Landsteiner-Wiener-System
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LoslegenSynonyme: LW, International Society of Blood Transfusion (ISBT) 016
Englisch: Landsteiner-Wiener blood group system, LW blood group system
Definition
Das Landsteiner-Wiener-System ist ein Blutgruppensystem der Erythrozyten. Es wird durch Polymorphismen des Glykoproteins Intercellular adhesion molecule 4 (ICAM-4) bestimmt, das auch als LW-Protein bezeichnet wird.
Hintergrund
Das definierende Glykoprotein gehört zur ICAM-Familie und wurde deshalb von LW in ICAM-4 umbenannt. In der CD-Nomenklatur heißt es CD242. ICAM-4 wird auf Chromosom 19 am Genlokus 19p13.2 kodiert. Es handelt sich um einen Ligand mit breiter Spezifität für verschiedene Integrine, darunter LFA-1 (CD11a/CD18), Mac-1 (CD11b/CD18) sowie β1- und β5-Integrine. Es vermittelt Interaktionen zwischen Erythrozyten und Leukozyten, Makrophagen, Thrombozyten und Endothelzellen und spielt eine Rolle bei der Organisation erythroblastischer Inseln sowie der Elimination seneszenter Erythrozyten. Die physiologische Funktion von ICAM-4 ist weiterhin nicht vollständig geklärt.
Rhesus-Proteine werden offenbar für die Migration des ICAM-4-Proteins zur Erythrozytenmembran benötigt. Deshalb exprimieren Rhesus-positive Individuen LW-Proteine stärker als Rhesus-negative. Menschen mit dem seltenen Phänotyp Rhnull, die keine Rhesusproteine haben, exprimieren auch kein ICAM-4, obwohl das Gen dafür normal vorhanden ist.
Geschichte
Antikörper gegen LW zeigen daher eine ähnliche Spezifität wie Anti-D. Karl Landsteiner und Alexander Wiener führten in den 1930er-Jahren Immunisierungsexperimente mit Blut von Rhesusaffen durch. Dabei produzierten sie ein Antiserum, mit dem sich Rhesus-positive von Rhesus-negativen Erythrozyten unterscheiden ließen. Erst später stellte sich heraus, dass Rhesusaffen gar keine Rhesus-Blutgruppe besitzen. Die Bezeichnung für das menschliche Rhesus-System wurde aber nicht mehr geändert. Das LW-System ist daher das "echte" Rhesus-System.
Phänotypen
Im LW-System gibt es die Phänotypen LW(a+b-), LW(a-b+), LW(a+b+) und die seltene Variante LW(a-b-). LWa ist ein hochfrequentes Antigen, während LWb bei Menschen europäischer Abstammung eine Häufigkeit von unter 1 % hat. Das LWb-Antigen entsteht durch einen einzelnen Aminosäureaustausch Gln100Arg (Gln-100 für LWa, Arg-100 für LWb). Bei Menschen aus dem Baltikum sowie bei Finnen und Polen tritt LWb etwas häufiger auf (2–6 %), daher besteht die Annahme, dass die ursprüngliche Mutation dort zuerst aufgetreten ist.
Zusätzlich ist das seltene Antigen LWEM beschrieben. Der Phänotyp LW(a-b-) wird durch Homozygotie für ein Null-Allel verursacht, letzteres führt zu einem Null-Phänotyp.[1]
Quelle
- ↑ ISBT - LW Allele list, abgerufen am 12.08.2026