IADT-Klassifikation
Trainier deine Lernmuskeln!
Mit Flash Cards, Quiz und mehr
LoslegenDefinition
Die IADT-Klassifikation ist ein von der International Association of Dental Traumatology (IADT) verwendetes System zur Einteilung traumatischer Zahnverletzungen. Sie unterscheidet zwischen Zahnfrakturen und Dislokationsverletzungen und bildet die Grundlage aktueller nationaler und internationaler Leitlinien zur Diagnostik und Therapie des Zahntraumas.
Hintergrund
Die den IADT-Klassifikation geht in ihren Grundzügen auf die Arbeiten von Jens Ove Andreasen zurück. Im klinischen Alltag hat sie ältere, rein auf Kronenfrakturen beschränkte Systeme wie die Ellis-Klassifikation weitgehend verdrängt.
Im deutschen Sprachraum wird der englische Begriff "luxation" beziehungsweise Ellis displacement in aktuellen Leitlinien (unter anderem der AWMF/DGZMK-S2k-Leitlinie "Therapie des dentalen s bleibender Zähne") mit Dislokation übersetzt, um Verwechslungen mit der Gelenkluxation zu vermeiden.
Einteilung
Die IADT-Klassifikation unterscheidet zwei große Verletzungsgruppen sowie ergänzend Verletzungen des Alveolarfortsatzes und des Milchgebisses.
Zahnfrakturen
| Verletzungsform | Beschreibung |
|---|---|
| Schmelzinfraktion | Unvollständige Schmelzfraktur (Fissur) ohne Substanzverlust |
| Schmelzfraktur | Fraktur mit Substanzverlust, begrenzt auf den Schmelz |
| Schmelz-Dentin-Fraktur (unkomplizierte Kronenfraktur) | Substanzverlust in Schmelz und Dentin ohne Eröffnung der Pulpa |
| Komplizierte Kronenfraktur | Kronenfraktur mit Substanzverlust in Schmelz und Dentin und Pulpaeröffnung |
| Unkomplizierte Kronen-Wurzel-Fraktur | Fraktur mit Beteiligung von Schmelz, Dentin und Wurzelzement |
| Komplizierte Kronen-Wurzel-Fraktur | Wie oben, jedoch mit Pulpaeröffnung |
| Wurzelfraktur | Fraktur, die Dentin, Zement und Pulpa betrifft; Einteilung zusätzlich nach Frakturhöhe (zervikal, mittleres/apikales Drittel) |
| Alveolarfortsatzfraktur | Fraktur des den Zahn/die Zähne tragenden Alveolarfortsatz -Knochens, die sich auf die Alveole eines oder mehrerer Zähne ausdehnt |
Dislokationsverletzungen
| Verletzungsform | Beschreibung |
|---|---|
| Konkussion | Verletzung der Zahnhalteapparat-Strukturen ohne abnorme Lockerung oder Dislokation, aber mit Perkussionsempfindlichkeit |
| Subluxation | Erhöhte Zahnbeweglichkeit ohne sichtbare Dislokation, oft mit Sulcusblutung |
| Extrusion | Teilweise Herausdislokation des Zahnes aus der Alveole entlang der Zahnachse |
| Laterale Dislokation | Verlagerung des Zahnes in eine andere als die axiale Richtung, meist verbunden mit einer Fraktur der Alveolenwand und fester Verkeilung des Zahnes im Knochen |
| Intrusion | Verlagerung des Zahnes axial in den Alveolarknochen hinein, häufig mit Fraktur oder Kompression der Alveolarwand |
| Exartikulation | Vollständige Verlagerung des Zahnes aus seiner Alveole |
Ergänzend berücksichtigt die IADT-Klassifikation Besonderheiten des Milchgebisses, da hier abweichende Behandlungsprinzipien gelten (unter anderem wegen der Nähe der Milchzahnwurzeln zu den Keimen der bleibenden Zähne).
Klinische Bedeutung
Die IADT-Klassifikation dient als einheitliche Grundlage für die Befunderhebung und Dokumentation nach dentalen Traumata. Sie strukturiert die klinische Untersuchung (Inspektion, Palpation, Perkussion, Sensibilitätsprüfung, Okklusionskontrolle) ebenso wie die Auswahl bildgebender Verfahren (Zahnfilm, Okklusalaufnahme, Panoramaschichtaufnahme, ggf. kleinvolumige DVT bei entsprechender Indikation).
Die getroffene Einteilung hat unmittelbare therapeutische Konsequenzen. Während unkomplizierte Kronenfrakturen meist konservativ (zum Beispiel mittels Adhäsivtechnik oder Fragmentreattachment) versorgt werden können, erfordern komplizierte Frakturen mit Pulpabeteiligung sowie Dislokationsverletzungen häufig endodontische Maßnahmen, eine Schienung des Zahnes oder im Fall der Avulsion eine Replantation. Auch die Prognose (unter anderem Risiko für Wurzelresorption, Ankylose oder Pulpanekrose) ist eng an die jeweilige Verletzungskategorie gekoppelt, weshalb strukturierte Nachsorgeintervalle empfohlen werden.
Quellen
- Levin L et al.: International Association of Dental Traumatology guidelines for the management of traumatic dental injuries: General introduction. Dental Traumatology, 2020;36(4):309–313.
- Bourguignon C et al.: International Association of Dental Traumatology guidelines for the management of traumatic dental injuries: 1. Fractures and luxations. Dental Traumatology, 2020;36(4):314–330.
- Fouad AF et al.: International Association of Dental Traumatology guidelines for the management of traumatic dental injuries: 2. Avulsion of permanent teeth. Dental Traumatology, 2020;36(4):331–342.
- Day PF et al.: International Association of Dental Traumatology guidelines for the management of traumatic dental injuries: 3. Injuries in the primary dentition. Dental Traumatology, 2020;36(4):343–359.
- AWMF/DGZMK: S2k-Leitlinie „Therapie des dentalen Traumas bleibender Zähne", 2022.