Rhesusaffe
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LoslegenSynonym: Rhesus-Makak
Englisch: Rhesus macaque
Nomenklatur
Der Rhesusaffe ist vor allem durch den nach ihm benannten Rhesusfaktor bekannt.
Taxonomie
Die taxonomische Einordnung lautet:
- Domäne: Eukaryota
- Reich: Animalia
- Klasse: Säugetiere (Mammalia)
- Unterklasse: Theria
- Infraklasse: Placentalia
- Ordnung: Primaten (Primates)
- Unterordnung: Trockennasenaffen (Haplorhini)
- Familie: Meerkatzenverwandte (Cercopithecidae)
- Unterordnung: Trockennasenaffen (Haplorhini)
- Ordnung: Primaten (Primates)
- Infraklasse: Placentalia
- Unterklasse: Theria
- Klasse: Säugetiere (Mammalia)
- Reich: Animalia
Merkmale
Der Rhesusaffe gehört mit seiner Körperlänge von 45 bis 65 cm und einem Gewicht von sechs bis zwölf Kilogramm zu den mittelgroßen Primaten. Die Weibchen sind deutlich kleiner und leichter als die Männchen, es liegt also ein Sexualdimorphismus vor. Das Fell des Rhesusaffen weist meist eine braune bis olivfarbene Färbung auf, wobei die Bauchunterseite deutlich heller ist. Das Gesicht der Affen ist unbehaart und rosa oder rötlich gefärbt.
Das Genom des Rhesusaffen besteht aus 21 Chromosomenpaaren, einschließlich der Gonosomen.
Lebensraum
Das natürliche Verbreitungsgebiet umfasst Afghanistan, Pakistan, Indien, Nepal, Bhutan, Bangladesch, Myanmar, Thailand, Laos, Vietnam und China. Außerhalb Asiens bestehen etablierte nicht-heimische Populationen in Florida. Bezüglich der Beschaffenheit ihres Habitats sind die Affen nicht wählerisch. Sie kommen sowohl im Flachland als auch in den Gebirgen des Himalaya und in Trockensavannen vor. In Regionen, in denen ihr natürlicher Lebensraum eingeschränkt ist, sind die Affen zunehmend auch in Großstädten und in der Nähe von Menschen anzutreffen.
Lebensweise
Größtenteils ernähren sich Rhesusaffen von pflanzlichem Material wie Früchten, Blüten und Blättern, sie sind aber Allesfresser. Durch die zunehmende Nähe zu Menschen ernähren sie sich zunehmend von Abfällen oder machen sich auf Feldern und in Gärten auf die Suche nach etwas Fressbarem.
Rhesusaffen sind temperamentvolle und tagaktive Tiere. Die meiste Zeit des Tages verbringen sie mit der Nahrungssuche und -aufnahme. Sie laufen auf allen vieren, können aber auch gut klettern, springen und schwimmen.
Die Gruppenverbände bestehen aus etwa 20 bis 200 Tieren, wobei sich Rangordnungen bei beiden Geschlechtern ausbilden. Während Weibchen ihr Leben lang in ihrer Geburtsgruppe leben, ziehen Männchen zeitweise in kleineren Gruppen umher. Obwohl sie in Gruppenverbänden leben, sind sie nicht territorial und Reviere verschiedener Gruppen können sich erheblich überschneiden.
Rhesusaffen in der Forschung
Durch ihre vergleichsweise einfache Haltung sind Rhesusaffen ein beliebtes Versuchstier in der Forschung. Landsteiner und Wiener beschrieben 1940 nach Immunisierung von Versuchstieren mit Erythrozyten von Menschen und Rhesusaffen ein zunächst als anti-Rh bezeichnetes Antiserum. Dessen Spezifität wurde später überwiegend dem LW-System zugeordnet. Die Bezeichnung des humanen Rh-Blutgruppensystems blieb historisch erhalten. Das LW-System (ISBT (International Society of Blood Transfusion) 016; Antigenträger ICAM-4) ist ein eigenständiges Erythrozyten-Blutgruppensystem. LW-Antigene werden auf RhD-positiven Erythrozyten in der Regel stärker exprimiert als auf RhD-negativen. Bei Rhnull fehlen sie. Anti-LW, das nach Injektion des Blutes von Rhesusaffen in Versuchstieren entsteht, reagiert deshalb auch mit Rhesus-positiven Erythrozyten von Menschen. Das Reaktionsmuster ähnelt dem Anti-D. Die Kenntnis des RhD-Systems ermöglichte RhD-kompatible Erythrozytentransfusionen und die Anti-D-Immunglobulinprophylaxe bei nicht immunisierten RhD-negativen Schwangeren. Die Anti-D-Immunglobulinprophylaxe senkt die RhD-Alloimmunisierung und damit die RhD-vermittelte hämolytische Erkrankung des Feten und Neugeborenen deutlich, verhindert sie jedoch nicht vollständig.
Rhesusaffen und aus ihnen gewonnene Nierenzellkulturen waren bedeutend für die Poliovirusforschung und die Entwicklung der Mitte der 1950er Jahre eingeführten Polioimpfstoffe. In den Jahren 1959 und 1960 wurden Rhesusaffen im Rahmen des Mercury-Programms der US-amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA in den Weltraum geschickt. 1999 gelang mit dem Rhesusaffen „Tetra“ durch Embryosplitting erstmals die künstliche Erzeugung genetisch identischer Primaten. 2007 wurden aus mittels somatischem Zellkerntransfer erzeugten Rhesusaffen-Embryonen embryonale Stammzelllinien etabliert. Ein lebend geborenes Tier entstand dabei nicht. 2024 wurde mittels Trophoblastenersatz nach somatischem Zellkerntransfer erstmals die Lebendgeburt eines gesunden männlichen Rhesusaffen berichtet.
Durch die massive Nachfrage aus Forschungsinstituten wurden Rhesusaffen in großen Mengen aus ihren natürlichen Habitaten in asiatischen Wäldern exportiert, was vor allem in Indien zu drastischen Rückgängen in der Population führte. Indien untersagte 1978 den Export von Rhesusaffen für die biomedizinische Forschung.
Das natürliche Verbreitungsgebiet ist auf Asien beschränkt. Die Bestände haben sich regional unterschiedlich entwickelt; eine pauschale Erholung lässt sich daher nicht belegen. Heute werden die Versuchstiere für die Infektiologie, Arzneimittelentwicklung und die Hirnforschung in speziellen Einrichtungen gezüchtet, damit sie den gesundheitlichen Standards entsprechen. Seit der COVID-19-Pandemie dienen Rhesusaffen als wichtiges Tiermodell zur Untersuchung von SARS-CoV-2-Infektionen sowie zur präklinischen Testung von Impfstoffen, unter anderem mRNA- und Vektorimpfstoffen, und antiviralen Therapeutika.
Im April 2007 veröffentlichte die Fachzeitschrift Science das Ergebnis einer detaillierten Sequenzierung der Desoxyribonukleinsäure (DNA). 2007 wurde eine Draft-Genomassemblierung des Rhesusaffen veröffentlicht. Sie repräsentierte etwa 98 % des verfügbaren Genoms. Dabei konnte eine 93,5-prozentige Übereinstimmung zwischen der DNA des Menschen und der Rhesusaffen-DNA nachgewiesen werden.[1] Für Forscher war interessant, dass Gene bei Rhesusaffen normal funktionsfähig sind, deren Mutationen beim Menschen die Phenylketonurie verursachen.
Quelle
- ↑ Rhesus Macaque Genome Sequencing and Analysis Consortium. Evolutionary and Biomedical Insights from the Rhesus Macaque Genome. Science. 2007;316(5822):222–234.
Literatur
- DPZ; Rhesusaffen; abgerufen am 14.08.2026