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Os ethmoidale (Veterinärmedizin)

Synonym: Siebbein
Englisch: ethmoid bone

1 Definition

Als Os ethmoidale bzw. Siebbein bezeichnet man einen tief im Schädel liegenden Knochen, der zum Hirnschädel gezählt wird. Bei den Haussäugetieren bildet er die Grenze zwischen Nasenhöhle (Cavum nasi) und Schädelhöhle (Cavum cranii).

2 Anatomie

Das Os ethmoidale ist ursprünglich ein paarig angelegter Schädelknochen, der durch Verschmelzung zu einem Knochen wird.

Das Siebbein hat die Form eines liegenden Rohres. Es besteht aus:

  • einer stirnwärts gelegenen Dachplatte (Lamina tectoria),
  • der beiderseitigen papierdünnen und porösen Seitenplatte (Lamina orbitalis) und
  • der Bodenplatte (Lamina basalis). Zur Schädelhöhle hin ist das Rohr durch
  • die quergestellte Siebplatte (Lamina cribrosa) abgegrenzt.
  • Die mediane Scheidenwand (Lamina perpendicularis) trennt den äußerlich einheitlich erscheinenden Zylinder in zwei Doppelrohre. Von der Dach- und Seitenplatte ausgehend ragt jederseits
  • das Siebbeinlabyrinth (Labyrinthus ethmoidalis) in sein Inneres vor.

2.1 Lamina externa

Die Lamina externa verschmilzt mehr der weniger stark mit den sie bedeckenden Knochen, weshalb sie nur unvollständig isolierbar ist. Die umgebenden Knochen verschließen die v.a. im Bereich der Seitenplatten zahlreich ausgebildeten Poren, weshalb diese Knochen auch an der Bildung der Außenwand des Siebbeins beteiligt sind.

Beim Rind und Schwein erreicht die Lamina orbitalis in der Fossa pterygopalatina (zwischen Orbitalplatte des Stirnbeins und senkrechter Platte des Gaumenbeins) die Außenfläche des Schädels. Am Schädel sind (außer beim Pferd) jederseits im Bereich der Lamina tectoria bzw. der Lamina orbitalis Öffnungen ausgebildet. Diese verbinden den Hohlraum des Siebbeins mit der Stirnhöhle (Sinus frontalis), beim Wiederkäuer und Schwein mit den Cellulae ethmoidales sowie bei der Katze, beim Schwein und Rind (manchmal auch beim Pferd) mit dem Sinus sphenoidalis.

Die Flügel des Pflugscharbeins (Vomer) vereinigen sich median mit der Lamina basalis, die dadurch beim Fleischfresser und Schwein weit in die Nasenhöhle ragt. Diese horizontal stehende Knochenplatte trennt dabei den dorsal gelegenen Nasengrund vom ventral ausgebildeten Nasenrachengang (Meatus nasopharyngeus). Beim Pferd ragt diese Trennwand nur wenig nach rostral vor.

2.2 Lamina perpendicularis

Die Lamina perpendicularis geht rostral in die knorpelig bleibende Nasenscheidewand über. Sie ragt bogenförmig als Hahnenkamm (Crista galli) in die Schädelhöhle hinein. Dieser Knochenkamm ist beim Hund undeutlich, bei den restlichen Haussäugetieren (v.a. beim Schwein) kräftig ausgebildet.

2.3 Lamina cribrosa

Die quer stehende Lamina cribrosa trennt die Nasenhöhle von der Schädelhöhle und ist mit zahlreichen Löchern ausgebildet, die den Riechfäden (Filae olfactoriae) Durchtritt zum Riechkolben (Bulbus olfactorius) gewähren. Durch die Crista galli wird die Lamina cribrosa in zwei Hälften geteilt, die beide jeweils zu einer Siebbeingrube (Fossa ethmoidalis) ausgehöhlt sind (gehen beim Hund ineinander über). Beide Gruben nehmen die Riechkolben des Gehirns auf.

2.4 Labyrinthus ethmoidalis

Das Labyrinthus ethmoidalis ist aus den aufgerollten Siebbeinmuscheln (Ethmoturbinalia) aufgebaut. Diese ragen von der Dach- und Seitenplatte sowie gelegentlich auch von der medianen Scheidewand in das Innere des Os ethmoidale vor. Zwischen den einzelnen Siebbeinmuscheln bleiben gangförmige Hohlräume frei, die als Siebbeingänge (Meatus ethmoidales) bezeichnet werden.

Jede einzelne Siebbeinmuschel ist über ihre Basallamelle an den Außenwänden und kaudal an der Siebplatte befestigt. Die Basallamelle ragt dabei in das Innere des Siebbeins hinein und bildet unter Einrollung die Spirallamelle. Ist die Basallamelle gespalten, rollt sich ihr oberes Blatt für gewöhnlich nach dorsal ein. Die Spirallamelle bildet den sogenannten Riechwulst. An den Spirallamellen können tierartverschieden Nebenlamellen durch Längseinfaltungen abgegrenzt werden (regelmäßig beim Hund).

Die Ethmoturbinalia sind in zwei (beim Pferd in drei) Reihen angeordnet. Die größeren reichen weit nach innen und werden als Endoturbinalia bezeichnet. Die kleineren verbleiben weiter außen und heißen Ectoturbinalia. Beim Pferd sind sie in einer Doppelreihe angeordnet, wohingegen sie bei den übrigen Haussäugetieren einreihig ausgebildet sind.

Die Ethmoturbinalia sowie die Meatus ethmoidales werden für gewöhnlich von oben nach unten fortlaufend gezählt und dementsprechend beziffert:

Anzahl von Endoturbinalia und Ectoturbinalia auf jeder Seite
Tierart: Endoturbinalia: Ectoturbinalia:
Katze 4 5
Hund 4 6
Schwein 7 20
Wiederkäuer 4 18
Pferd 6 25

3 Topographie

Das Os ethmoidale liegt tief im Schädel zwischen beiden Augenhöhlen (Orbitae) im kaudalen Teil der Nasenhöhle dem Nasengrund auf. Es grenzt die Nasenhöhle gegen die Schädelhöhle ab und ist mit seiner Dachplatte von unten in die Incisura ethmoidalis des Stirnbeins (Os frontale) eingefügt.

Die Seitenplatten des Os ethmoidale werden jederseits von der Orbitaplatte des Stirnbeins, dem Flügel des Os praesphenoidale, dem Oberkieferbein (außer beim Pferd), dem Tränenbein (außer beim Schwein) und einem Teil der senkrechten Platte des Gaumenbeins überdeckt. Letzteres lagert sich - zusammen mit dem median gelegenen Pflugscharbein - der Bodenplatte von ventral an.

4 Literatur

  • Nickel, Richard, August Schummer, Eugen Seiferle. Band I: Bewegungsapparat. Lehrbuch der Anatomie der Haustiere. Parey, 2004
  • König, Horst Erich, and Hans-Georg Liebich. Anatomie der Haussäugetiere: Lehrbuch und Farbatlas für Studium und Praxis. Schattauer Verlag, 2014.

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