei das Blut durch die Atemtätigkeit sowie Husten in die oberen Atemwege transportiert wird.[2]

5 Klinik

Leistungsinduzierte Lungenblutungen verlaufen meist asymptomatisch. Nur ein kleiner Teil der betroffenen Pferde leiden an Epistaxis (Nasenbluten).

6 Diagnose

Die Diagnose erfolgt mittels endoskopischer Untersuchung der Atemwege. Bei der Inspektion können unterschiedliche Mengen an Blut aufgefunden werden, die anhand der Lokalisation und Menge graduiert werden können.

Graduierung der leistungsinduzierten Lungenblutung anhand der Menge
Grad Beschreibung
0 kein Blut im Pharynx, Larynx oder entlang der Trachea sichtbar
1 vereinzelt kleine Blutflecken sichtbar
2 überall kleine Blutflecken sichtbar; < 10 % der Tracheaoberfläche von einer Blutrinne überzogen
3 deutliche, multiple Blutrinnen sichtbar, die > 30 % der Tracheaoberfläche überdecken; kein Blutsee am Brustkorbeingang auffindbar
4 multiple, konfluierende Blutrinnen sichtbar, die > 90 % der Tracheaoberfläche bedecken; deutlicher Blutsee am Brustkorbeingang ausgebildet

Zusätzlich können in der BAL (bronchoalveolären Lavage) Erythrozyten nachgewiesen werden. Die Endoskopie sollte innerhalb der ersten 4 Stunden nach vollbrachter Höchstleistung durchgeführt werden.[2]

7 Differenzialdiagnosen

8 Therapie

Die Therapie der leistungsinduzierten Lungenblutung gestaltet sich aufgrund der Dopingrelevanz (in Europa) sowie der kontrovers diskutierten Wirkung von Furosemid (200 bis 500 mg/Tier 1 bis 4 Stunden vor Belastung[3]) schwierig.

Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.

Durch das Anbringen von speziellen Klebestreifen am dorsalen Nasenrücken kann eine Dilatation der Nasengänge erreicht werden, sodass mehr Luft pro Atemzug eingeatmet werden kann. Auf diese Weise wird eine Reduktion der Druckunterschiede erreicht, weshalb es zu weniger Lungenblutungen kommen soll.

9 Quellen

  1. Kenneth W. Hinchcliff et al. Association between exercise-induced pulmonary hemorrhage and performance in Thoroughbred racehorses Scientific Reports, JAVMA, Vol 227, No. 5, September 1, 2005 (abgerufen am 08.02.2020)
  2. 2,0 2,1 2,2 Reed SM, Bayly WM, Sellon DC. Equine internal medicine. 4th edition. Elsevier, 2018
  3. CliniPharm CliniTox. Furosemid CliniPharm Wirkstoffdaten (abgerufen am 08.02.2020)

Diese Seite wurde zuletzt am 10. Februar 2020 um 18:10 Uhr bearbeitet.

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